Freitag, 14 Juni 2019 : Kommentar Hl. Irenäus von Lyon

Das Gesetz war nämlich für Knechte gegeben; durch seine äußerlichen, körperlichen Vorschriften unterwies es die Seele, indem es wie durch ein Band heranziehen wollte zur Beobachtung der Gebote, damit der Mensch lernen sollte, Gott zu gehorchen. Das Wort aber befreite die Seele und lehrte, wie sich der Körper durch sie freiwillig reinige. Demgemäß war es nötig, die Bande wegzunehmen, an die der Mensch sich schon gewöhnt hatte, und ungefesselt Gott zu folgen. Erweitern aber mussten sich die Gebote der Freiheit und wachsen musste die Unterwürfigkeit gegen den König, damit niemand wieder umkehre und dessen unwürdig erscheine, der ihn befreit hat. […] Deswegen hat der Herr statt des Gebotes: Du sollst nicht ehebrechen, das: Du sollst nicht begehren gesetzt; statt des: Du sollst nicht töten, das: Du sollst nicht einmal zürnen; statt des Zehnten die Verteilung der gesamten Habe unter die Armen geboten und befohlen, nicht nur den Nächsten, sondern auch die Feinde zu lieben, nicht nur gute Geber und Verteiler zu sein, sondern freiwillige Geber gegen die, welche uns das Unsrige nehmen. Das ist unser Herr, das Wort Gottes, das zuerst die Knechte zu Gott hinzog, dann aber die befreite, die sich ihm unterwarfen, wie er selber seinen Jüngern sagt: „Nicht mehr werde ich euch Knechte nennen, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut, Euch habe ich meine Freunde genannt, da ich euch alles kundgetan habe, was ich von meinem Vater gehört habe“ (Joh 15,15). […] Dadurch aber, dass er „Freunde Gottes“ seine Jünger nennt, zeigt er deutlich an, dass er das Wort Gottes ist, dem Abraham freiwillig und ohne Fesseln infolge der Großmut seines Glaubens folgte, wodurch er ein Freund Gottes wurde.

June 13, 2019

Mittwoch, 12 Juni 2019 : Kommentar Hl. Johannes Paul II.

Der heutige Besuch will einen entschiedenen Beitrag leisten zur Festigung der guten Beziehungen zwischen unseren beiden Gemeinschaften […] Wir sind uns alle bewusst, dass aus dem reichen Inhalt dieser Nr. 4 der Erklärung Nostra aetate drei Punkte besonders wichtig sind. […] Der erste Punkt ist der, dass die Kirche Christi ihre „Bindung“ zum Judentum entdeckt, indem sie sich auf ihr eigenes Geheimnis besinnt (vgl. Nostra aetate, Nr. 4, Absatz 1). Die jüdische Religion ist für uns nicht etwas „Äußerliches“, sondern gehört in gewisser Weise zum „Inneren“ unserer Religion. Zu ihr haben wir somit Beziehungen wie zu keiner anderen Religion. Ihr seid unsere bevorzugten Brüder und, so könnte man gewissermaßen sagen, unsere älteren Brüder. […] Ferner muss gesagt werden, dass der eingeschlagene Weg noch an den Anfängen steht. Deshalb bedarf es […] noch ziemlich viel, um jede – auch die subtile – Form des Vorurteils zu überwinden […] und somit […] das wahre Antlitz der Juden und des Judaismus wie auch der Christen und des Christentums zu zeigen […] Niemandem entgeht, dass der anfängliche grundsätzliche Unterschied in der Zustimmung der Katholiken zur Person und zur Lehre Jesu von Nazaret besteht, der ein Sohn eures Volkes ist, aus dem auch die Jungfrau Maria, die Apostel – Fundament und Säulen der Kirche – und die Mehrzahl der Gläubigen der ersten christlichen Gemeinde stammen. […] Ferner muss gesagt werden, dass die Wege, die für unsere Zusammenarbeit offenstehen im Licht des vom Gesetz und von den Propheten stammenden gemeinsamen Erbes, vielfältig und bedeutend sind. Wir möchten vor allem erinnern an die Zusammenarbeit zum Wohl des Menschen […], zugunsten seiner Würde, seiner Freiheit, seiner Rechte, seiner Entfaltung in einer Gesellschaft […], wo die Gerechtigkeit regiert und wo […] der Friede herrscht, der shalom, der von den Gesetzgebern, von den Propheten und von den Weisen Israels herbeigesehnt worden ist. […] Möge von diesem meinen Besuch und von unserer gefundenen Eintracht und gelösten Atmosphäre wie aus dem Strom, den Ezechiel von der östlichen Pforte des Tempels in Jerusalem hervorbrechen sah (vgl. Ez 47,1ff.), eine frische und wohltuende Quelle entspringen, die die vielen Wunden zu heilen hilft, an denen Rom leidet. Wenn wir das tun, so erlaube ich mir zu sagen, werden wir unseren jeweiligen heiligsten Verpflichtungen treu sein, aber auch jener, die uns am tiefsten verbindet und eint: der Glaube an den einen Gott, der „die Fremden liebt“ und „den Waisen und Witwen ihr Recht verschafft“ (vgl. Dtn 10,18), indem auch wir uns bemühen, sie zu lieben und ihnen beizustehen (vgl. ebd. und Lev 19,18.34). Die Christen haben diesen Willen des Herrn von der Torah gelernt, die ihr hier verehrt, und von den Worten Jesu, der die Liebe, die die Torah fordert, bis in die äußersten Konsequenzen verwirklicht hat.

June 11, 2019

Dienstag, 11 Juni 2019 : Kommentar II. Vatikanisches Konzil

An euch, ihr jungen Männer und Frauen der ganzen Welt, will das Konzil seine letzte Botschaft richten. Denn ihr werdet die Flamme aus den Händen eurer älteren Geschwister entgegennehmen und in der Welt leben, die im Begriff ist, die größten Umwälzungen ihrer Geschichte mitzumachen. Ihr seid es, die, indem ihr das Beste aus dem Beispiel und der Lehre eurer Eltern und Lehrer sammelt, die Gesellschaft von morgen formen werdet: Ihr werdet euch retten oder mit ihr zugrunde gehen. Die Kirche hat vier Jahre lang daran gearbeitet, ihr Antlitz zu verjüngen, um besser auf den Plan ihres Gründers, des großen Lebendigen, des ewig jungen Christus, antworten zu können. Und am Ende dieser gewichtigen „Lebensrevision“ wendet sie sich euch zu. Für euch, die jungen Leute, vor allem für euch, will sie mit ihrem Konzil ein Licht anzünden: ein Licht, das die Zukunft erleuchtet, die eure Zukunft sein wird. Die Kirche sorgt sich darum, dass diese Gesellschaft, die ihr bilden werdet, die Würde, die Freiheit und das Recht der menschlichen Personen achtet. Ihr selbst seid diese Menschen. Sie sorgt sich vor allem darum, dass diese Gesellschaft ihren Schatz, den immer alten und immer neuen, aufblühen lässt: den Glauben, und dass eure Seelen sich frei in seiner wohltuenden Klarheit erfrischen können. Die Kirche vertraut euch, dass ihr eine solche Kraft und Freude finden werdet, dass ihr noch nicht einmal in Versuchung kommt – wie einige eurer Vorfahren –, der Verführung von Philosophien der Selbstsucht und des Vergnügens oder solchen der Verzweiflung und des Nichts nachzugeben. Und dass ihr angesichts von Atheismus, Alters- und Erschlaffungserscheinungen euren Glauben an das Leben zu bekennen wisst und an das, was dem Leben einen Sinn gibt: die Glaubensgewissheit der Existenz eines Gottes, der gerecht und gut ist.

June 10, 2019

Montag, 10 Juni 2019 : Kommentar Hl. Johannes Klimakos

Wenn dies der Gipfel äußerster Sanftmut ist, sogar in Anwesenheit dessen, der uns reizte, ihm gegenüber im Herzen friedlich und liebevoll gestimmt zu sein, so ist jedenfalls folgendes der Gipfel äußerster Wut: dass man selbst solange man für sich allein ist, mit Worten und Gebärden wider denjenigen, der einen betrübte, streitet und in Raserei verfällt. Der Anfang der Zornlosigkeit ist das Schweigen der Lippen bei aufgebrachtem Herz, die Mitte ist das Schweigen der Gedanken bei geringer Aufregung der Seele, das Ende jedoch ist unveränderlicher Friede beim Wehen unreiner Winde. Sanftmut ist ein unerschütterlicher Zustand der Seele, welcher sich in Unehren und Lobpreisungen immer gleich bleibt. Wenn der Heilige Geist als Friede der Seele definiert wird und es ist, der Zorn hingegen Aufruhr des Herzens ist und genannt wird, dann versperrt nichts so sehr Seine Gegenwart in uns wie die Wut.

June 9, 2019

Sonntag, 9 Juni 2019 : Kommentar Hl. Jean-Baptiste Marie Vianney

Aus sich selbst heraus ist der Mensch nichts, mit dem Heiligen Geist jedoch ist er viel. Der Mensch ohne Seele ist ganz Erde und Tier. Nur der Heilige Geist kann seine Seele zu Höherem entfalten und emportragen. Wie durch ein Vergrößerungsglas lässt er uns das Gute und Böse deutlich erkennen. Mit dem Heiligen Geist sehen wir alles groß: wir erkennen die Größe der geringsten für Gott getanen Werke und die Größe der kleinen Fehler. Wie ein Uhrmacher mit seiner Lupe das kleinste Räderwerk einer Uhr sieht, so erkennen wir durch das Licht des Heiligen Geistes jeden Teil unseres armen Lebens. Ohne den Heiligen Geist ist alles kalt. Wenn wir spüren, dass unser Eifer nachlässt, müssen wir schnell eine Novene zum Heiligen Geist beten und Ihn um Glauben und Liebe bitten!

June 8, 2019

Samstag, 8 Juni 2019 : Kommentar Hl. Teresa von Avila

Es liegt […] sehr viel daran, zu verstehen, dass Gott nicht alle denselben Weg führt. Und vielleicht steht gerade derjenige, der den niedrigsten Weg zu gehen meint, in den Augen des Herrn sehr hoch. Weil alle in diesem Haus das Gebet üben, müssen darum nicht alle kontemplativ sein; das ist unmöglich. Wenn eine Schwester, die es nicht ist, diese Wahrheit nicht versteht, wird sie untröstlich sein. […] Ich konnte über vierzehn Jahre lang ohne Buch nicht einmal Betrachtung halten. Es gibt sicher viele Personen, denen es genauso geht, und manche vermögen nicht einmal mit Hilfe eines Buches Betrachtung zu halten; sie können nur mündlich beten; dabei können sie am längsten verweilen. […] Es gibt recht viele Menschen, denen es genauso ergeht. Wenn sie demütig sind, so glaube ich, dass ihnen am Ende nicht weniger zuteil wird als denen, die großen geistigen Genuss erfahren; sie empfangen genausoviel und gehen in gewisser Hinsicht sogar einen viel sichereren Weg; denn wir wissen nicht, ob diese geistigen Genüsse von Gott stammen oder vom Teufel. […] Diejenigen, denen keine geistigen Genüsse zuteil werden, leben in Demut und fragen sich, ob nicht sie selbst schuld daran sind. Immer sind sie darum bemüht, vorwärtszuschreiten. Sehen sie andere auch nur eine Träne vergießen, so meinen sie gleich, sie selbst würden dem Herrn viel zu wenig dienen, weil ihnen keine Tränen kommen. Dabei dienen sie ihm vielleicht viel mehr; denn so gut Tränen auch sein mögen, sie sind nicht immer ein Zeichen der Vollkommenheit, während in der Demut, Abtötung, Losschälung und den anderen Tugenden immer eine viel größere Sicherheit liegt. Es besteht also kein Grund zur Furcht, und ihr braucht keine Angst zu haben, dass ihr nicht zur Vollkommenheit gelangt, so wie die großen Kontemplativen.

June 7, 2019

Freitag, 7 Juni 2019 : Kommentar Hl. Johannes Paul II.

Der Bischof von Rom ist der Bischof der Kirche, die die prägende Spur des Martyriums des Petrus und des Paulus bewahrt […] Das Matthäusevangelium beschreibt und präzisiert die pastorale Sendung des Petrus in der Kirche […] „Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen […]“ (Mt 16,18). Lukas hebt hervor, dass Christus dem Petrus aufträgt, die Brüder zu stärken, ihn aber gleichzeitig seine menschliche Schwäche und die Notwendigkeit seiner Bekehrung erkennen lässt (vgl. Lk 22,31–32). Es ist gerade so, als würde vor dem Hintergrund der menschlichen Schwachheit des Petrus voll offenkundig werden, dass sein besonderes Amt in der Kirche vollständig seinen Ursprung aus der Gnade hat […] Gleich nach seiner Einsetzung wird Petrus von Christus mit seltener Strenge gerügt, der zu ihm sagt: „Du willst mich zu Fall bringen!“ (Mt 16,23). Sollte man nicht in dem Erbarmen, das Petrus braucht, einen Bezug zu dem Amt jener Barmherzigkeit sehen, die er als erster erfährt? […] Auch das Johannesevangelium hebt hervor, dass Petrus die Aufgabe, die Herde zu weiden, in einem dreifachen Liebesbekenntnis (vgl. 21,15–17) empfängt, das dem dreifachen Verrat entspricht (vgl. 13,38). […] Was Paulus betrifft, so kann er die Beschreibung seines Dienstes mit der ergreifenden Feststellung abschließen, die er aus dem Mund des Herrn vernehmen darf: „Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit“, und kann daher ausrufen: „denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“ (2 Kor 12,9–10). […] Als Erbe der Sendung des Petrus […] übt der Bischof von Rom ein Amt aus, das seinen Ursprung in der vielgestaltigen Barmherzigkeit Gottes hat, die die Herzen bekehrt und mit der Kraft der Gnade erfüllt, während der Jünger den bitteren Geschmack seiner Schwachheit und seines Elends wahrnimmt. Die diesem Amt eigene Autorität steht ganz im Dienst des barmherzigen Planes Gottes und muss immer in dieser Perspektive gesehen werden. Aus ihm erklärt sich die Vollmacht dieses Amtes. Durch seine Bindung an das dreifache Liebesbekenntnis des Petrus, das dem dreifachen Verrat entspricht, weiß sein Nachfolger, dass er Zeichen der Barmherzigkeit sein muss. Sein Dienst ist ein Dienst der Barmherzigkeit, geboren aus einem Barmherzigkeitsakt Christi. Diese ganze Lehre aus dem Evangelium muss dauernd neu gelesen werden, damit die Ausübung des Petrusamtes nichts von ihrer Glaubwürdigkeit und Transparenz verliert.

June 6, 2019

Donnerstag, 6 Juni 2019 : Kommentar Johannes Cassianus

Dann wird sich wohl vollkommen in uns jenes Gebet des Herrn erfüllen, in welchem er für seine Jünger zum Vater betete mit den Worten: „Möge die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sein und sie in uns.“ Und wieder: „Mögen sie alle Eins sein, auf dass, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so auch sie in uns Eins seien“ – wenn jene vollkommene Liebe Gottes, mit der er uns zuerst liebte, auch in unsere Herzensneigung übergegangen ist und sich so dies Gebet des Herrn erfüllt hat, das, wie wir glauben, durchaus nicht vergeblich gemacht werden kann. Das wird nun so sein, wenn all unser Lieben und Sehnen, alles Streben und Suchen, alles Denken und Schauen, Reden und Hoffen Gott sein wird und jene Einheit, die nur der Vater mit dem Sohn und der Sohn mit dem Vater hat, in unsern Sinn und Geist gegossen ist, dass nämlich, wie Jener uns mit aufrichtiger, reiner und unvergänglicher Liebe liebt, so auch wir mit ihm in ewiger und unzertrennlicher Liebe geeint werden, so mit ihm verbunden, dass, was immer wir hoffen, einsehen und reden, Gott sein wird. So, sage ich, werden wir zu jenem obengenannten Ziel kommen, welches ebenderselbe Herr in seinem Gebet für uns erfüllt wünscht: „Dass alle Eins seien, wie wir Eins sind; ich in ihnen und du in mir, so dass auch sie ganz Eins seien“ und wieder: „Vater, ich will, dass diejenigen, welche du mir gegeben hast, auch dort bei mir seien, wo ich bin.“ Das muss also die Absicht des Einsamen, das seine ganze Meinung sein, dass er ein Bild des künftigen seligen Zustandes schon in diesem Leben besitze und gleichsam einen Teil jenes himmlischen, glorreichen Wandels auf dieser Erde zum Unterpfand vorauszukosten beginne.

June 5, 2019

Mittwoch, 5 Juni 2019 : Kommentar II. Vatikanisches Konzil

Der Unterschied, den der Herr zwischen den geweihten Amtsträgern und dem übrigen Gottesvolk gesetzt hat, schließt eine Verbundenheit ein, da ja die Hirten und die anderen Gläubigen in enger Beziehung miteinander verbunden sind. Die Hirten der Kirche sollen nach dem Beispiel des Herrn einander und den übrigen Gläubigen dienen, diese aber sollen voll Eifer mit den Hirten und Lehrern eng zusammenarbeiten. So geben alle in der Verschiedenheit Zeugnis von der wunderbaren Einheit im Leibe Christi: denn gerade die Vielfalt der Gnadengaben, Dienstleistungen und Tätigkeiten vereint die Kinder Gottes, weil „dies alles der eine und gleiche Geist wirkt“ (1 Kor 12,11). Wie die Laien aus Gottes Herablassung Christus zum Bruder haben, der, obwohl aller Herr, doch gekommen ist, nicht um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen (vgl. Mt 20,28), so haben sie auch die geweihten Amtsträger zu Brüdern, die in Christi Autorität die Familie Gottes durch Lehre, Heiligung und Leitung so weiden, dass das neue Gebot der Liebe von allen erfüllt wird. Daher sagt der heilige Augustinus sehr schön: „Wo mich erschreckt, was ich für euch bin, da tröstet mich, was ich mit euch bin. Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Jenes bezeichnet das Amt, dieses die Gnade, jenes die Gefahr, dieses das Heil.“

June 4, 2019

Dienstag, 4 Juni 2019 : Kommentar Hl. Augustinus

Wenn der Herr mit den Worten: „Ich habe Deinen Namen den Menschen geoffenbart, die Du mir gegeben hast von der Welt“, alle verstanden wissen wollte, auch diejenigen, die einst an ihn glauben und zu seiner großen, aus allen Völkern zu sammelnden Kirche gehören sollten, von der im Psalm gesungen wird: „In großer Versammlung werde ich Dich lobpreisen“ (Ps 34(35),18 Vulg.), so ist das gewiss jene Verherrlichung, durch welche der Sohn den Vater verherrlicht, indem er seinen Namen allen Völkern und so vielen Geschlechtern von Menschen bekannt macht. Und was er mit den Worten sagt: „Ich habe Deinen Namen den Menschen geoffenbart, die Du mir gegeben hast von der Welt“, hat Ähnlichkeit mit dem, was er kurz vorher gesagt hatte: „Ich habe Dich verherrlicht auf Erden“ (Joh 17,4 Vulg.) […] Also „ich habe Deinen Namen“ jenen „Menschen geoffenbart, die Du mir gegeben hast von der Welt“, die mich dies sagen hörten, jedoch nicht jenen Namen, wonach Du Gott heißest, sondern jenen, wonach Du mein Vater heißest, ein Name, der ohne die Offenbarung des Sohnes nicht geoffenbart werden könnte. Denn dass er der Gott der gesamten Schöpfung heißt, dieser Name konnte allen Völkern, noch bevor sie an Christus glaubten, nicht ganz und gar unbekannt sein. Denn das ist die Macht der wahren Gottheit, dass sie der vernünftigen, ihre geistige Kraft bereits gebrauchenden Natur nicht durchaus und völlig verborgen bleiben kann. Denn mit Ausnahme weniger, in welchen die Natur allzu sehr entstellt ist, bekennt das ganze Menschengeschlecht Gott als den Urheber dieser Welt. […] Darin jedoch, dass er der Vater dieses Christus ist, durch den er die Sünde der Welt hinwegnimmt, diesen seinen vorher allen unbekannten Namen hat er jetzt denen geoffenbart, die ihm der Vater selbst von der Welt gegeben hat.

June 3, 2019