Montag, 22 April 2019 : Kommentar Hl. Johannes Paul II.

Auf die Bitte der Jünger von Emmaus, „bei“ ihnen zu bleiben, antwortet Jesus mit einem viel größeren Geschenk: Durch das Sakrament der Eucharistie fand er Gelegenheit, „in“ ihnen zu bleiben. Die Eucharistie empfangen bedeutet in tiefe Gemeinschaft mit Jesus eintreten. „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch“ (Joh 15,4). Diese Beziehung eines zuinnersten, wechselseitigen „Verbleibens“, erlaubt uns in gewisser Weise, den Himmel auf der Erde vorwegzunehmen. Ist dies nicht das größte Verlangen des Menschen? Ist es nicht das, was Gott sich vorgenommen hat in der Verwirklichung seines Heilsplans in der Geschichte? Er hat in das Herz des Menschen den „Hunger“ nach seinem Wort gelegt (vgl. Am 8,11), einen Hunger, der nur in der vollen Einheit mit ihm gestillt werden wird. Die eucharistische Gemeinschaft ist uns geschenkt, um uns auf dieser Erde an Gott zu „sättigen“ in Erwartung der vollen Befriedigung im Himmel. Diese besondere Vertrautheit aber, die sich in der eucharistischen „Gemeinschaft“ mit dem Herrn vollzieht, kann außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft weder richtig verstanden noch voll gelebt werden. […] Die Kirche ist der Leib Christi: Man ist in dem Maß „mit Christus“ auf dem Weg, in dem man in Beziehung „zu seinem Leib“ steht. Um diese Einheit zu bilden und zu fördern, trägt Christus mit der Ausgießung des Heiligen Geistes Sorge. Und er selbst hört nicht auf, diese Einheit durch seine eucharistische Gegenwart zu nähren. Es ist wirklich das eine eucharistische Brot, das uns zu dem einen Leib vereint. Dies bekräftigt schon der Apostel Paulus: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1 Kor 10,17).

April 21, 2019

Sonntag, 21 April 2019 : Kommentar Homilie

„Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen“ (Ps 118(117),24). Warum? Weil die Sonne nicht mehr verfinstert ist, sondern hell erstrahlt. Weil der Vorhang des Tempels nicht mehr zerrissen ist, sondern die Kirche offenbart wird. Wir halten keine Palmzweige mehr in Händen, sondern wir umringen die Neugetauften. „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat“ […] Dies ist wirklich der Tag im wahrsten Sinne, der Tag des Triumphes – der Tag, der dem Fest der Auferstehung geweiht ist, der Tag, an dem man sich mit Gnade schmückt, der Tag, an dem man das geistliche Lamm miteinander teilt, der Tag, an dem man den Neugeborenen Milch zu trinken gibt, der Tag, an dem der Plan der Vorsehung zugunsten der Armen sich verwirklicht. „Wir wollen jubeln und uns an ihm freuen“ […] Dies ist der Tag, an dem Adam befreit wurde, an dem Eva aus ihrer Haft entlassen wurde, an dem der wilde Tod zitterte, an dem die Kraft der Steine gebrochen wurde, an dem die Riegel der Gräber aufgerissen wurden […], an dem die unabänderlichen Gesetze der Mächte der Unterwelt aufgehoben wurden, an dem die Himmel sich öffneten, als Christus, unser Meister, auferstanden ist. Dies ist der Tag, an dem zum Heil der Menschen die grüne und fruchtbare Pflanze der Auferstehung ihre Ableger zahlreich hat sprießen lassen im ganzen Universum wie in einem Garten, in dem die Lilien der Neugetauften aufgeblüht sind […], in dem die Menge der Gläubigen sich freut, in dem die Kränze der Märtyrer wieder grünen. „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.“

April 20, 2019

Samstag, 20 April 2019 : Kommentar Hl. Augustinus

Wir, die Sterblichen, wir müssen schlafen, um unsere Kräfte zu erneuern, und unterbrechen deshalb unser Leben durch den Schlaf, dieses Bild des Todes, der uns wenigstens ein bisschen Leben übrig lässt. Also bereiten sich zweifellos all jene, die in Keuschheit, Unschuld und Eifer wachen, auf das Leben der Engel vor; gegen diese Todesschwere [den Schlaf] angehend, finden sie Gnade in der Ewigkeit […] Nun, meine Brüder, hört die wenigen Worte an, die ich zu euch sprechen werde über das Wachen, das wir in dieser Nacht vollziehen […] Unser Herr Jesus Christus ist am dritten Tag von den Toten auferstanden: kein Christ zweifelt daran. Die Heiligen Evangelien bezeugen, dass das Ereignis in dieser Nacht geschehen ist […] Nicht aus dem Licht in die Finsternis, sondern aus der Finsternis ins Licht wollen wir aufsteigen. Der Apostel Paulus spornt uns dazu an: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts“ (Röm 13,12). […] Wir wachen also in dieser Nacht, in der der Herr auferstanden ist und in der er in seinem eigenen Fleisch jenes Leben begonnen hat, von dem ich gerade zu euch gesprochen habe, das weder Tod noch Schlaf kennt. Und dieses Fleisch, das er aus dem Grab erhob, wird nicht mehr sterben und nicht mehr unter das Gesetz des Todes zurückfallen. Die Frauen, die ihn liebten, kamen beim Morgengrauen sein Grab besuchen; anstatt seinen Leib zu finden, hörten sie Engel, die ihnen die Auferstehung verkündeten. Es ist demnach klar, dass er in der Nacht auferstanden ist, die diesem Morgengrauen vorausging. So wird der, dessen Auferstehung wir in unseren langen Nachtwachen feiern, uns auch gewähren, mit ihm in einem Leben ohne Ende zu herrschen. Und selbst wenn sein Leib zu der Stunde, in der wir wachen, noch im Grab läge und noch nicht auferstanden wäre, so behielte unser Wachen dennoch seinen vollen Sinn: denn er schlief, damit wir wachen – er, der gestorben ist, damit wir leben.

April 19, 2019

Freitag, 19 April 2019 : Kommentar Hl. Augustinus

„Im Anfang war das Wort.“ Es ist (stets) dasselbe, es ist in derselben Weise; wie es ist, so ist es immer; es kann sich nicht ändern, d. h. es ist. Diesen seinen Namen hat das Wort seinem Diener Moses genannt: „Ich bin, der ich bin“, und: „Der da ist, hat mich gesandt“. Wer also wird dies begreifen, da ihr seht, dass alles Sterbliche veränderlich ist; da ihr seht, dass nicht bloß die Körper sich ändern nach ihren Eigenschaften, durch Entstehen, Wachsen, Abnehmen, Sterben, sondern auch die Seelen selbst durch den Affekt verschiedener Willensstrebungen sich ausdehnen und teilen; da ihr seht, dass die Menschen sowohl die Weisheit erlangen können, wenn sie sich ihrem Lichte und ihrer Wärme nähern, als auch die Weisheit verlieren können, wenn sie sich davon in böser Stimmung entfernen? Da ihr also seht, dass dies alles vergänglich ist, was ist das, was ist, wenn nicht eben das, was hinausgeht über alles, was so ist, dass es nicht ist? Wer also möchte dies begreifen? Oder wer, wie immer er auch die Kräfte seines Geistes anstrenge, um nach Möglichkeit das, was ist, zu erreichen, möchte zu dem, was er wie auch immer im Geiste erfasst hat, gelangen? Denn es ist so, wie wenn einer von ferne das Vaterland sieht und ein Meer dazwischenliegt; er sieht, wohin er gehen soll, aber er hat keinen Weg, wo er gehen könnte. So wollen wir zu jener unserer Unwandelbarkeit (stabilitas) gelangen, wo das ist, was wahrhaft ist, weil dies allein immer so ist, wie es ist; dazwischen liegt das Meer dieser Welt […] Damit also ein Weg wäre, auf dem wir gehen könnten, kam von dorther der, zu dem wir gehen wollten. Und was hat er getan? Er bereitete ein Holz, durch das wir das Meer überschreiten könnten. Denn niemand kann das Meer dieser Welt überschreiten, außer er werde durch das Kreuz Christi getragen. Dieses Kreuz umfasst manchmal auch einer, der schwach ist an den Augen. Und wer nicht von ferne sieht, wohin er gehen soll, der entferne sich nicht von ihm, und es wird ihn ans Ziel führen. Also, meine Brüder, das möchte ich euch ans Herz gelegt haben: wenn ihr fromm und christlich leben wollt, dann schließet euch an Christus an nach dem, was er für uns geworden ist, damit ihr zu ihm gelanget nach dem, was er ist und nach dem, was er war. Er kam, um für uns das zu werden (was er nicht war), indem er das für uns geworden ist, worauf die Schwachen getragen werden und das Meer der Welt überfahren und zum Vaterland gelangen; da wird es keines Schiffes mehr bedürfen, weil man kein Meer zu überfahren hat. Besser ist es also, im Geiste das nicht zu sehen, was ist, und dennoch vom Kreuze Christi sich nicht zu trennen, als dasselbe im Geiste zu sehen und das Kreuz Christi zu verachten. Gut ist es überdies und sogar sehr gut, wenn es möglich ist, dass man sowohl sehe, wohin die Reise geht, als auch an das sich halte, worauf man auf der Reise getragen wird. […] Sie vermochten es und sahen das, was ist. Denn sehend sagte Johannes: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort“. Sie sahen das, und um zu dem zu kommen, was sie von ferne sahen, trennten sie sich nicht vom Kreuze Christi und verachteten nicht die Niedrigkeit Christi.

April 18, 2019

Donnerstag, 18 April 2019 : Kommentar Hl. Johannes Klimakos

Gott ist Liebe. Wer Ihn hingegen Definitionen unterwerfen will, der zählt mit Blindheit geschlagen Sandkörner auf dem Boden des Ozeans. Der Beschaffenheit nach ist die Liebe die Ähnlichkeit mit Gott, soweit es Sterblichen möglich ist, ihrer Wirkung nach hingegen die Trunkenheit der Seele und ihrer Eigenschaft nach wiederum eine Quelle des Glaubens, ein Abgrund an Langmut, ein Meer von Demut. Die Liebe ist hauptsächlich das Ablegen jedes entgegengesetzten Willens, falls die Liebe wirklich „an nichts Böses denkt“ (vgl. 1 Kor 13,5). Die Liebe, die Leidenschaftslosigkeit und die Annahme an Sohnes statt, unterscheiden sich allein in der Namensgebung. So wie Licht, Feuer und Flamme zu einer Wirkung zusammenlaufen, so musst du es auch bei diesen verstehen. […] Wer vollständig seine Sinne mit Gott vereinte, wird in Seine Wahrheiten von Ihm selbst eingeweiht. Solange diese nämlich nicht mit Ihm verbunden sind, ist es schwierig über Gott zu sprechen. Wenn das Angesicht eines Geliebten ausreicht, uns völlig zu verändern und uns heiter, freundlich und unbekümmert zu stimmen, was vermag dann erst das Angesicht des Herrn auszurichten, sobald es unsichtbar in eine reine Seele kommt?

April 17, 2019

Mittwoch, 17 April 2019 : Kommentar Sel. John Henry Newman

Als Jesus von seiner Mutter wegging, wählte er sich andere menschliche Freunde – die zwölf Apostel –, so als verlangte ihn danach, jemandem seine Zuneigung schenken zu können. Er wählte sie dazu aus, wie er sagt, „nicht Knechte, sondern Freunde zu sein“ (vgl. Joh 15,15). Er machte sie zu seinen Vertrauten. Er sagte ihnen Dinge, die er anderen nicht sagte. Es war sein Wille, sie zu bevorzugen, nein, sie zu verwöhnen, so wie ein Vater sich seinen Lieblingskindern gegenüber verhält. Er machte sie durch die Dinge, die er ihnen sagte, gesegneter als Könige und Propheten und weise Männer. Er nannte sie „seine Kinder“ (vgl. Joh 13,33) und zog sie für den Empfang seiner Geschenke „den Weisen und Klugen“ (vgl. Mt 11,25) vor. Er jubelte, als er sie seligpries, dass sie in all seinen Prüfungen bei ihm ausgeharrt hätten (vgl. Lk 22,28). Und wie in Dankbarkeit kündete er an, dass sie auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten würden (vgl. Lk 22,30). Er fand Trost in ihrer Zuneigung, als seine große Prüfung sich näherte. Er versammelte sie beim Letzten Abendmahl um sich, als wenn sie ihm Halt geben könnten. „Mit Sehnsucht“, sagt er, „habe ich danach verlangt, dieses Paschamahl mit euch zu essen, bevor ich leide“ (vgl. Lk 22,15). Es bestand also ein gegenseitiger Austausch der Güter und eine innige Zuneigung zwischen ihnen. Es war jedoch sein anbetungswürdiger Wille, dass auch sie ihn verlassen und er sich selbst überlassen bliebe. Einer verriet ihn, ein anderer verleugnete ihn, die übrigen liefen von ihm weg und ließen ihn in den Händen seiner Feinde zurück […] Er trat also die Kelter allein. Er, der allmächtig war und selig und der seine eigene Seele mit der vollen Herrlichkeit der Schau seiner göttlichen Natur erfüllte, wollte dennoch diese Seele allen Schwächen unterwerfen, die von [der menschlichen] Natur aus zu ihr gehören. Und wie er sowohl die Freude über die Zuneigung als auch die Trostlosigkeit unter der Abwesenheit menschlicher Freunde ertrug, so konnte er – und tat es, da es ihm gefiel – dem Licht der Gegenwart Gottes entsagen.

April 16, 2019

Dienstag, 16 April 2019 : Kommentar Hl. Romanos Melodos

Guter Hirte, der du dein Leben hingegeben hast für deine Schafe (vgl. Joh 10,11), komm schnell, du Heiliger, und rette deine Herde […] Nach dem Mahl sagte Jesus: „Meine Kinder, meine lieben Jünger, in dieser Nacht werdet ihr mich alle verleugnen und fliehen“ (vgl. Joh 16,32). Und da sie alle zutiefst betroffen waren, rief Petrus aus: „Selbst wenn dich alle verleugnen, ich verleugne dich nicht! Ich bleibe bei dir. Mit dir werde ich sterben und dir zurufen: ‚Komm schnell, du Heiliger, und rette deine Herde!‘ Was sagst du da, Meister? Ich, und dich verleugnen? Ich, und dich im Stich lassen und fliehen? Und dein Ruf, der an mich erging, die Ehre, die du mir erwiesen hast –, ich sollte mich nicht mehr daran erinnern? Ich erinnere, wie du mir die Füße gewaschen hast –, und du sagst: ‚Du wirst mich verleugnen‘? Ich sehe dich wieder vor mir, wie du mit einer Wasserschüssel auf mich zukommst, du, der du die Erde hältst und den Himmel trägst. Die Hände, von denen ich geformt wurde, haben gerade meine Füße gewaschen –, und du behauptest, dass ich fallen werde und dass ich dir nicht mehr zurufen werde: ‚Komm schnell, du Heiliger, und rette deine Herde‘“? […] Daraufhin antwortete des Menschen Schöpfer dem Petrus: „Was sagst du da, Petrus, mein Freund? Du wirst mich nicht verleugnen? Du wirst nicht von mir weglaufen? Du wirst mich nicht abweisen? – Das möchte auch ich, aber dein Glaube ist schwankend und du hältst in der Versuchung nicht stand. Weißt du noch, wie du fast ertrunken wärest, wenn ich dir nicht die Hand gereicht hätte? Denn du bist wirklich gut auf dem Wasser gegangen, so wie ich selbst; aber dann wurdest du unsicher und ganz schnell bist du gesunken (vgl. Mt 14,28–32). Da kam ich dir zu Hilfe, da du schriest: ‚Komm schnell, du Heiliger, und rette deine Herde!‘ Und jetzt sage ich dir: noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verraten. Während dein Geist von allen Seiten geschlagen und wie von Meereswogen überwältigt wird, wirst du mich dreimal verleugnen. Du, der du damals geschrien hast und nun weinen wirst, du wirst mich dann nicht mehr finden, wie beim ersten Mal, um dir die Hand zu reichen. Ich werde sie selber brauchen, um einen Vergebungsbrief zugunsten aller Nachkommen Adams zu schreiben. Aus diesem meinen Fleisch werde ich einen Bogen Papier machen und Tinte aus meinem Blut, um darauf das Geschenk einzutragen, was ich unermüdlich austeilen werde an jene, die rufen: ‚Komm schnell, du Heiliger, und rette deine Herde!‘“

April 15, 2019

Montag, 15 April 2019 : Kommentar Hl. Bernhard

Von zwei geistlichen Duftölen habe ich bereits zu euch gesprochen: von dem der Zerknirschung, das sich über alle Sünden ergießt – versinnbildlicht durch das Duftöl, das die Sünderin über die Füße des Herrn ausgoss: „Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt“ – und vom Duftöl der Hingabe, das alle Wohltaten Gottes enthält […] Aber da gibt es noch ein Duftöl, das die beiden genannten bei weitem übertrifft – ich würde es Duftöl des Mitleidens nennen. Denn es setzt sich zusammen aus den Kümmernissen der Armut, den Ängsten, in denen die Unterdrückten leben, den Befürchtungen der Schwermütigen, den Fehlern der Sünder – kurz gesagt, aus allem Leid der Menschen, sogar unserer Feinde. Diese Zutaten scheinen unwürdig zu sein, und doch ist das Duftöl, dem sie beigemischt sind, vortrefflicher als alle anderen. Das ist ein Balsam, der heilt: „Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“ (Mt 5,7). Eine große Anzahl von Leiden, vereint unter einem mitleidenden Blick, sind die kostbaren Essenzen […] Selig die Seele, die sich darum gekümmert hat, diese Aromen zu beschaffen, das Öl des Mitleids auszugießen und im Feuer der Liebe zu erwärmen. Wer ist eurer Meinung nach „der Mann, der barmherzig und zum Helfen bereit ist“ (vgl. Ps 112(111),5), der zum Mitfühlen geneigt ist, der nicht zögert, seinem Nächsten zu Hilfe zu eilen, eher bereit zu geben als zu empfangen? Der Mann, der gerne verzeiht, der dem Zorn widersteht, nicht auf Rache sinnt und in allem die Nöte der anderen als seine eigenen ansieht? – Welche Seele auch immer vom Tau des Mitleidens erfüllt ist, mit einem von Erbarmen überquellenden Herzen, das allen gilt, die für sich selbst nichts als ein rissiges Gefäß ist, in dem nichts eifersüchtig zurückbehalten wird; diese Seele, die sich selber so abgestorben ist, dass sie nur für andere lebt – eine solche Seele hat das Glück, dieses dritte, das beste Duftöl zu besitzen. Von ihren Händen tropft unendlich kostbarer Balsam (vgl. Hld 5,5), der im Unglück nicht austrocknet und im Feuer der Verfolgung nicht verdirbt. Denn Gott wird immer ihrer Opfer gedenken.

April 14, 2019

Sonntag, 14 April 2019 : Kommentar Hl. Romanos Melodos

Im Himmel sitzt du auf deinem Thron, hier unten auf dem Eselsfohlen, Christus, der du Gott bist, du nahmst das Lob der Engel an und das Lied der Kinder, die Dir zuriefen: „Hochgelobt seist du, der du kommst, um Adam zurückzurufen“ […] Seht, unser König, sanft und friedvoll, auf dem Jungen einer Eselin sitzend, der eilends kommt, um sein Leiden auf sich und die Sünden hinweg zu nehmen. Das Wort, die Weisheit Gottes, auf einem unvernünftigen Tier sitzend, will alle vernünftigen Wesen retten. Und man konnte jenen auf dem Rücken eines Esels betrachten, den die Cherubim tragen und der einst Elias im feurigen Wagen hinwegnahm, jenen, der „reich wie er war, arm wurde“ aus freiem Willen (vgl. 2 Kor 8,9), jenen, der, indem er die Schwachheit wählte, allen die Kraft gibt, die ihm zurufen: „Hochgelobt seist du, der du kommst, um Adam zurückzurufen“ […] Du offenbarst deine Kraft, indem du die Bedürftigkeit wählst […] Die Kleider der Jünger waren ein Zeichen der Bedürftigkeit, doch deine Macht war zu messen an dem Loblied der Kinder und der Volksmenge, die rief: „Hosanna – das heißt: Rette doch! – in der Höhe. Errette, Höchster, die Gedemütigten. Erbarme Dich unser wegen unserer Palmen; die Zweige, die sich bewegen, werden Dein Herz rühren, o du, der du kommst, um Adam zurückzurufen“ […] – O Geschöpf aus meiner Hand, antwortet der Schöpfer […], ich selber bin gekommen. Nicht das Gesetz konnte dich retten, da es dich nicht erschaffen hat, und auch die Propheten nicht, die wie du meine Geschöpfe waren. Es liegt allein an mir, dich von deiner Schuld zu befreien. Ich bin für dich verkauft – und ich setze dich frei; Ich bin deinetwegen gekreuzigt – und du entgehst dem Tod. Ich sterbe – und lehre dich rufen: „Hochgelobt seist du, der du kommst, um Adam zurückzurufen“. Habe ich etwa so die Engel geliebt? Nein, dich, den Elenden, habe ich an mein Herz gedrückt. Ich habe meine Herrlichkeit verborgen, und ich, der Reiche, wurde arm aus freien Stücken, weil ich dich so sehr liebe. Für dich habe ich Hunger gelitten, Durst, Müdigkeit. Ich habe Gebirge durchquert, Schluchten und Täler, auf der Suche nach dir, verlorenes Schaf. Ich habe den Namen des Lammes angenommen, um dich zurückzuholen, indem ich dich locke durch meine Hirtenstimme, und ich will mein Leben für dich geben, um dich den Klauen des Wolfs zu entreißen. Ich ertrage alles, damit du rufst: „Hochgelobt seist du, der du kommst, um Adam zurückzurufen“.

April 13, 2019

Samstag, 13 April 2019 : Kommentar Hl. Prosper von Aquitanien

Der hl. Paulus bekräftigt: „In dieser Endzeit hat Gott zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt hat“ (vgl. Hebr 1,2). Bedeutet diese Aussage nicht, dass der Vater alle Menschen als Teil des Erbes Christi betrachtet? Dies entspricht der Prophezeiung Davids: „Fordere von mir, und ich gebe dir die Völker zum Erbe, die Enden der Erde zum Eigentum“ (Ps 2,8). Der Herr selbst erklärt: „Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen“ (vgl. Joh 12,32). Scheint damit nicht die Umkehr aller verheißen zu sein? An anderer Stelle steht eine Prophezeiung, die die Kirche betrifft: „Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben“ (Jes 40,4): Ist hier vielleicht jemand vergessen worden, jemand, der nicht als zu Christus gehörig bezeichnet ist? Und was sollen wir denken, wenn wir lesen: „Alles Fleisch wird kommen, um mich in Jerusalem anzubeten, spricht der Herr“ (vgl. Jes 66,23 Vulg.) […] Der Begriff „Volk Gottes“ ist daher in seiner ganzen Fülle zu verstehen. Und obwohl die meisten Menschen die Gnade des Erlösers ablehnen oder vernachlässigen, ist doch mit dem Ausdruck „erwählt“ und „vorherbestimmt“ die Gesamtheit gemeint […] Der Apostel Paulus sagt auch: „Wir verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, […] aber […] Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (vgl. 1 Kor 1,23–24). Sollte Christus also für die gleichen Menschen, in deren Augen er „Ärgernis“ und „Torheit“ ist, „Gottes Kraft“ und „Gottes Weisheit“ sein? Da einige aufgrund ihres Glaubens gerettet werden, während andere in ihrer Gottlosigkeit verhärtet sind, fasste der Apostel im Grunde genommen Gläubige und Ungläubige mit dem Überbegriff „Berufene“ zusammen. So zeigte er, dass diejenigen, die er als Heiden bezeichnet, sich selber dem Ruf Gottes entzogen haben, obwohl sie das Evangelium gehört hatten.

April 12, 2019