Donnerstag, 18 Juli 2019 : Kommentar Oden des Salomo

Füllet euch Wasser aus der lebendigen Quelle des Herrn (Jes 55,1; Joh 7,37), denn sie ist für euch geöffnet, und kommt alle ihr Durstigen, und nehmet den Trank und erquicket euch an der Quelle des Herrn, weil sie schön und rein ist und die Seele erquicket; denn ihr Wasser ist angenehmer als Honig, und die Honigwabe der Bienen ist nicht damit zu vergleichen. Denn von den Lippen des Herrn ist es geflossen, und aus dem Herzen des Herrn stammt sein Name. Und es kam endlos und unsichtbar, und nicht kannte man es, bevor es in die Mitte gestellt war. Selig sind alle, die davon getrunken haben und dadurch erquickt worden sind. Hallelujah.

July 17, 2019

Mittwoch, 17 Juli 2019 : Kommentar Hl. Vinzenz von Paul

Wenn ihr wüsstet, meine Töchter, wie sich Gott freut beim Anblick eines armen Mädchens vom Land, einer armen [religiösen] „Tochter der Nächstenliebe“, die sich ihm liebevoll zuwendet! Oh, dann würdet ihr euch auf den Weg machen mit mehr Vertrauen, als ich es für ratsam halte. Wenn ihr wüsstet, wie viel Wissen ihr daraus schöpft, wie viel Liebe und Sanftmut euch dort zuteilwird! Alles, meine lieben Töchter, werdet ihr dort vorfinden, denn es ist der Brunnen und die Quelle aller Wissenschaften, [aller Erkenntnis]. Woher kommt es, dass ungebildete Menschen so trefflich über Gott sprechen und die Mysterien intelligenter auslegen, als es ein Gelehrter könnte? Ein Gelehrter, der nur seine Lehre hat, spricht über Gott doch nur so, wie es ihm seine Lehre eben beigebracht hat. Ein Mensch des Gebets aber spricht ganz anders von Gott. Und was die beiden unterscheidet, meine Töchter: der eine spricht aus einem simplen, erworbenen Wissen heraus, der andere aus einem Wissen, das ganz von Liebe durchdrungen ist. So kommt es, dass bei einem Aufeinandertreffen der beiden der Gelehrte keineswegs die größere Sachkenntnis besitzt. Und er muss schweigen, wenn es einen Betenden gibt, weil dieser ganz anders von Gott spricht, als er es kann. Woher kommt es, dass ungebildete Menschen so trefflich über Gott sprechen und die Mysterien intelligenter auslegen, als es ein Gelehrter könnte? Ein Gelehrter, der nichts hat als seine Lehre, spricht über Gott doch nur so, wie es ihm seine Lehre eben beigebracht hat. Ein Mensch des Gebets aber spricht ganz anders von Gott. Und was die beiden unterscheidet, meine Töchter: der eine spricht aus einem simplen erworbenen Wissen heraus, der andere aus einem Wissen, das ganz durchdrungen ist von Liebe. So kommt es, dass bei einem Aufeinandertreffen der beiden der Gelehrte keineswegs die größere Sachkenntnis besitzt. Und er hat den Mund zu halten vor einem Mann des Gebets, der doch ganz anders von Gott spricht, als er es könnte.

July 16, 2019

Montag, 15 Juli 2019 : Kommentar Hl. Theresia Benedicta a Cruce [Edith Stein]

Der Heiland ist auf dem Kreuzweg nicht allein, und es sind nicht nur Widersacher um Ihn, die Ihn bedrängen, sondern auch Menschen, die Ihm beistehen: als Urbild der Kreuzesnachfolger aller Zeiten die Gottesmutter; als Typus derer, die ein ihnen auferlegtes Leid hinnehmen und seinen Segen erfahren, indem sie es tragen, Simon von Kyrene; als Vertreterin der Liebenden, die es drängt, dem Herrn zu dienen, Veronika. Jeder, der in der Folge der Zeiten ein schweres Schicksal im Gedanken an den leidenden Heiland geduldig trug oder freiwillige Sühneleistungen auf sich nahm, hat damit etwas von der gewaltigen Schuldenlast der Menschheit getilgt und dem Herrn Seine Last tragen helfen; vielmehr: Christus, das Haupt, leistet Sühne in diesen Gliedern Seines mystischen Leibes, die sich Ihm mit Leib und Seele für Sein Erlösungswerk zur Verfügung stellen. Wir dürfen annehmen, daß der Ausblick auf die Getreuen, die Ihm auf Seinem Leidensweg folgen würden, den Heiland in der Ölbergnacht gestärkt hat. Und die Kraft dieser Kreuzträger kommt Ihm nach jedem Fall zu Hilfe. Die Gerechten des Alten Bundes sind es, die Ihn das Stück Weges vom ersten bis zum zweiten Fall begleiten. Die Jünger und Jüngerinnen, die sich während Seines Erdenslebens um Ihn scharten, sind die Helfer auf der zweiten Wegstrecke. Die Kreuzesliebhaber, die Er erweckt hat und immer aufs neue erwecken wird in der wechselvollen Geschichte der streitenden Kirche, das sind Seine Bundesgenossen in der Endzeit. Dazu sind auch wir berufen.

July 14, 2019

Sonntag, 14 Juli 2019 : Kommentar Hl. Ambrosius

Er [der Herr] war der Samaritan, der herabkam – wer ist es, der „vom Himmel herabkam, als der zum Himmel aufstieg, der Menschensohn, der im Himmel ist“? (Joh 3,13) – und der den Halbtoten erblickte, den niemand vorher zu heilen vermochte […] „Und er trat zu ihm hin“, das heißt er wurde durch die Annahme unserer leidensfähigen Natur sein Nächster, durch das Erbarmen, das er ihm erwies, sein Bruder. „Und er goß Öl und Wein in seine Wunden und verband sie“. Über viele Heilmittel verfügt dieser Arzt, womit er zu heilen pflegt. Schon sein Wort ist ein Heilmittel. Das eine Wort von ihm verbindet die Wunden, ein anderes heilt sie mit Öl, wieder ein anderes gießt Wein in dieselben: es bindet die Wunden mit strengem Gebot […] „Und er setzte ihn“, heißt es, „auf sein Lasttier“. Vernimm, wie er dich daraufsetzt! „Dieser ladet unsere Sünden auf sich und trägt unseren Schmerz“ (vgl. Jes 53,4). Auch der Hirte legte das ermattete Schaf auf seine Schulter (Lk 15,5) […] [Er „brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.“] […] Doch blieb unserem Samaritan nicht Zeit zu langem Weilen auf Erden: er musste dahin zurückkehren, von wo er herabgekommen war. Des anderen Tags nun – wer ist dieser „andere Tag“ als vielleicht der Auferstehungstag des Herrn, von dem gesprochen ward: „Das ist der Tag, den der Herr gemacht hat“? (Ps 117(118),24) – zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Wirte und sprach: Trag Sorge für ihn! Welches nun sind diese zwei Denare, wenn nicht vielleicht die zwei Testamente, die das Bild des ewigen Königs in ihrer Prägung tragen? Mit deren Preis unsere Wunden geheilt werden? […] Selig der Wirt, der des Nächsten Wunden heilen kann! Selig der, zu dem Jesus spricht: „Was immer du noch darüber aufwendest, will ich dir bei meiner Rückkehr heimbezahlen!“ […] Er verpflichtet sich, dass er ihn entlohnen werde. Wann, Herr, wirst Du zurückkehren, wenn nicht am Tage des Gerichtes? Denn wenn Du auch immer und überall bist und, unsichtbar für uns, in unserer Mitte stehst, wird doch der Zeitpunkt kommen, da alles Fleisch Dich wiederkehren sieht. Da wirst Du nun vergelten, was Du schuldest […] Wie wirst Du vergelten, Herr Jesus? Wohl lautet Deine Verheißung, der Lohn für die Guten ist groß im Himmel (Mt 5,12); doch auch mit den Worten willst Du Vergeltung üben: „Wohlan, du guter Knecht, weil du über Weniges getreu gewesen, will ich dich über Vieles setzen: geh ein in die Freude deines Herrn!“ (Mt 25,21.23).

July 13, 2019

Samstag, 13 Juli 2019 : Kommentar Hl. Johannes Chrysostomus

Mächtig stürmen die Wogen, und es tobt die Flut; aber wir fürchten nicht, unterzugehen; denn wir stehen auf einem Felsen. Mag wüten das Meer – den Felsen kann es nicht wegschwemmen. Mag steigen die Flut – das Schifflein Jesu kann sie nicht versenken. Was fürchten wir denn? Den Tod? „[…] für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn“ (Phil 1,21). Oder Verbannung? „Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt“ (Ps 24(23),1). Oder Einziehung der Güter? „[…] wir haben nichts in die Welt mitgebracht, und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen“ (1 Tim 6,7) […] Wenn du dem Worte nicht glaubst, so glaube den Tatsachen. Wie viele Tyrannen haben schon die Kirche bezwingen wollen […] und haben sie nicht bezwungen! Wo sind jene, die den Krieg gegen die Kirche geführt haben? Man spricht nicht mehr von ihnen, sie sind der Vergessenheit anheimgefallen. Wo ist die Kirche? Sie glänzt heller als die Sonne […] Hörst du nicht, was der Herr sagt: „[…] wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20) […] Seine Handschrift hab’ ich. Sie ist mein Pfand, sie meine Sicherheit, sie ist mein Hafen, der mich schützt vor tobenden Fluten. Wird auch die ganze Welt erregt, ich halte mich an dieser Handschrift. Ihre Worte lese ich; sie sind mein Wall, meine Sicherheit. Welche Worte? „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Christus ist bei mir, wen soll ich fürchten? Jetzt mögen Fluten, mögen die Tiefen des Meeres sich gegen mich erheben und der Fürsten Zorn, – Das alles ist mir geringer als Spinngewebe.

July 12, 2019

Freitag, 12 Juli 2019 : Kommentar Hl. Vinzenz von Paul

Unser Herr Jesus Christus fordert von uns die Einfachheit der Taube, die darin besteht, Dinge ganz einfach zu sagen, so wie man sie denkt, ohne unnütze Überlegungen, und sich wahrhaftig zu benehmen, ohne Verstellung und Künstelei, und nur auf Gott allein zu schauen; aus diesem Grund wird jeder von uns bestrebt sein, alle seine Handlungen in diesem Geist der Einfachheit zu tun, und sich vor Augen zu halten, dass Gott sich gerne den Einfachen mitteilt und ihnen seine Geheimnisse offenbart, die er vor den Weisen und Klugen verbirgt (Mt 11,25). Aber zur gleichen Zeit, in der Jesus Christus die Einfachheit der Taube empfiehlt, befiehlt er uns, die Klugheit der Schlange zu nutzen, was eine Tugend ist, die uns mit Umsicht sprechen und handeln lässt […] Unser Herr sagte zu den Aposteln, dass er sie wie Schafe unter die Wölfe sandte, und sagte ihnen gleichzeitig, klug wie Schlangen und einfach wie Tauben zu sein. Dann fügt er hinzu: „Nehmt euch aber vor den Menschen in acht! Denn sie werden euch um meinetwillen vor die Gerichte bringen […] Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt“ (vgl. Mt 10,17–19). Er spricht zuerst von der Klugheit und dann von der Einfachheit; Klugheit braucht man, um wie Schafe mitten unter Wölfe gehen zu können, wo sie Gefahr liefen, missbraucht zu werden. „Seid klug“, sagt er ihnen, „seid schlau und trotzdem einfach“. „Nehmt euch vor den Menschen in acht“: Nehmt euch mit Klugheit in acht; wenn ihr aber vor die Richter geschleppt werdet, macht euch keine Sorgen, was ihr antworten sollt. Das ist die Einfachheit. Ihr seht, dass unser Herr diese beiden Tugenden verbindet, er will, dass man sie bei der gleichen Gelegenheit benutzt; er empfiehlt uns, dass wir sie auch anwenden und macht uns verständlich, dass Klugheit und Einfachheit gut zusammenpassen, wenn sie recht verstanden werden.

July 11, 2019

Donnerstag, 11 Juli 2019 : Kommentar Pius XII.

Seine Zeit war durch Laster altersschwach geworden, Italien und Europa boten das überaus traurige Schauspiel sich zerfleischender Völker, und selbst das Mönchswesen, von Erdenstaub entstellt, […] weniger imstande, als es nötig gewesen wäre. Sankt Benedikt hat durch seine hervorragende Tat und Heiligkeit die immerwährende Jugendkraft der Kirche bezeugt; er hat durch seine Lehre und sein Beispiel die Sittenstrenge erneuert und hat die Heimstätten des religiösen Lebens mit festeren und heiligeren Gesetzen umhegt. Mehr noch: in eigener Person und durch seine Jünger hat er die Barbarenstämme aus ihren rauen Lebensgewohnheiten zu einer bürgerlichen und christlichen Kultur emporgeführt, hat sie zu Tugend, Arbeit und friedlicher Pflege der Künste und Wissenschaften angeleitet und sie in brüderlicher Eintracht und Liebe untereinander verbunden. […] Cassino war bekanntlich der Hauptsitz des heiligen Patriarchen und der vornehmlichste Schauplatz seiner Tugend und Heiligkeit. Während ringsumher Unwissenheit und Laster alles verdunkelten und verschütteten, strahlte von jener Bergeshöhe ein neues Licht aus, das nicht nur durch die Weisheit der alten Kultur und Zivilisation, sondern auch durch die christliche Lehre genährt wurde, die irregeleiteten Völker und Stämme erleuchtete und sie wieder zur Wahrheit und auf den rechten Weg zurückführte. […] Hier gab Benedikt dem monastischen Leben jene vollendete Form, nach der er zuvor lange in Gebet, Betrachtung und Übung gestrebt hatte. Die göttliche Vorsehung scheint ihm besonders die Aufgabe zugedacht zu haben, nicht so sehr die in den östlichen Ländern übliche mönchische Lebensweise nach dem Westen zu verpflanzen, als sie vielmehr der Denkart, den Bedürfnissen und Verhältnissen Italiens und der übrigen Völker Europas in glücklicher Form anzupassen. So fügte er zu der erhabenen östlichen Aszese das tätige Leben hinzu, nach dem Grundsatz: „Das Betrachtete andern vermitteln“, um nicht nur aus unbebautem Land irdische Früchte, sondern durch apostolische Anstrengungen auch geistlichen Segen zu gewinnen.

July 10, 2019

Montag, 8 Juli 2019 : Kommentar Hl. Augustinus

„Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er schon gestorben ist, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit.“ Was heißt das? „Wer an mich glaubt, wird, auch wenn er schon gestorben ist“, wie Lazarus gestorben ist, „leben“, weil er nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen ist. Betreffs der schon längst gestorbenen Väter Abraham, Isaak und Jakob, hat Gott den Juden diese Antwort gegeben: „Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs; er ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen“ (Mt 22,32; Lk 20,37f.); alle leben in ihm. Glaube also, und wenn du auch gestorben bist, so wirst du leben; wenn du aber nicht glaubst, so bist du, auch wenn du lebst, tot. […] Woher der Tod der Seele nach? Weil der Glaube fehlt. Woher der Tod dem Leibe nach? Weil die Seele fehlt. Also ist die Seele deiner Seele der Glaube. „Wer an mich glaubt“, sagt er, „wird, auch wenn er gestorben ist“ dem Fleische nach, „leben“ der Seele nach, bis auch das Fleisch aufersteht, um nachher nie mehr zu sterben. Das heißt: „Wer an mich glaubt“, mag er auch sterben, „wird leben. Und jeder, der lebt“ dem Fleische nach „und an mich glaubt, wird“, obwohl er für jetzt wegen des Todes des Fleisches sterben wird, „nicht sterben in Ewigkeit“ wegen des Lebens des Geistes und der unvergänglichen Dauer der Auferstehung. Das ist es, was er sagt mit den Worten: „Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das? Sie [Marta] sprach zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, daß Du bist Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist“. Indem ich dies glaube, glaube ich, daß Du die Auferstehung bist, glaube ich, daß Du das Leben bist, glaube ich, daß, wer an Dich glaubt, auch wenn er stirbt, leben wird, und daß, wer lebt und an Dich glaubt, nicht sterben wird in Ewigkeit.

July 7, 2019

Sonntag, 7 Juli 2019 : Kommentar Das Leben des hl. Franziskus von Assisi

Als der heilige Franziskus schon voll der Gnade des Heiligen Geistes war, sagte er seinen Brüdern die Zukunft voraus. Seine sechs Brüder, die er hatte, zu sich rufend, versammelte er sie in dem Wald neben der Kirche von Santa Maria von Portiunkula, wohin sie häufig zum Gebet gingen; und er sagte zu ihnen: „Erwägen wir unsere Berufung, liebste Brüder, da Gott uns barmherzig berufen hat nicht nur zu unserem Heil, sondern auch zum Besten vieler und auch zu ihrem Heil. Ziehen wir also durch die Welt, um Männer und Frauen zu ermahnen und durch Wort und Beispiel zu lehren, damit sie Buße tun für ihre Sünden und sich an die Gebote des Herrn erinnern, die so lange Zeit in Vergessenheit geraten sind.“ Und weiter sagte er zu ihnen: „Fürchtet euch nicht, kleine Herde (vgl. Lk 12,32), sondern habt Vertrauen auf den Herrn. Und sagt nicht untereinander: ‚Wir sind dumm und ohne Bildung, wie sollen wir da predigen?‘ Erinnert euch vielmehr an die Worte des Herrn, die er seinen Jüngern sagte, indem er sprach: ‚Denn nicht ihr seid es, die da reden, sondern der Geist eures Vaters ist es, der in euch redet‘ (vgl. Mt 10,20). Denn der Herr selbst wird euch den Geist und die Weisheit geben, um zu ermahnen und den Männern und Frauen den Weg und die Werke gemäß seinen Geboten zu lehren.“

July 6, 2019

Samstag, 6 Juli 2019 : Kommentar Dem hl. Makarius

Mag die wahrhaft gott- und christusliebende Seele auch tausend Werke der Gerechtigkeit vollbracht haben, wegen ihres unersättlichen Verlangens nach dem Herrn benimmt sie sich doch so, als hätte sie noch nichts getan. Hat sie auch durch „Fasten und Wachen“ (vgl. 2 Kor 6,5) den Leib verzehrt, so ist es ihr doch, als hätte sie noch gar nicht angefangen, die Tugenden zu üben. Selbst wenn sie verschiedener Geistesgaben oder himmlischer Offenbarungen und Geheimnisse gewürdigt wurde, wegen der unermesslichen, unersättlichen Liebe zum Herrn ist es ihr doch, als besäße sie noch nichts. Vielmehr hat sie, Tag für Tag hungernd und dürstend in Glauben, Liebe und beharrlichem Gebet, ein unersättliches Verlangen nach den Geheimnissen der Gnade und dem vollen Tugendstand. Sie ist verwundet von der Liebe des himmlischen Geistes, durch die Gnade erweckt sie in sich immerdar ein feuriges Verlangen nach ihrem himmlischen Bräutigam, sie sehnt sich, der geheimnisvollen, unaussprechlichen Gemeinschaft mit ihm in „Heiligung durch den Geist“ (vgl. 1 Petr 1,2) vollkommen gewürdigt zu werden. Ihr Antlitz enthüllt, ihr Angesicht unverwandt auf den himmlischen Bräutigam in geistigem, unaussprechlichem Lichte gerichtet, vermischt sich die Seele in voller Gewissheit mit diesem. „Gleichgestaltet seinem Tode“ (vgl. Phil 3,10) erwartet sie in glühendem Verlangen allzeit den Tod um Christi willen, im zuversichtlichen Glauben, vollkommene Erlösung von der Sünde und den finsteren Leidenschaften vom Geiste zu erlangen. Gereinigt durch den Geist, an Leib und Seele geheiligt, wird sie ein reines Gefäß zur Aufnahme des himmlischen Salböls und gewürdigt, eine Wohnstätte des himmlischen, wahren Königs Christus zu werden.

July 5, 2019