Sonntag, 29 Juli 2018 : Kommentar Hl. Hilarius

Die Apostel antworteten, dass sie nur fünf Brote und zwei Fische hätten, weil sie noch auf die fünf Brote, das heißt, auf die fünf Bücher des Gesetzes beschränkt waren, und durch die Lehren zweier Fische, das heißt, durch die Propheten und Johannes den Täufer genährt wurden. […] Diese also haben die Apostel zuerst, weil sie noch auf sie beschränkt waren, dargereicht; aber wie aus ihnen hervorgegangen wird die Lehre des Evangeliums dargestellt, und von diesem Ursprung hergeleitet wächst sie zu einer größeren Fülle ihrer Kraft heran. Der Herr nahm also die Brote und Fische, sah zum Himmel auf, segnete und brach sie, dem Vater dankend, dass er nach den Zeiten des Gesetzes und der Propheten zur Speise des Evangeliums verwandelt werde. […] Auch werden die Brote von den Aposteln ausgeteilt, weil durch sie die Geschenke der göttlichen Gnade verliehen werden sollten. Das Volk isst dann die fünf Brote und zwei Fische, und wird satt; und die Stücke des Brotes und der Fische wurden, nachdem die Herumsitzenden sich gesättigt hatten, bis zur Anfüllung von zwölf Körben vermehrt; nämlich durch das Wort Gottes, welches aus der Lehre des Gesetzes und der Propheten kommt, wird die Menge gesättigt; und aufbewahrt für das Volk der Heiden aus der Darreichung der ewigen Speise, wächst in reichlichem Überfluss zur Erfüllung der zwölf Apostel die Fülle der göttlichen Kraft an. Die Anzahl der Essenden aber wird als die nämliche befunden, welche in der Folge die der Gläubigen war: fünftausend (vgl. Mt 14,21; Apg 4,4).

July 28, 2018

Samstag, 28 Juli 2018 : Kommentar Hl. Jean-Baptiste Marie Vianney

Heute, liebe Brüder, erfahren wir im Evangelium, dass der Besitzer des Ackers guten Samen ausgesät hatte. aber während er schlief, kam der Feind und säte Unkraut hinein. Das will heißen, dass Gott den Menschen gut und vollkommen geschaffen hat, dass aber der Feind kam und die Sünde hineinsäte. Da haben wir den Sündenfall Adams, einen schrecklichen Fall, der der Sünde Zugang zum Herzen des Menschen verschafft hat. Ihr sagt, dass das Unkraut ausgerissen werden muss? „Nein“, sagt der Herr dazu in der Befürchtung, dass mit dem Unkraut auch der Weizen ausgerissen würde. „Wartet bis zur Ernte.“ Im Herzen des Menschen muss also bis ans Ende ungetrennt Gutes und Böses, Laster und Tugend, Licht und Dunkel, Weizen und Unkraut verbleiben. Gott wollte diese Vermengung nicht aufheben und uns eine neue Natur schaffen, in der es nur gutes Korn gäbe. Er will, dass wir kämpfen, uns abmühen, das Unkraut daran hindern, alles zu überwuchern. Der Dämon kommt, um auf unserem Weg Versuchungen auszustreuen; mit Gottes Gnade aber können wir ihn besiegen, können wir das Unkraut ersticken. Gegen die Versuchung ist dreierlei absolut nötig: das Gebet, das uns erleuchtet, die Sakramente, die uns Kraft geben, und die Wachsamkeit, die uns bewahrt. Glücklich die Seelen, die versucht werden! Wenn der Dämon erkennt, dass ein Mensch sich mit Gott vereinen will, verdoppelt sich seine Wut.

July 27, 2018

Donnerstag, 26 Juli 2018 : Kommentar Hl. Hilarius

Alles, was in der Heiligen Schrift steht, handelt von der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Sie wird durch Worte angekündigt, durch Geschehnisse enthüllt, durch Vorbilder dargestellt: Jesus Christus, von seinem Vater gesandt, ist Mensch geworden, durch das Wirken des Heiligen Geistes geboren von einer Jungfrau. Solange die Schöpfung Bestand hat, ist er es, der die Kirche gründet, sie wäscht und heiligt, sie auswählt und aussondert oder freikauft – echt und fassbar vorausgestaltet in den Patriarchen: durch den Schlaf Adams, durch die Sintflut Noahs, durch die Gerechtmachung Abrahams, durch die Geburt Isaaks, durch die Knechtschaft Jakobs. Mit einem Wort, während der ganzen Zeit sind uns die Prophezeiungen in ihrer Gesamtheit – mit ihnen wurde ja der geheime Plan Gottes Wirklichkeit – wohlwollend geschenkt worden, damit wir Kenntnis erlangen von der künftigen Menschwerdung […] In jeder biblischen Gestalt, in jeder Epoche und in jedem Geschehnis entwerfen die Prophetien in ihrer Gesamtheit wie in einem Spiegel das Bild seiner Ankunft, seiner Verkündigung, seiner Passion, seiner Auferstehung und unserer Sammlung innerhalb der Kirche […] Angefangen bei Adam […] finden wir von Anbeginn der Welt in vielen Vorabbildungen all das, was im Herrn seine umfassende Vollendung gefunden hat.

July 25, 2018

Mittwoch, 25 Juli 2018 : Kommentar Hl. Johannes Chrysostomus

„Lass in deiner Herrlichkeit einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen!“ (Mk 10,37). Wie kommt es nun, dass unser Evangelist erzählt, ihre Mutter sei hinzugetreten? Es wird eben beides geschehen sein. Sie werden ihre Mutter zugezogen haben, um ihrer Bitte mehr Nachdruck zu geben […] Christus wendet sich in seiner Antwort zunächst gegen diese Anschauung, indem er ihnen einen gewaltsamen Tod, Gefahren aller Art und sonstige fürchterliche Dinge in Aussicht stellt. „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke?“, fragt er. Verwundere dich aber nicht, dass die Apostel so unvollkommen waren. Noch war ja der Herr nicht am Kreuz gestorben, noch war der Hl. Geist nicht über sie gekommen. Willst du sehen, wie tugendhaft sie waren, so musst du sie nachher betrachten, und du wirst finden, dass sie dann über jede Seelenschwäche erhaben sind. Drum eben deckt der Herr auch ihre Unvollkommenheit auf, damit du erkennst, was sie durch die Gnade geworden sind. […] „Ihr wisst nicht, um was ihr bittet“, wie groß, wie wunderbar es ist, wie sehr es auch die himmlischen Kräfte übersteigt. Dann fährt er fort: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“ Siehst du, wie rasch er sie von ihrem Begehren abbringt und von etwas ganz Entgegengesetztem mit ihnen spricht? Er will sagen: Ihr redet mit mir von Rang und Ehrenstellen, ich rede mit euch von Kampf und Mühen. Beachte ferner, wie er sie auch durch die Art und Weise der Frage aufmuntert und anspornt. Er sagte nicht: Könnt ihr es ertragen, hingemordet zu werden? Seid ihr imstande, euer Blut zu vergießen? Sondern wie? „Könnt ihr den Kelch trinken?“ und dann zu ihrer Ermutigung: „den ich trinke“, um sie bereitwilliger zu machen durch den Hinweis darauf, dass er es mit ihnen tun werde. […] Aber, wie schon erwähnt, musst du sie später anschauen und du wirst finden, dass sie alle Verkehrtheiten abgelegt haben. Höre z.B., wie eben dieser Johannes, der jetzt ein solches Anliegen vorgebracht hatte, in der Apostelgeschichte überall dem Petrus den Vortritt lässt […] Jakobus lebte nicht mehr gar lange. Gleich von allem Anfange war er so voll Eifer, dass er alle menschlichen Schwächen ablegte, und erreichte eine so große Tugendhaftigkeit, dass man ihn bald umbrachte.

July 24, 2018

Dienstag, 24 Juli 2018 : Kommentar Hl. Augustinus

Die Frauen, die sich dem Herrn vollkommen weihen, sollen nicht betrübt sein, dass sie – da sie wie Maria jungfräulich bleiben – nicht nach den Gesetzen des Fleisches Kinder bekommen können […] Jener, der die Frucht der wahrhaft heiligen Jungfrau ist, ist zugleich der Ruhm und die Ehre aller anderen heiligen Jungfrauen, denn wie Maria sind sie Mütter Christi, wenn sie den Willen seines Vaters erfüllen. Der Ruhm und die Glückseligkeit Marias, Mutter Gottes zu sein, werden insbesondere in dem Herrenwort offenbar: „Wer den Willen meines himmlischen Vaters tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ Er verweist damit auf seine geistliche Verwandtschaft mit dem Volk, das er freigekauft hat. Seine Brüder und Schwestern sind jene heiligen Männer und heiligen Frauen, die Erben Gottes und Miterben Christi sind (Röm 8,17). Seine Mutter ist die ganze Kirche, weil sie es ist, die mittels der Gnade Gottes den Gliedern Christi das Leben schenkt, d.h. jenen, die ihm treu sind. Seine Mutter ist außerdem jede heiligmäßige Seele, die den Willen des Vaters erfüllt und deren fruchtbare und selbstlose Liebe sich in denen offenbart, denen sie um seinetwillen das Leben schenkt, „bis Christus in ihnen Gestalt annimmt“ (vgl. Gal 4,19). Unter allen Frauen ist Maria die einzige, die gleichzeitig Mutter und Jungfrau ist, nicht nur im Geist, sondern auch im Leib. Sie ist Mutter dem Geist nach […] der Glieder Christi, d.h. von uns, da sie durch ihre selbstlose Liebe mitgewirkt hat, der Kirche Gläubige zu gebären, die Glieder dieses göttlichen Meisters, unseres Hauptes (Eph 4,15-16), sind, dessen wahre Mutter sie dem Fleische nach ist. Es musste in der Tat so sein, dass unser Meister dem Fleisch nach aus einer Jungfrau geboren wurde, um uns zu zeigen, dass seine Glieder dem Geist nach von einer anderen Jungfrau geboren werden sollten: der Kirche. Maria ist somit die einzige, die sowohl Mutter als auch Jungfrau dem Geist als auch dem Fleisch nach ist. Doch ist die gesamte Kirche, in den Heiligen, die das Reich Gottes in Besitz nehmen sollen, dem Geist nach auch Mutter Christi und Jungfrau Christi.

July 23, 2018

Montag, 23 Juli 2018 : Kommentar Hl. Franz Xaver

Niemand möge sich der Illusion hingeben, dass er sich in großen Dingen hervortun wird, wenn er sich nicht zuerst in kleinen hervortut. Glaubt mir, es gibt sehr viele verschiedene Arten von Eifer und, um es genauer auszudrücken, von Versuchungen… Um nicht durch die Ausübung dessen, was ihnen der Gehorsam vorschreibt, dem eigenen Willen entsagen zu müssen, wollen manche Menschen noch andere, wichtigere Dinge tun. Dabei bemerken sie nicht, dass, wenn es ihnen für kleine Dinge an Kraft fehlt, sie für große Dinge noch weniger Kraft haben werden. Wenn sie sich dann auf große und schwierige Dinge einlassen ohne ein gewisses Maß an Selbstverleugnung und Seelenstärke, so müssen sie zur Erkenntnis kommen, dass ihr leidenschaftlicher Einsatz eine Versuchung ist, weil ihnen die Kraft ausgegangen ist […] Ich schreibe euch das nicht, um euch von sehr schwierigen Vorhaben abzubringen, bei denen ihr euch als große Diener Gottes erweisen könnt, und durch die ihr euch bei euren Nachfolgern in Erinnerung bringen werdet. Ich sage es euch nur, damit ihr euch im Kleinen als groß erweist, damit ihr die Versuchungen und euren eigenen Wert besser erkennt und so eure ganze Kraft auf Gott setzt. Wenn ihr auf diesem Weg bleibt, zweifle ich nicht daran, dass ihr an Demut und Innerlichkeit mehr und mehr zunehmt, dass ihr in den Seelen viel Frucht hervorbringt und überall, wo ihr auch seid, in Frieden und Sicherheit lebt.

July 22, 2018

Sonntag, 22 Juli 2018 : Kommentar Hl. Beda Venerabilis

„Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.“ Die Apostel sind nicht die einzigen […], es gibt auch andere Jünger Jesu und die Jünger Johannes des Täufers […] „Da sagte Jesus zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!“ Um darauf hinzuweisen, wie nötig es war, den Jüngern Ruhe zu verschaffen, fährt der Evangelist mit folgenden Worten fort: „Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.“ Diese große Anstrengung der Unterweisenden sowie der glühende Eifer der Unterwiesenen machen hier überaus deutlich, wie glückselig man in jenen Zeiten gewesen ist. Wenn doch die göttliche Vorsehung ebenso in unserer heutigen Zeit vorgehen würde, und eine große Schar von Gläubigen sich um die Verkünder des Wort Gottes drängen würde, um ihnen zuzuhören, ohne ihnen auch nur die Zeit zu geben, sich auszuruhen! […] Wenn man von ihnen – ob gelegen oder ungelegen – die Verkündigung des Wortes und den priesterlichen Dienst einforderte, dann würden diese leidenschaftlich danach trachten, selber die göttlichen Gesetze zu betrachten und sie ohne Unterlass in die Praxis umzusetzen, sodass ihre Handlungen nicht ihren Worten Lügen strafen würden. „Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein.“ […] Doch die Leute folgten ihnen nach. Voller Eile haben sie den Weg durch die Wüste eingeschlagen, nicht auf dem Rücken von Eseln oder auf irgendwelchen Gefährten, sondern zu Fuß, und mit diesem persönlichen Einsatz machten sie deutlich, mit wie viel Sorgfalt sie ihr Heil suchten. Jesus wiederum hat diese ermüdeten Menschen in Empfang genommen. Als Retter und Arzt voller Wirkmacht und Güte, hat er die Unwissenden unterwiesen, die Kranken geheilt und die Hungrigen gesättigt, und zeigte damit, wie sehr die Liebe der Gläubigen ihm Freude macht.

July 21, 2018

Samstag, 21 Juli 2018 : Kommentar Isaak der Syrer 

Ich möchte meinen Mund öffnen, Brüder, um zu euch vom sehr ehrwürdigen Gut der Demut zu sprechen. Ich fürchte mich wie einer, der weiß, dass er von Gott in der Sprache seiner eigenen Gedanken sprechen soll. Denn die Demut ist der Schmuck der Göttlichkeit. Indem er Mensch wurde, hat das Göttliche Wort sie angezogen. Durch sie hat er unter uns gelebt in einem [menschlichen] Leib. Und wer immer sich mit ihr bekleidet hat, hat sich wahrhaftig Dem gleich gemacht, der von seiner Höhe herabgestiegen ist und der seine Größe und seine Herrlichkeit durch die Demut bedeckt hat, damit die Schöpfung bei seinem Anblick nicht verzehrt würde. Denn die Schöpfung hätte ihn nicht betrachten können, hätte er nicht die Demut auf sich genommen und mit ihr gelebt. Von Angesicht zu Angesicht hätte ihn die Menschheit nicht sehen können. Die Schöpfung hätte die Worte seines Mundes nicht gehört […] Dies ist der Grund, warum die Schöpfung, wenn sie einen Menschen in ähnliche Gestalt wie ihren Meister gekleidet sieht, ihn ehrt wie ihren Meister, den sie in ihrer Mitte leben sah, bekleidet mit Demut. Welche Kreatur lässt sich vom Anblick der Demütigen nicht bewegen? Und doch hatte man diese Vision voller Heiligkeit verachtet, solange die Herrlichkeit der Demut sich noch nicht allen offenbart hatte in Christus. Jetzt aber hat sich seine Größe vor den Augen der Welt gezeigt. […] Deshalb wird der Demütige von niemandem verachtet, selbst von den Feinden der Wahrheit nicht. Wer Demut gelernt hat, wird dank ihrer geehrt, wie wenn er die Krone und den Purpur trüge.

July 20, 2018

Freitag, 20 Juli 2018 : Kommentar Aphraat

Durch Vermittlung seines Dieners Mose hat der Herr den Söhnen Israels geboten, den Sabbat einzuhalten: „Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem HERRN, deinem Gott, geweiht“ (Ex 20,9-10). […] Er hat sie wissen lassen: Du sollst ausruhen, dein Sklave, deine Sklavin, dein Vieh und dein Esel. Er hat sogar hinzugefügt: Der Tagelöhner und der Fremde sollen sich ebenfalls ausruhen, wie auch alles Vieh, das sich in deinem Dienst abmüht (vgl. Ex 23,12) […] Der Sabbat ist nicht auferlegt worden als eine Prüfung, als eine Wahl zwischen Leben und Tod, zwischen rechtem Tun und Sünde, wie die anderen Vorschriften, von denen es abhängt, ob der Mensch leben kann oder sterben muss. Nein, der Sabbat ist seinerzeit dem Volk geschenkt worden zur Ruhe – nicht nur des Menschen, sondern auch des Viehs […] Höre nun, welcher Art der Sabbat ist, der Gott gefällt. Jesaja sagt: „Gönnt doch den Müden die Rast“ (vgl. 28,12). Und an anderer Stelle: „Die meinen Sabbat halten ohne ihn zu schänden, das sind diejenigen, die gestärkt sind durch meinen Bund und gerne tun, was mir gefällt“ (vgl. Jes 56,4) […] Der Sabbat ist von keinerlei Nutzen für Böse, für Mörder, für Diebe. Aber wer gerne tut, was Gott gefällt und seine Hände vor dem Bösen bewahrt, in denen wohnt Gott; er macht sie zu seiner Wohnstätte gemäß seinem Wort: „Ich will unter ihnen wohnen und will in ihrer Mitte gehen“ (2 Kor 6,16; vgl. Lev 26,12) […] Halten wir also zuverlässig den Sabbat Gottes, das heißt das, was seinem Herzen gefällt. So werden wir eintreten in den Sabbat der großen Ruhe, den Sabbat des Himmels und der Erde, wo alle Kreatur zur Ruhe kommt.

July 19, 2018

Donnerstag, 19 Juli 2018 : Kommentar Hl. Hieronymus

„Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2). Die Sünde ist eine schwere Last, wie es auch der Psalmist ausführt, wenn er sagt: „Meine Sünden erdrücken mich wie eine schwere Last“ (vgl. Ps 38,5). Unser Retter hat diese schwere Last um unseretwillen auf sich genommen und lehrt uns mit seinem Beispiel, was auch wir tun müssen. Denn er selbst trägt unsere Sündenlast auf seinen Schultern. Er leidet an unserer statt (vgl. Jes 53,4) und er lädt alle ein, die unter der schweren Last des Gesetzes und ihrer Sünden zusammenbrechen, die leichte Last der Tugend auf sich zu nehmen, wenn er sagt: „Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“ (Mt 11,30). Derjenige also, der nicht an der Rettung seines Bruders zweifelt, streckt seine helfende Hand dem entgegen, der um seine Unterstützung bittet, er weint mit dem, der weint, er ist schwach mit den Schwachen, und betrachtet die Sünden der anderen als die eigenen, und erfüllt somit seiner Liebe zum Nächsten das Gesetz Christi. Worin besteht also das Gesetz Christi? „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben“ (Joh 13,34). Und wie hat der Sohn Gottes uns geliebt? „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13). Wer keine Milde kennt, wessen Inneres nicht mit Erbarmen und mit Tränen des Mitgefühls bekleidet ist, dieser erfüllt nicht – und sei er auch noch so fortgeschritten im geistlichen Leben – das Gesetz Christi. Wer dem in Not geratenen, der unter dem Gewicht seines Elends stöhnt, zu Hilfe eilt und sich Freunde mithilfe des ungerechten Mammons macht (Lk 16,9), der trägt die Not seines Bruders. Diesem wird Jesus beim Letzten Gericht sagen: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist! Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben“ (Mt 25,34-35).

July 18, 2018