Hl. Cyrill von Jerusalem

Das Laster äfft die Tugend nach, und das Unkraut bemüht sich, als Weizen durchzugehen: Das Aussehen ist ähnlich, aber der Geschmack kann einen Kenner nicht täuschen. Auch der Teufel verkleidet sich als einen Engel des Lichts, nicht um dorthin zurückzukehren, wo er früher war (denn er hat sein Herz hart wie einen Amboss gemacht, und seine damalige Entscheidung ist unwiderruflich), sondern um jene, die ein engelgleiches Leben führen, mit der Finsternis der Blindheit und der Pest des Unglaubens zu umgeben. ...

June 26, 2024

Guigo von Kastell

Die Süße des seligen Lebens wird in der Lesung gesucht, in der Betrachtung gefunden, im Gebet erfleht und in der Beschauung verkostet. Deshalb sagt der Herr selbst: „Sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet“ (Mt 7,7). Sucht im Lesen, und ihr werdet finden in der Betrachtung. ...

June 25, 2024

Hl. Augustinus

Zacharias verstummt und verliert die Sprache bis zur Geburt Johannes, des Vorläufers des Herrn, der ihm die Sprache zurückgibt. Was bedeutet das Schweigen des Zacharias anderes, als dass die Prophetengabe verloren gegangen und vor der Verkündigung Christi gleichsam verborgen und verschlossen war? Sie öffnet sich bei seiner Ankunft wieder, sie wird klar und deutlich, um die Ankunft dessen anzukündigen, der prophezeit worden war. ...

June 24, 2024

Hl. Augustinus

Auch wir befinden uns auf einem See und werden weder vom Wind noch vom Sturm geschont. Die täglichen Versuchungen dieser Welt überfluten beinahe unser Boot. Woher aber kommt das, wenn nicht davon, dass Jesus schläft? Wenn Jesus nicht in dir schlafen würde, würden dich die Stürme nicht erschüttern, sondern du würdest dich einer großen inneren Ruhe erfreuen, weil Jesus mit dir wacht. ...

June 23, 2024

Hl. Alphons-Maria von Liguori

Macht euch keine Sorgen! Bedenkt Folgendes: Euer Gott liebt euch mehr als ihr selbst euch lieben könnt; was habt ihr also zu befürchten? „Der Herr sorgt für mich“ (Ps 39,18 Vulg.), wiederholte David, und dieser Gedanke tröstete ihn. Sagt auch ihr: „Ich überlasse mich deinen Armen, Herr, und gebe mich dir hin. ...

June 22, 2024

Hl. Gregor von Nyssa

„Deine Augen“, sagt der Bräutigam [im Hohenlied der Liebe] „sind wie Tauben“ (Hld 1,15). […] Das Lob, das man den Augen [der Braut] macht, besagt, dass sie wie Tauben seien. Das scheint mir Folgendes zu bedeuten: Wenn die Pupillen klar sind, können Menschen ihr eigenes Gesicht darin sehen. ...

June 21, 2024

Johannes Cassianus

In der zweiten Bitte (des „Vaterunser“) drückt die reine Seele den Wunsch aus, das Reich ihres Vaters möge bald anbrechen. Sie kann damit zunächst das Reich meinen, das Christus jeden Tag in den Seelen der Heiligen herbeiführt. Das geschieht, wenn der Teufel samt seinen Lastern aus unseren Herzen vertrieben wird, seine Macht schwindet und Gott als Herrscher bei uns einzieht, während sich der Wohlgeruch der Tugenden dort ausbreitet. ...

June 20, 2024

Hl. Teresa von Avila

Nachdem der heilige Augustinus Gott an vielen Orten gesucht hatte, fand er ihn schließlich in seinem eigenen Inneren. Meint ihr, es sei für eine Seele, die leicht zerstreut ist, nebensächlich, diese Wahrheit zu begreifen und zu erkennen, dass sie nicht in den Himmel aufsteigen muss, um mit ihrem ewigen Vater zu sprechen und ihre Wonne bei ihm zu finden? Nein, sie muss ihre Stimme nicht erheben, um mit ihm zu sprechen, denn er ist so nahe, dass er sie hört, wie leise sie auch spricht. ...

June 19, 2024

Hl. Leo der Große

Wer wissen möchte, ob Gott in ihm wohnt, von dem es heißt: „Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen“ (Ps 67, 36 Vulg.), der unterziehe das Innere seines Herzens einer aufrichtigen Erforschung und frage sich eindringlich, mit welcher Demut er dem Stolz widersteht, mit welcher Menschenliebe er den Neid bekämpft, wie wenig er für schmeichelnde Worte empfänglich ist, wie sehr er sich über das Wohlergehen der anderen freut. ...

June 18, 2024

Hl. Katharina von Siena

Liebster Vater, vielleicht sagen Sie: Ich liebe die Nächstenliebe sehr, aber wie kann ich wissen, ob ich sie habe? Darauf möchte ich Ihnen antworten: Wenn die Seele die Bedingungen, die wir der Nächstenliebe zuerkennen, in sich vorfindet. Diese lassen sich in zwei Hauptbedingungen zusammenfassen: zunächst in der echten und heiligen Geduld, die alle Beleidigungen, ob klein oder groß, von welcher Seite sie auch kommen mögen, erträgt, und zwar mit einem ruhigen, friedlichen Geist. ...

June 17, 2024