Sonntag, 2 Dezember 2018 : Kommentar Sel. Jan von Ruusbroec

„Der Bräutigam kommt.“ Christus, unser Bräutigam, sagt dieses Wort auf Lateinisch: „Venit.“ Das Wort umschließt in sich zwei Zeiten: die Zeit, die vorbei ist, und die Zeit, die jetzt gegenwärtig ist; dennoch meint er hier die Zeit, die noch kommen wird. Und somit sollen wir eine dreifache Ankunft unseres Bräutigams Jesus Christus unterscheiden. Bei der ersten Ankunft ist er Mensch geworden, der Menschen halber, aus Liebe. Die zweite Ankunft erfolgt täglich, oft und häufig in jedem liebendem Herzen, mit neuen Gnaden und Gaben, je nachdem der Mensch dafür empfänglich ist. In der dritten erschaut man das Kommen Christi zum Gerichte oder in der Todesstunde. […] Die Ursache, warum Gott die Engel und Menschen schuf, war seine grundlose Güte und Edelheit; er wollte, dass die Seligkeit und der Reichtum, die er selber ist, den vernünftigen Kreaturen geoffenbart würden, damit sie seiner kosteten in der Zeit und über die Zeit ihn genössen in der Ewigkeit. Der Grund, weshalb Gott Mensch wurde, das war seine unbegreifliche Liebe und aller Menschen Not; denn sie waren verdorben seit dem Sündenfall und konnten es nicht wiedergutmachen. Die Ursache aber, weshalb Christus, sowohl seiner Gottheit als seiner Menschheit nach, all seine Werke auf Erden vollbrachte, ist vierfach: seine göttliche, unermessliche Liebe; die geschaffene Liebe, Caritas genannt, die seine Seele erfüllte kraft der Vereinigung mit dem ewigen Worte und als vollkommene Gabe seines Vaters; die große Not der menschlichen Natur und schließlich die Ehre seines Vaters. Das sind die Ursachen der Ankunft Christi, unseres Bräutigams, und all seiner Werke, der äußeren und der inneren.

December 1, 2018

Samstag, 1 Dezember 2018 : Kommentar Hl. Bernhard

Wer im Frieden beten möchte, der wird nicht nur auf den Ort achten, sondern auch auf den Zeitpunkt. Die Zeit der Ruhe ist die beste, und wenn der Schlaf der Nacht über alles ein tiefes Schweigen legt, kann man freier und reiner beten. „Steh auf, klage bei Nacht, zu jeder Nachtwache Anfang! Schütte aus wie Wasser dein Herz vor dem Angesicht des Herrn!“ (Klgl 2,19). Wie sicher steigt doch in der Nacht das Gebet auf, wenn Gott dein einziger Zeuge ist, zusammen mit dem Engel, der es empfängt, um es auf dem himmlischen Altar darzubringen! Es ist Gott angenehm, lichterfüllt und schamhaft. Es ist ruhig, friedvoll, wenn kein Lärm, kein Geschrei es unterbricht. Es ist rein und aufrichtig, wenn der Staub der irdischen Sorgen es nicht beschmutzen kann. Kein Zuschauer ist zugegen, der es der Versuchung aussetzen könnte durch seinen Applaus oder seine Schmeicheleien. Deshalb handelt die Braut [des Hohenliedes] mit soviel Umsicht und Scham, wenn sie die nächtliche Einsamkeit ihres Zimmers wählt, um zu beten, das heißt: um das [fleischgewordene] Wort zu suchen, denn das alles ist eins. Du betest schlecht, wenn du anderes suchst, als das Wort, das Wort Gottes, oder wenn deine Gebetsbitte keinen Bezug zu jenem Wort hat. Denn in Ihm ist alles enthalten: die Arznei deiner Verletzungen, die Hilfe, die dir notwendig ist, der Nachlass deiner Schuld, die Quelle deines Fortschritts, kurz gesagt: alles, was ein Mensch sich wünschen kann und soll. Es gibt keinen Grund, das Wort um etwas anderes zu bitten, als um Es selbst, denn alles ist in Ihm enthalten. Wenn wir, wie es ja nötig ist, gewisse konkrete Dinge erbitten wollen und wenn wir, wie es uns aufgetragen ist, sie ersehnen in Bezug auf das Göttliche Wort, so sind es weniger die Dinge selbst, die wir erbitten, sondern wir erbitten vielmehr Ihn selbst, der die Ursache unseres Gebets ist.

November 30, 2018

Donnerstag, 29 November 2018 : Kommentar Katechismus der Katholischen Kirche

„Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende“ (Röm 14,9). Der Aufstieg Christi zum Himmel bedeutet, dass er nun in seiner Menschennatur an der Macht und Autorität Gottes selbst teilhat. Jesus Christus ist der Herr: er besitzt alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Er ist „hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften“ erhoben, denn der Vater hat ihm „alles“ „zu Füßen gelegt“ (Eph 1,20-22). Christus ist der Herr des Weltalls und der Geschichte. In ihm wird die Geschichte des Menschen, ja die ganze Schöpfung erneut unter ein Haupt „zusammengefasst“ (vgl. Eph 1,10) und jenseitig vollendet. Als der Herr ist Christus auch das Haupt der Kirche, die sein Leib ist. Obwohl in den Himmel aufgenommen und verherrlicht, da er seine Sendung voll erfüllt hat, bleibt er auf Erden in seiner Kirche. Die Erlösung ist die Quelle der Autorität, die Christus kraft des Heiligen Geistes über die Kirche ausübt. „Die Kirche, das heißt das im Mysterium schon gegenwärtige Reich Christi“ (LG 3), ist „Keim und Anfang dieses Reiches auf Erden“ (LG 5). Seit der Himmelfahrt geht der Plan Gottes seiner Erfüllung entgegen. Wir leben schon in der „letzten Stunde“ (1 Joh 2, 18). […] Das Reich Christi, in der Kirche schon gegenwärtig, ist jedoch noch nicht durch die Ankunft des Königs auf Erden „mit großer Macht und Herrlichkeit“ (Lk 21,27) vollendet. Es wird noch von bösen Mächten angegriffen, obwohl diese durch das Pascha Christi im Grunde schon besiegt sind. Bis ihm dann alles unterworfen sein wird, bis es „neue Himmel und eine neue Erde geben wird, in denen die Gerechtigkeit wohnt, trägt die pilgernde Kirche in ihren Sakramenten und Einrichtungen, die zu dieser Zeit gehören, die Gestalt dieser Welt, die vergeht, und weilt selbst unter den Geschöpfen, die seufzen und bis jetzt noch in Wehen liegen und die Offenbarung der Kinder Gottes erwarten“ (LG 48). Aus diesem Grund beten die Christen, besonders in der Eucharistiefeier, um das rasche Eintreten der Wiederkunft Christi, indem sie zu ihm rufen: „Komm, Herr!“ (Offb 22,20; vgl. 1 Kor 16,22; vgl. Offb 22,17).

November 28, 2018

Mittwoch, 28 November 2018 : Kommentar II. Vatikanisches Konzil

Die Armen, Schwachen, Kranken und von verschiedener Mühseligkeit Bedrückten oder die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten sollen sich in besonderer Weise mit Christus in seinem Leiden für das Heil der Welt zu vereinigen wissen. Sie hat der Herr im Evangelium seliggepriesen, und „der Gott … aller Gnade, der uns in Christus Jesus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird (sie) nach kurzer Zeit des Leidens selber vollenden, stärken, kräftigen und festigen“ (1 Petr 5,10). […] Da Jesus, der Sohn Gottes, seine Liebe durch die Hingabe seines Lebens für uns bekundet hat, hat keiner eine größere Liebe, als wer sein Leben für ihn und die Brüder hingibt (vgl. 1 Joh 3,16; Joh 15,13). Dieses höchste Zeugnis der Liebe vor allen, besonders den Verfolgern, zu geben war die Berufung einiger Christen schon in den ersten Zeiten und wird es immer sein. Das Martyrium, das den Jünger dem Meister in der freien Annahme des Todes für das Heil der Welt ähnlich macht und im Vergießen des Blutes gleichgestaltet, wertet die Kirche als hervorragendes Geschenk und als höchsten Erweis der Liebe. Wenn es auch wenigen gegeben wird, so müssen doch alle bereit sein, Christus vor den Menschen zu bekennen und ihm in den Verfolgungen, die der Kirche nie fehlen, auf dem Weg des Kreuzes zu folgen.

November 28, 2018

Dienstag, 27 November 2018 : Kommentar Hl. Johannes Paul II.

Wegen der vielfältigen Gefährdung und Existenzbedrohung der Menschheit kämpfen die Christen aus der Kraft ihrer Hoffnung mit allen Menschen guten Willens für eine gesicherte, lebenswerte Zukunft. Dabei beseelt uns nicht nur eine rein innerweltliche Hoffnung, sondern vor allem jene Hoffnung, die aus dem Glauben kommt, deren Grund und Ziel letztlich Gott selber ist: Gott, der in Jesus Christus sein endgültiges Ja zum Menschen gesprochen hat. Christus hat in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung alles Leid und Unheil der Welt überwunden und ist dadurch für uns alle zum Zeichen der Hoffnung geworden. Hoffnung ist eine göttliche Tugend; sie ist zutiefst ein Geschenk, das ihr euch in diesem Jahr der Vorbereitung miteinander und füreinander von Gott erbitten sollt. Möge es für euch dadurch zugleich ein Jahr der Besinnung und Umkehr, der Glaubenserneuerung und der gelebten Gottes- und Nächstenliebe werden. Wir Christen haben die Aufgabe, unsere Hoffnung auch in der Öffentlichkeit zu bezeugen und den anderen zu vermitteln. Durch unser hoffnungsvolles Wort und Beispiel sollen wir ihnen helfen, Lebensangst, Resignation und Gleichgültigkeit zu überwinden und Vertrauen auf Gott und zu den Menschen zu finden. Als Jünger Christi sollt ihr, liebe Christen in Österreich, den Menschen heute in ihrer mannigfachen Bedrohung und Verwirrung die befreiende Antwort und Hoffnung schenken.

November 27, 2018

Montag, 26 November 2018 : Kommentar Sel. Charles de Foucauld

„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ (Lk 23,46). Das ist das letzte Gebet unseres geliebten Herrn. Könnte es doch unser eigenes sein! Nicht nur das Gebet im letzten Moment unseres Lebens, sondern das eines jeden Augenblicks: „Mein Vater, ich begebe mich in deine Hände; mein Vater, ich vertraue mich dir an; mein Vater, ich überlasse mich dir. Mein Vater, mache mit mir, was dir gefällt; was immer du mit mir tust, ich danke dir dafür; ich danke dir für alles. Ich bin zu allem bereit, nehme alles an, danke dir für alles, wenn nur dein Wille, mein Gott, an mir geschieht, wenn nur dein Wille an allen deinen Geschöpfen geschieht, an all deinen Kindern, an allen, denen dein Herz in Liebe zugeneigt ist. Ich möchte nichts anderes, mein Gott. Ich lege meine Seele in deine Hände, ich überlasse sie dir, mein Gott, mit der ganzen Liebe meines Herzens, weil ich dich liebe und weil meine Liebe mich dazu drängt, mich an dich zu verschenken, mich ohne Maß in deine Hände zu geben. Ich gebe mich in deine Hände, mit unendlichem Vertrauen, denn du bist mein Vater.“

November 25, 2018

Sonntag, 25 November 2018 : Kommentar Origenes

Das Reich Gottes kann nicht zugleich mit einem Reich der Sünde bestehen. Wenn wir demnach von Gott regiert werden wollen, so „regiere in keiner Weise die Sünde in unserm sterblichen Leib“ (vgl. Röm 6,12). […] Vielmehr „wollen wir in uns das abtöten, was noch irdisch ist“ (vgl. Kol 3,5) und die Früchte des Geistes ernten, damit der Herr in uns wie in einem geistigen „Paradies“ wandle und uns allein mit seinem Gesalbten regiere, der in uns „zur Rechten“ der geistigen „Kraft“ (vgl. Mt 26,64) sitzt, um die wir im Gebet flehen, und (daselbst) sitzt, „bis“ alle seine Feinde in uns „zum Schemel seiner Füße“ geworden sind (vgl. Ps 109(110),1), und von uns aus „alle Herrschaft, Gewalt und Macht vernichtet ist“ (vgl. 1 Kor 15,24). Denn es ist möglich, dass dies bei einem jeden von uns geschieht, und dass „der letzte Feind vernichtet wird, der Tod“ (vgl. 1 Kor 15,26), damit Christus auch in uns spreche: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15,55). Schon jetzt soll demnach „das Vergängliche“ von uns die in Keuschheit und aller Reinheit bestehende Heiligkeit und „Unvergänglichkeit“ anziehen, und „das Sterbliche“ soll sich, wenn der Tod vernichtet ist, mit „der Unsterblichkeit“ des Vaters umkleiden (vgl. 1 Kor 15,53f.); sodass wir, von Gott regiert, uns schon jetzt inmitten der Güter der neuen Geburt (vgl. Mt 19,28 (Vulg.)) und der Auferstehung befinden.

November 24, 2018

Freitag, 23 November 2018 : Kommentar Papst Franziskus

Heute möchte ich kurz ein weiteres Bild erwähnen, das uns hilft, das Geheimnis der Kirche zu erläutern: das Bild des Tempels (vgl. Zweites Ökumenisches Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 6). […] In Jerusalem war der große Tempel Salomons der Ort der Begegnung mit Gott im Gebet; im Innern des Tempels befand sich die Bundeslade, […] ein Hinweis darauf, dass Gott immer in der Geschichte seines Volkes gegenwärtig war, seinen Weg begleitet, seine Schritte gelenkt hat. Der Tempel ruft diese Geschichte in Erinnerung: Auch wir müssen uns an diese Geschichte erinnern, wenn wir zum Gotteshaus gehen, ein jeder von uns an unsere Geschichte, wie Jesus mir begegnet ist, wie Jesus mit mir gegangen ist, dass Jesus mich liebt und mich segnet. Denn das, was im alten Tempel Vorzeichen war, wird durch die Macht des Heiligen Geistes in der Kirche Wirklichkeit: Die Kirche ist das „Haus Gottes“, der Ort seiner Gegenwart, wo wir den Herrn finden und ihm begegnen können; die Kirche ist der Tempel, in dem der Heilige Geist wohnt, der sie beseelt, leitet und stützt. Wenn wir uns fragen: Wo können wir Gott begegnen? Wo können wir durch Christus mit ihm in Gemeinschaft treten? Wo können wir das Licht des Heiligen Geistes finden, das unser Leben erleuchtet? Dann lautet die Antwort: im Volk Gottes, unter uns, die wir Kirche sind. […] Und der Heilige Geist ist es, der mit seinen Gaben die Vielfalt entwirft. Das ist wichtig: Was macht der Heilige Geist unter uns? Er entwirft die Vielfalt, die der Reichtum in der Kirche ist, und vereint alles und alle, um einen geistigen Tempel zu bilden, in dem wir keine materiellen Opfer darbringen, sondern uns selbst, unser Leben (vgl. 1 Petr 2,45). Die Kirche ist kein Geflecht aus Dingen und Interessen, sondern sie ist der Tempel des Heiligen Geistes, der Tempel, in dem Gott wirkt, der Tempel, in dem ein jeder von uns durch das Geschenk der Taufe ein lebendiger Stein ist. […] wir alle sind notwendig, um diesen Tempel zu bauen! Niemand ist zweitrangig. Niemand ist der Wichtigste in der Kirche, wir sind alle gleich in den Augen Gottes. Jemand von euch könnte sagen: „Hören Sie, Herr Papst, Sie sind uns nicht gleich.“ Doch, ich bin wie jeder von euch, wir sind alle gleich, wir sind Brüder! Niemand ist anonym […].

November 23, 2018

Samstag, 24 November 2018 : Kommentar Hl. Pacianus von Barcelona

„Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden. Der erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde; der zweite Mensch stammt vom Himmel“ (1 Kor 15,49.47). Wenn wir uns so verhalten, meine Vielgeliebten, dann werden wir zukünftig nicht mehr sterben. Selbst wenn unser irdischer Leib sich auflöst, werden wir in Christus leben, wie er selbst sagt: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Joh 11,25). Wir sind sicher, dass Abraham, Isaak, Jakob und alle Heiligen leben, wie der Herr selbst bezeugt. Denn auf sie hin sagt der Herr: „Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn leben sie alle.“ Und der Apostel Paulus sagt, indem er von sich selbst spricht: „Denn für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn. Ich habe das Verlangen, aufzubrechen und bei Christus zu sein“ (Phil 1,21.23). Und weiter: „Solange wir in diesem Leib zu Hause sind, leben wir fern vom Herrn in der Fremde, denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende“ (vgl. 2 Kor 5,6-7) Und das glauben wir, meine Vielgeliebten. Andererseits: „Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf die Welt gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen“ (vgl. 1 Kor 15,19). Das Leben in dieser Welt, wie ihr selbst feststellen könnt, ist das gleiche für die Tiere, die Raubtiere, die Vögel und für uns und es kann für sie je nach dem länger sein. Aber das, was dem Menschen gebührt, ist das, was Christus uns durch seinen Geist gegeben hat, und das ist ein Leben ohne Ende, aber unter der Bedingung, dass wir nicht mehr sündigen […]: „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn“ (Röm 6,23).

November 23, 2018

Donnerstag, 22 November 2018 : Kommentar Hl. Rafael Arnáiz Barón

Ich schaute aus einem Fenster … Die Sonne ging gerade auf. Ein großer Friede herrschte in der Natur. Alles begann zu erwachen: die Erde, der Himmel, die Vögel. Alles - ganz allmählich - wachte auf, sanft dem Auftrag Gottes entsprechend. Alles gehorchte seinen göttlichen Gesetzen, ohne Klagen und ohne Überstürzung, sanft und friedlich, sowohl das Licht als auch die Finsternis, sowohl der blaue Himmel als auch die harte Erde, bedeckt mit dem Tau der Morgenfrühe. Wie gut ist Gott! – dachte ich. Überall ist Friede, außer im Herzen des Menschen! Behutsam und sanft lehrte mich Gott durch diesen wunderschönen und friedvollen Tagesanbruch den Gehorsam … Ein großer Friede erfüllte meine Seele. Ich dachte daran, dass nur Gott gut ist, dass alles von ihm geordnet ist und dass mir das, was die Menschen tun und sagen, gleichgültig sein soll. Für mich darf es auf der Welt nur eines geben: Gott! Gott, der alles zu meinem Wohl ordnet. Gott, der jeden Morgen die Sonne aufgehen, den Reif vergehen, die Vögel singen und die Wolken des Himmels in tausend sanften Farben erscheinen lässt; Gott, der mir ein Eckchen zum Gebet auf der Erde anbietet, der mir ein stilles Plätzchen schenkt, wo ich das erwarte, worauf ich hoffe. Gott, der so gut zu mir ist, dass er im Schweigen zu meinem Herzen spricht und mich allmählich lehrt - vielleicht unter Tränen, aber immer mit dem Kreuz -, mich von den Geschöpfen zu lösen, die Vollendung nirgendwo anders zu suchen als in ihm. Er zeigt mir Maria und sagt mir: „Sieh hier, das einzig vollkommene Geschöpf. In ihr findest du die Zuneigung und Liebe, die du bei den Menschen nicht antriffst. Worüber beklagst du dich, Bruder Rafael? Liebe mich, leide mit mir, ich bin Jesus!"

November 21, 2018