Donnerstag, 20 September 2018 : Kommentar Hl. Bernhard

„Mit Küssen seines Mundes küsse er mich“ (Hld 1,2). Wer ist gemeint? Es ist der Bräutigam [des Hohenliedes]. Und wer ist seine Braut? Die nach Gott dürstende Seele. Und zu wem spricht sie? Zu ihrem Gott […] Man findet keine Namen, die zärtlich genug sind, um die gegenseitige zärtliche Zuneigung Gottes und der Seele auszudrücken, als es diejenige von Braut und Bräutigam ist. Alles ist ihnen gemeinsam, sie besitzen nichts, was dem anderen nicht auch gehört. Gemeinsam ist ihnen ihr Erbe, gemeinsam der Tisch, gemeinsam das Haus, gemeinsam selbst das Fleisch, das sie zusammen bilden (vgl. Gen 2,24) […] Wenn also das Wort „lieben“ vor allem und an erster Stelle dem Brautpaar zukommt, so wird nicht ohne Grund der Begriff der Braut auf die Seele angewendet, die Gott liebt. Der Beweis, dass sie liebt, ist ihre Bitte an Gott um einen Kuss. Sie wünscht nicht Freiheit, nicht Belohnung, nicht Erbe, noch nicht einmal Belehrung, sondern einen Kuss, wie ihn eine keusche Braut gibt, erfüllt von einer heiligen Liebe und unfähig, die Flamme zu verbergen, die in ihr brennt […] Ja, ihre Liebe ist keusch, da sie einzig den ersehnt, den sie liebt und nicht eine Sache, die ihm gehört. Ihre Liebe ist heilig, da sie nicht liebt mit drückendem Verlangen des Fleisches, sondern in der Reinheit des Geistes. Ihre Liebe ist glühend, da sie in der Trunkenheit dieser Liebe die Größe dessen vergisst, den sie liebt. Ist nicht er es, der mit einem Blick die Erde erbeben lässt (vgl. Ps 103(104),32)? Und ihn bittet sie um einen Kuss? Ist sie nicht betrunken? Jawohl, sie ist betrunken von der Liebe zu ihrem Gott […] Was für eine Kraft liegt in der Liebe! Welches Vertrauen und welche Freiheit des Geistes! Wie ist klarer zu zeigen, dass „die Liebe die Furcht vertreibt“ (vgl. 1 Joh 4,18)?

September 19, 2018

Mittwoch, 19 September 2018 : Kommentar Hl. Johannes Paul II.

Die Kirche lebt ein authentisches Leben, wenn sie das Erbarmen bekennt und verkündet - das am meisten überraschende Attribut des Schöpfers und des Erlösers - und wenn sie die Menschen zu den Quellen des Erbarmens des Heilandes führt, welche sie hütet und aus denen sie austeilt. Große Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der ständigen Betrachtung des Wortes Gottes zu und vor allem der bewußten, mit innerer Reife vollzogenen Feier der Eucharistie und des Sakraments der Buße oder Versöhnung. Die Eucharistie nähert uns ja immer mehr jener Liebe, die mächtiger ist als der Tod: »Sooft wir von diesem Brot essen und aus diesem Kelch trinken«, verkünden wir nicht nur den Tod des Erlösers, sondern auch seine Auferstehung, »bis er kommt« in Herrlichkeit. Die gleiche Eucharistiefeier, die zum Gedächtnis dessen gefeiert wird, der uns in seiner messianischen Sendung durch sein Wort und sein Kreuz den Vater geoffenbart hat, beweist die unerschöpfliche Liebe, durch die er immer danach strebt, sich mit uns zu verbinden und mit uns eins zu werden, indem er allen Menschenherzen entgegenkommt. Das Sakrament der Buße oder Versöhnung ebnet dabei den Weg zu jedem Menschen selbst dann, wenn er mit schwerer Schuld beladen ist. In diesem Sakrament kann jeder Mensch auf einzigartige Weise das Erbarmen erfahren, das heißt die Liebe, die mächtiger ist als die Sünde.

September 18, 2018

Dienstag, 18 September 2018 : Kommentar Hl. Ambrosius

Mag indes das Totenbegräbnis alle Lebenshoffnung rauben, mögen der Verstorbenen Leiber bereits am Grabesrand liegen: auf das Wort Gottes erstehen dennoch die dem Tod verfallenen Leichname von neuem. Die Stimme kehrt wieder, der Sohn wird der Mutter zurückgegeben, von der Gruft bewahrt, vom Grab errettet. Wer anders ist diese deine Gruft als der schlechte Sittenwandel? Deine Gruft ist die Gottlosigkeit […] Von diesem Grab befreit dich Christus; von dieser Gruft wirst du auferstehen, wenn du Gottes Wort vernimmst. Ist auch die Sünde schwer, dass du mit deinen Bußtränen sie nicht abzuwaschen vermagst, so flehe doch für dich die Mutter, die Kirche, die für jeden wie eine Witwe-Mutter für ihren einzigen Sohn vermittelnd bittet. Wie von einem natürlichen geistigen Schmerz ergriffen empfindet sie Mitleid, wenn sie ihre eigenen Kinder von Todsünden in den Tod gezerrt werden sieht. […] Schmerz möge denn die zärtliche Mutter erfassen, ebenso möge das Volk in Menge sich zu ihr gesellen! Nicht nur in Menge, nein, in großer Menge teile es den Schmerz mit der guten Mutter! Jetzt nun wirst du auf der Totenbahre liegend auferstehen, jetzt vom Grab befreit werden. Deine Leichenträger werden innehalten. Du wirst anfangen, lebendige Worte zu sprechen. Alle wird Furcht überkommen. Denn von dem einen werden viele sich ein Beispiel zur Besserung nehmen. Sie werden ebenfalls Gott loben, der uns so große Heilmittel dargeboten hat, dem Tod zu entrinnen.

September 17, 2018

Montag, 17 September 2018 : Kommentar Hl. Augustinus

Wie hat der Hauptmann die Gnade erlangt, dass sein Diener gesund wird? „Denn auch ich muss Befehlen gehorchen und ich habe selbst Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. Ich habe Macht über meine Untergebenen, doch bin selbst Untergebener. Wenn also schon ich, der ich gehorchen muss, die Macht habe zu befehlen, was kannst dann Du, dem alle Mächte gehorchen müssen?“ Dieser Mann gehört zu einem heidnischen Volk, denn die jüdische Nation war damals von den Armeen des römischen Reichs besetzt. In Judäa also hat er den Soldaten als Hauptmann Befehle erteilt […] Unser Herr aber, obwohl er mitten im Volk von Judäa stand, tut kund, dass die Kirche sich über die ganze Erde ausbreiten wird, wohin auch immer er seine Apostel senden würde (vgl. Mt 8,11). Und tatsächlich haben die Heiden geglaubt, ohne ihn gesehen zu haben. […] Der Herr ist nicht dem Leibe nach ins Haus des Hauptmanns eingetreten - und obwohl er dem Körper nach abwesend, seiner Königsmacht nach jedoch anwesend war, hat er dieses Haus und seinen Glauben [den des Hauptmanns nämlich] geheilt. Und so war der Herr dem Leibe nach nur inmitten des Volkes von Judäa gegenwärtig; die anderen Völker haben nicht gesehen, wie er aus einer Jungfrau geboren wurde, wie er litt, wie er wanderte, wie er den menschlichen Gegebenheiten unterworfen war, noch haben sie gesehen, wie er göttliche Wunder tat. Nichts dergleichen hat er unter den Heiden getan, und doch hat sich in ihrer Mitte erfüllt, was gesagt wurde auf sie hin: „Ein Volk, das ich früher nicht kannte, wird mir dienen.“ Wie konnte es ihm dienen, wenn es ihn nicht kannte? Der Psalm fährt fort: „Sobald ihr Ohr hört, sind sie mir gehorsam“ (vgl. Ps 17(18),44-45).

September 16, 2018

Sonntag, 16 September 2018 : Kommentar Hl. Theresia Benedicta a Cruce [Edith Stein]

Weil aber das Einssein mit Christus unsere Seligkeit ist und das fortschreitende Einswerden mit Ihm unsere Beseligung auf Erden, darum steht Kreuzesliebe zu froher Gotteskindschaft keineswegs in Gegensatz. Christi Kreuz tragen helfen, das gibt eine starke und reine Freudigkeit, und die es dürfen und können, die Bauleute an Gottes Reich, sind die echtesten Gotteskinder. Und so bedeutet die Vorliebe für den Kreuzweg auch durchaus kein Absehen davon, dass der Karfreitag vorbei und das Erlösungswerk vollbracht ist. Nur Erlöste, nur Kinder der Gnade können ja Christi Kreuzträger sein. Nur aus der Vereinigung mit dem göttlichen Haupt bekommt menschliches Leiden sühnende Kraft. Zu leiden und im Leiden selig zu sein, auf der Erde zu stehen, über die schmutzigen und rauen Wege dieser Erde zu gehen und doch mit Christus zur Rechten des Vaters zu thronen, mit den Kindern dieser Welt zu lachen und zu weinen und mit den Chören der Engel ohne Unterlass Gottes Lob zu singen, das ist das Leben des Christen, bis der Morgen der Ewigkeit anbricht.

September 15, 2018

Samstag, 15 September 2018 : Kommentar Hl. Albertus Magnus

Es gibt zwei Dreh- und Angelpunkte des Himmels, um die sich der ganze Himmel bewegt: das sind die beiden Pole. Der eine ist der Erlöser, der sich im Zentrum befindet, denn in ihm ist nur Licht und keine Finsternis ist in ihm; der andere ist der Schoß, in dem er Fleisch angenommen hat. Um diese beiden Pole dreht sich der Himmel, mit Hilfe der Fürbitte leistenden Mutter und jener des Erlösers am Kreuz. Denn durch die Fürbitte Mariens und durch den Leib und das Blut des Erlösers übt der Herr seine Gerechtigkeit über die Völker aus. Die Achse der Barmherzigkeit, die die Welt erhält, dreht sich um diese beiden Dreh- und Angelpunkte oder Pole, da wir durch die Mutter Zugang zum Sohn und durch den Sohn Zugang zum Vater haben. So geleitet, haben wir keinerlei Angst, es könne uns die Versöhnung verweigert werden. Diese beiden Sterne, diese Dreh- und Angelpunkte oder Pole des Himmels, bewegen sich nicht; um sie herum dreht sich, wie um zwei unerlässliche Fixpunkte, die ganze Weite des Himmels.

September 14, 2018

Freitag, 14 September 2018 : Kommentar Dem hl. Ephräm

Nunmehr sind durch das Kreuz die Schatten zerstreut worden und die Wahrheit erhebt sich, wie uns der Apostel Johannes sagt: „Denn was früher war, ist vergangen. […] Seht, ich mache alles neu“ (Offb 21,4-5). Der Tod wurde entblößt, die Hölle gibt ihre Gefangenen preis, der Mensch ist frei, der Herr herrscht, die Schöpfung ist von Freude erfüllt. Das Kreuz triumphiert und alle Nationen, Stämme, Sprachen und Völker (vgl. Offb 7,9) kommen, um es zu verehren. Mit dem seligen Paulus, der ausruft: „Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen“ (Gal 6,14), finden wir in ihm unsere Freude. Das Kreuz erleuchtet das gesamte Universum, es vertreibt die Finsternis und versammelt die Völker des Westens und des Ostens, des Nordens und des Meeres in einer einzigen Kirche, in dem einen Glauben, der einen Taufe in der Liebe. Es erhebt sich im Mittelpunkt der Welt, aufgerichtet auf Kalvaria. Mit dem Kreuz als Waffe ziehen die Apostel aus, um zu predigen und das ganze Universum zu seiner Anbetung zusammenzuführen, alle feindlichen Mächte zu Füßen. Im Kreuz haben die Martyrer den Glauben freimütig bekannt und die Verschlagenheit der Tyrannen nicht gefürchtet. Die Mönche haben es auf sich genommen und mit unermesslicher Freude die Einsamkeit zur Wohnstatt erwählt. Wenn Christus wiederkommt, wird dieses Kreuz zuerst am Himmel erscheinen als kostbares, lebenspendendes, wahrhaftiges und heiliges Zepter des großen Königs: „Danach“, so sagt der Herr, „wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen“ (Mt 24,30). Wir werden es sehen, von Engeln begleitet, die Erde erleuchtend von einem Ende des Universums bis zum anderen, heller als die Sonne den Tag des Herrn ankündigend.

September 13, 2018

Donnerstag, 13 September 2018 : Kommentar Hl. Mutter Teresa von Kalkutta

Vielleicht lebt in der Wohnung nebenan oder im Nachbarhaus ein Blinder, der sich freuen würde, wenn du ihn besuchst und ihm aus der Zeitung vorliest. Vielleicht gibt es da eine Familie, die etwas braucht, was in deinen Augen ganz und gar unwichtig ist, etwas ganz Simples: für eine halbe Stunde auf das Kind aufpassen! Es gibt so viele kleine Dinge, die so klein sind, dass sie von vielen Menschen einfach übersehen werden. Glaube ja nicht, dass man für Küchenarbeit schlichten Geistes sein muss! Glaube ja nicht, dass alles, was du tust – dich hinsetzen, aufstehen, kommen und gehen – dass all das in den Augen Gottes unwichtig ist! Gott wird dich nicht danach fragen, wie viele Bücher du gelesen hast, wie viele Wunder du gewirkt hast. Er wird dich fragen, ob du aus Liebe zu ihm dein Bestes gegeben hast. Kannst du ganz aufrichtig sagen: „Ich habe mein Bestes gegeben“? Selbst wenn das Beste sich als Misserfolg erweisen sollte, so muss es doch dein Bestes sein. Wenn du Christus wirklich liebst, wirst du deine Arbeit, so bescheiden sie auch sein mag, besser verrichten, weil du sie mit ganzem Herzen verrichtest. Deine Arbeit gibt Zeugnis von deiner Liebe. Du kannst bis zur Erschöpfung arbeiten, arbeiten, bis du tot umfällst: wenn sie nicht in Liebe gebettet ist, ist deine Arbeit nutzlos.

September 12, 2018

Mittwoch, 12 September 2018 : Kommentar Sel. Guerricus von Igny

Wenn der Herr die Armen seligpreist, so sagt er mit gutem Grund nicht: „Euch wird das Reich Gottes gehören“, sondern: „Euch gehört es“ […] Nahe am Reich Gottes sind diejenigen, die in ihrem Herzen bereits den König dieses Reichs besitzen und ihn darin tragen: ihm dienen, hat man gesagt, heißt herrschen […] Andere mögen sich um das Erbe dieser Welt zanken: „mir aber gibt der Herr das Erbe und reicht mir den Becher“ (vgl. Ps 15(16),5). Sollen sie doch untereinander darum streiten, wer am armseligsten unter ihnen ist: ich beneide sie nicht im Geringsten um das, wonach sie trachten, denn ich und meine Seele „wir freuen uns am Herrn“ (vgl. Ps 103(104),34). Du herrliches Erbe der Armen! Seliger Reichtum derer, die nichts besitzen! Du versorgst uns mit allem, was wir brauchen; mehr noch: Du bist angefüllt mit aller Herrlichkeit, du strömst über von jeglicher Freude, denn du bist „das überfließende Maß, mit dem wir beschenkt werden“ (vgl. Lk 6,38) […] Eure Seele, ihr Armen, rühme sich ihrer Niedrigkeit; mit Verachtung blicke sie auf das, was groß ist in dieser Welt […] Ewige Güter liegen bereit, und du ziehst ihnen vergängliche Dinge vor, die soviel wert sind wie ein Traum? […] Wie unglückselig sind doch Menschen, die die selige Armut würdig machte, vom Himmel geehrt, von der Welt bewundert und von der Hölle gefürchtet zu werden, und die dann, von Blindheit geschlagen, die Armut als ein Unglück und die Niedrigkeit als eine Schande betrachtet haben; Menschen, die reich werden wollten und sich dabei in den Fallstricken des Teufels verfangen haben, wo ihnen doch alles gehörte! Ihr nun, die ihr die Armut zur Freundin habt und die Bescheidenheit des Herzens köstlich findet – euch schenkt die ewige Wahrheit die Gewissheit, das Himmelreich schon als Besitz zu haben, sie hütet für euch in Treue das für euch vorherbestimmte Reich.

September 11, 2018

Samstag, 8 September 2018 : Kommentar Hl. Andreas von Kreta

Wir leben nicht mehr unter den Elementarmächten dieser Welt wie Sklaven, wie der heilige Paulus schreibt, und damit stehen wir nicht mehr unter dem Joch der Knechtschaft und dem Buchstaben des Gesetzes. Denn das ist der Höhepunkt der Wohltaten, die uns Christus erwiesen hat. Das ist die Offenbarung des verborgenen Geheimnisses. Das ist die Natur, die sich entäußert hat: der Gott und Mensch und die Vergöttlichung der von Gott angenommenen Menschheit. Dieses so strahlend aufscheinende Wohnen Gottes bei den Menschen musste der Freude Eingang verschaffen, weil uns hier das große Geschenk des Heils zuteil wird. Das meint das heutige Fest, dessen Anlass die Geburt der Gottesmutter ist, dessen Ziel und Ende jedoch die Vereinigung des Wortes mit dem Fleisch ist. Denn eine Jungfrau wird geboren, gepflegt und herangezogen und zur Mutter geformt für Gott, den König der Ewigkeiten. So singe und tanze also die ganze Schöpfung und trage etwas bei, was des Tages würdig ist. Der heutige Tag werde ein gemeinsames Fest für Himmel und Erde. Alles, was auf Erden ist und über der Erde, soll zusammen feiern. Heute wurde das Heiligtum für den Schöpfer des Alls errichtet. Die Schöpfung bereitete dem Schöpfer ein neues und würdiges Haus.

September 7, 2018