Samstag, 21 September 2019 : Kommentar Hl. Beda Venerabilis

„Jesus sah einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach!“ Er sah ihn nicht so sehr mit seinen leiblichen Augen als vielmehr mit dem inneren Blick seines Erbarmens […] Er sah den Zöllner, und da er ihn mit einem mitleidvollen Blick sah, mit einem auserwählenden Blick, „sagte er zu ihm: Folge mir nach!“, das heißt: Ahme mich nach. Indem er ihn aufforderte, ihm zu folgen, lud er ihn weniger dazu ein, hinter ihm herzugehen, als vielmehr zu leben wie er; denn „wer sagt, dass er in Christus bleibt, muss auch leben, wie er gelebt hat“ (vgl. 1 Joh 2,6) […] Matthäus „stand auf und folgte ihm“. Es ist nicht erstaunlich, dass der Zöllner beim ersten Aufruf des Herrn, der so voller Autorität war, seine Jagd nach irdischem Gewinn aufgab und, indem er auf die Güter dieser Welt verzichtete, den erwählte, den er ohne jeglichen Reichtum sah. Denn der Herr, der ihn von außen rief durch sein Wort, berührte ihn im Innersten seiner Seele, indem er dort das Licht der Gnade erstrahlen ließ. Dieses Licht ließ Matthäus verstehen, dass jener, der ihn aufrief, die materiellen Güter auf Erden zu verlassen, ihm einen unvergänglichen Schatz im Himmel geben konnte (vgl. Mt 6,20) […] „Als Jesus im Haus des Zöllners beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen zusammen mit ihm und seinen Jüngern“: Die Umkehr eines einzigen Zöllners hat den Weg der Buße und Vergebung für viele Zöllner und Sünder geöffnet […] Was für ein schönes Vorzeichen! Im Augenblick seiner Bekehrung führt einer, der später Apostel und Lehrer unter den Heiden sein sollte, eine ganze Schar von Sündern mit sich auf den Weg des Heils.

September 20, 2019

Freitag, 20 September 2019 : Kommentar Hl. Johannes Paul II.

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht“ (Joh 4,10), sagt Jesus zu der Samariterin in einem jener wunderbaren Gespräche, die beweisen, wieviel Achtung er der Würde jeder Frau und ihrer Berufung, die ihr die Teilnahme an seiner messianischen Sendung erlaubt, entgegenbringt […] Im Marianischen Jahr möchte die Kirche der Heiligsten Dreifaltigkeit für das „Geheimnis der Frau“ und für jede Frau Dank sagen – für das, was das ewige Maß ihrer weiblichen Würde ausmacht, für „Gottes große Taten“, die im Verlauf der Generationen von Menschen in ihr und durch sie geschehen sind. Hat sich schließlich nicht in ihr und durch sie ereignet, was zum Großartigsten in der Geschichte des Menschen auf Erden gehört – die Menschwerdung Gottes selbst? Die Kirche sagt also Dank für alle Frauen und für jede einzelne: für die Mütter, die Schwestern, die Ehefrauen; für die Frauen, die sich in der Jungfräulichkeit Gott geweiht haben; für die Frauen, die sich den unzähligen Menschen widmen, die die selbstlose Liebe eines anderen Menschen erwarten; für die Frauen, die in ihrer Familie, dem grundlegenden Zeichen menschlicher Gemeinschaft, über das menschliche Dasein wachen; für die Frauen, die berufstätig sind und oft schwere soziale Verantwortung zu tragen haben […] Die Kirche sagt Dank für alle Äußerungen des weiblichen „Geistes“, die sich im Laufe der Geschichte bei allen Völkern und Nationen gezeigt haben; sie sagt Dank für alle Gnadengaben, mit denen der Heilige Geist die Frauen in der Geschichte des Gottesvolkes beschenkt […] Gleichzeitig bittet die Kirche darum, dass diese unschätzbaren „Offenbarungen des Geistes“, (vgl. 1 Kor 12,4ff.) […] sorgfältig anerkannt und gewertet werden, damit sie gerade in unserer Zeit der Kirche und der ganzen Menschheit „zum gemeinsamen Nutzen“ gereichen.

September 19, 2019

Donnerstag, 19 September 2019 : Kommentar Hl. Gertrud von Helfta

Gertrud erkannte: Wer sich Gott anempfiehlt, indem er ihn um Bewahrung vor der Sünde bittet, den wird, falls er auch nach dem verborgenen Ratschluss Gottes vor den Menschen in irgendeinem Stück schwer zu fehlen scheint, dennoch die Gnade Gottes wie ein Stab stützen und er kann zu jeder Zeit viel leichter zurückkehren […] Einmal stellte sie sich vor den Herrn und begehrte seinen Segen. Nachdem sie diesen erlangt hatte, schien auch der Herr von ihr Segnung zu verlangen. Hieraus erkannte sie, dass der Mensch den Herrn dann segnet oder lobpreist, wenn er in Gedanken Reue erweckt, dass er seinen Schöpfer jemals beleidigt hat, und dessen Hilfe anfleht, um künftig die Sünden zu meiden. Auf diese Lobpreisung neigt der Herr der Himmel voll Huld sich tief herab und zeigt, dieselbe werde ihm so wohlgefällig sein, als wenn seine ganze Seligkeit hierdurch vervollkommnet würde […] Ein andermal sagte sie wegen der Schwierigkeit eines Werkes zu Gott dem Vater: „O Herr! ich opfere dir dieses Werk auf durch deinen eigeborenen Sohn in der Kraft des Heiligen Geistes zur ewigen Verherrlichung.“ Als Wirkung dieses Wortes erkannte sie, dass durch eine solche Absicht alles, was aufgeopfert wird, über menschliche Schätzung wunderbar geadelt wird. Gleichwie nämlich grün erscheint, was durch grünes Glas, und rot, was durch rotes gesehen wird: So ist alles, was durch seinen eingeborenen Sohn ihm dargebracht wird, Gott dem Vater überaus angenehm und wohlgefällig.

September 18, 2019

Mittwoch, 18 September 2019 : Kommentar Hl. Johannes Paul II.

Die Kirche lebt ein authentisches Leben, wenn sie das Erbarmen bekennt und verkündet – das am meisten überraschende Attribut des Schöpfers und des Erlösers – und wenn sie die Menschen zu den Quellen des Erbarmens des Heilandes führt, welche sie hütet und aus denen sie austeilt. Große Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der ständigen Betrachtung des Wortes Gottes zu und vor allem der bewussten, mit innerer Reife vollzogenen Feier der Eucharistie und des Sakraments der Buße oder Versöhnung. Die Eucharistie nähert uns ja immer mehr jener Liebe, die mächtiger ist als der Tod: „Sooft wir von diesem Brot essen und aus diesem Kelch trinken“, verkünden wir nicht nur den Tod des Erlösers, sondern auch seine Auferstehung, „bis er kommt“ in Herrlichkeit. Die gleiche Eucharistiefeier, die zum Gedächtnis dessen gefeiert wird, der uns in seiner messianischen Sendung durch sein Wort und sein Kreuz den Vater geoffenbart hat, beweist die unerschöpfliche Liebe, durch die er immer danach strebt, sich mit uns zu verbinden und mit uns eins zu werden, indem er allen Menschenherzen entgegenkommt. Das Sakrament der Buße oder Versöhnung ebnet dabei den Weg zu jedem Menschen selbst dann, wenn er mit schwerer Schuld beladen ist. In diesem Sakrament kann jeder Mensch auf einzigartige Weise das Erbarmen erfahren, das heißt die Liebe, die mächtiger ist als die Sünde.

September 17, 2019

Montag, 16 September 2019 : Kommentar Katechismus der Katholischen Kirche

Das Verlangen nach Gott ist dem Menschen ins Herz geschrieben, denn der Mensch ist von Gott und für Gott erschaffen. Gott hört nie auf, ihn an sich zu ziehen. Nur in Gott wird der Mensch die Wahrheit und das Glück finden, wonach er unablässig sucht […] Von jeher geben die Menschen durch ihre Glaubensanschauungen und religiösen Verhaltensweisen (wie Gebet, Opfer, Kult und Meditation) ihrem Suchen nach Gott mannigfach Ausdruck. Diese Ausdrucksweisen können mehrdeutig sein, sind aber so allgemein vorhanden, dass man den Menschen als ein religiöses Wesen bezeichnen kann […] Diese „innigste und lebenskräftige Verbindung mit Gott“ (GS 19,1) kann jedoch vom Menschen vergessen, verkannt, ja ausdrücklich zurückgewiesen werden. Solche Haltungen können verschiedenste Ursachen haben (vgl. GS 19–21): Auflehnung gegen das Übel in der Welt, religiöse Unwissenheit oder Gleichgültigkeit, irdische Sorgen und Reichtum (vgl. Mt 13,22), schlechtes Beispiel der Gläubigen, religionsfeindliche Denkströmungen und schließlich die Neigung des sündigen Menschen, sich aus Angst vor Gott zu verbergen (vgl. Gen 3,8–10) und vor dem Ruf des Herrn zu fliehen (vgl. Jona 1,3). „Alle, die den Herrn suchen, sollen sich von Herzen freuen“ (Ps 105,3). Mag auch der Mensch Gott vergessen oder zurückweisen, hört Gott doch nicht auf, jeden Menschen zu rufen, damit dieser ihn suche und dadurch lebe und sein Glück finde. Dieses Suchen fordert aber vom Menschen die ganze Anstrengung des Denkens und die gerade Ausrichtung des Willens, „ein aufrichtiges Herz“, und auch das Zeugnis anderer, die ihn lehren, Gott zu suchen. „Groß bist du, Herr, und überaus lobwürdig; groß ist deine Stärke und unermesslich deine Weisheit. Und loben will dich der Mensch, der selbst ein Teilchen deiner Schöpfung ist, der Mensch, der seine Sterblichkeit mit sich herumträgt und in ihr das Zeugnis seiner Sündhaftigkeit und das Zeugnis, dass du den Stolzen widerstehst. Und dennoch will er dich loben, der Mensch, der selbst ein Teilchen deiner Schöpfung ist. Du treibst uns an, so dass wir mit Freuden dich loben, denn du hast uns auf dich hin geschaffen, und ruhelos ist unser Herz, bis es ruhet in dir“ (hl. Augustinus, conf. 1,1,1).

September 15, 2019

Sonntag, 15 September 2019 : Kommentar Hl. Ambrosius

Da die Schwäche der Menschen nicht in der Lage ist, beständig sicheren Schrittes in dieser spiegelglatten Welt fortzuschreiten, zeigt dir der gute Mediziner die Arzneimittel gegen die Verirrung, und der barmherzige Richter weist die Hoffnung auf Vergebung nicht zurück. Nicht ohne Grund hat der hl. Lukas drei aufeinander folgende Gleichnisse angeboten: das Schaf, das sich verirrt hatte und wiedergefunden wurde, die Drachme, die verloren ging und die man wiederfand, der Sohn, der tot war und wieder lebendig wurde. Diese dreifache Medizin verpflichtet uns dazu, unsere Wunden zu behandeln […] Das erschöpfte Schaf wurde durch den Hirten zurückgebracht; die verlorene Drachme wurde wiedergefunden; der Sohn kehrt um und kommt zu seinem Vater zurück, voll Reue über seine Verirrung […] Freuen wir uns also darüber, dass das Schaf, das sich in Adam verirrt hatte, in Christus wieder aufgehoben wurde. Die Schultern Christi sind die Arme des Kreuzes; dort habe ich meine Sünden abgeladen, an diesem Schandpfahl habe ich meine Ruhe gefunden. Dieses Schaf ist seiner Natur nach ein einziges, doch nicht in seinen Personen, denn wir alle bilden einen einzigen Leib, bestehen aber aus vielen Gliedern. Deshalb steht geschrieben: „Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm“ (1 Kor 12,27). „Der Menschensohn ist gekommen, um zu retten, was verloren war“ (vgl. Lk 19,10), das heißt alle Menschen, denn „wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht“ (1 Kor 15,22) […] Es ist auch nicht gleichgültig, dass diese Frau sich freut, das Geldstück wiedergefunden zu haben: Es bedeutet nicht wenig, dieses Geldstück mit dem Bild eines Fürsten. Ebenso ist das Bild des Königs der Reichtum der Kirche. Wir sind Schafe: beten wir also, dass der Herr uns zum Ruheplatz am Wasser führen wird (vgl. Ps 23(22),2). Wir sind Schafe: bitten wir um Weideplätze. Wir sind das Geldstück: bewahren wir unseren Wert. Wir sind Sohn: kehren wir zum Vater zurück.

September 14, 2019

Freitag, 13 September 2019 : Kommentar Nachfolge Christi

Wenn ein Mensch sich über seine Fehler demütigt, besänftigt er die anderen leicht und versöhnt, die ihm zürnen. Den Demütigen schützt und rettet Gott, er liebt und tröstet ihn. Zum Demütigen lässt er sich herab, ihm schenkt er reiche Gnade und hebt ihn aus seiner Niedergeschlagenheit empor zum Ruhm. Dem Demütigen entschleiert er seine Geheimnisse, ihn lädt er sanft zu sich und zieht ihn an sich. Der Demütige lebt in Frieden trotz der erlittenen Schmach, denn er gründet in Gott, nicht in der Welt […] Schaffe zuerst Frieden in dir, dann kannst du andere zum Frieden führen. Ein Friedfertiger stiftet mehr Nutzen als ein Gelehrter. Ein Leidenschaftlicher kehrt selbst das Gute ins Böse, er glaubt das Böse leicht. Ein guter, friedfertiger Mensch wendet alles zum Guten. Wer im Frieden lebt, wähnt von keinem Arges. Wer mit sich selbst im Streite steht, den treibt bald der, bald jener Wahn, er hat keine Ruhe und lässt auch den Nachbarn nicht in Frieden. Er redet oft, was er nicht reden sollte, und versäumt, was er besser hätte tun sollen. Er stellt fest, was andere zu tun gehalten sind, und vergisst seine eigene Pflicht. Ereifere dich zunächst über dich selbst, und dann magst du dich um deinen Nächsten verwenden.

September 13, 2019

Samstag, 14 September 2019 : Kommentar Hl. Gertrud von Helfta

O du Weisheit, was für ein Spiel führst du zu Ende, mit was für einer scherzenden Rede umkreist du meinen Jesus. Vollständig entblößt du den König der Herrlichkeit, machst ihn zu einer Schaustellung der Schande. Du bindest den Kaufpreis für die ganze Welt an eine Säule. Du als Einzige wägst ab und entscheidest darüber, welchen Wert das Sakrament haben soll, das die Schuld sämtlicher Gesetzesübertretung tilgen kann. Du bist es, die am Kreuz das Leben aller von der Erde aus erhöht, damit es in seinem Tod alles an sich zieht und lebendig macht. O Liebe, du weise, was für ein Verband bereitest du als Heilmittel gegen den allgemeinen Untergang. O was für ein Wundpflaster legst du auf, damit du die Wunden aller heilst. O Liebe, dein Beschluss wird die Hilfe für die Verlorenen. Den Unschuldigen verdammst du, damit du den elenden Angeklagten zum Heil führen kannst. Unschuldiges Blut vergießt du, damit du die zürnende Gerechtigkeit besänftigen kannst und den Armen und Mittellosen einen milden Vater verschaffst. O du weise Liebe, dein Spruch ist das erlösende Wort für die Elenden. Du betreibst die Sache des Friedens. Dem Einspruch des Erbarmens schenkst du Gehör. Der Not eines jeden kommst du mit klugem Ratschlag zu Hilfe, mit dem gütigsten Willen deiner Milde. Du setzt dem allgegenwärtigen Elend ein Ende durch das herrliche Werk deiner Barmherzigkeit. O Liebe, es ist dieser Gedanke von dir, der den Verlorenen die Gelegenheit für das Heil bietet. Schau her, o Weisheit, schon steht dein Vorratskeller offen, erfüllt von deiner Güte. Ja, schau mich doch an, mich, den Angeklagten, der draußen vor der Tür deiner erbarmenden Liebe steht. Ja, fülle doch das dünne Mäntelchen meiner Armut mit dem Segen deiner Süße. Sieh her, vor dir steht die leere Schale meiner Sehnsucht. Ja, wenn sich doch nur ein kleines Schloss zu deiner Fülle öffnete. Lehre mein Herz deine lauteren Pläne, deine klaren Anordnungen, deine verlässlichen Gesetze. (Ps 19,8) Lass mich an deine Gebote denken und danach handeln. Mein Jesus, handle an mir nicht nach meinen Sünden und vergilt mir nicht nach meiner Schuld. (Ps 103,10.18) Ja, und so wie du mir durch dein Blut wahrhaft verziehen hast, so mache für mich durch die Kraft deines kostbaren Kreuzes allen Lebensverlust wieder gut.

September 13, 2019

Donnerstag, 12 September 2019 : Kommentar Hl. Vinzenz von Paul

Meine Tochter, wenn ich Sie recht verstehe, meinen Sie, dass es besser sei, eine Zurechtweisung schweigend zu ertragen, als uns zu verteidigen, wenn uns jemand ungerechtfertigt einen Fehler vorwirft. Oh, ich bin gewiss Ihrer Meinung, dass es angemessener ist, so zu handeln, vorausgesetzt, dass das Schweigen keine Sünde ist oder die Interessen des Nächsten beeinträchtigt. So ahmen wir unseren Herrn nach. Wie viele Menschen haben ihn doch angeklagt, sein Leben verurteilt, seine Lehre missbilligt, ihn auf abscheuliche Weise verhöhnt! Doch er hat sich kein einziges Mal gerechtfertigt. Sie führten ihn vor Pilatus und Herodes, er aber sagte nichts zu seiner Verteidigung. Schließlich ließ er sich ans Kreuz nageln. Es gibt nichts Besseres, als seinem Bespiel zu folgen. Meine lieben Schwestern, ich möchte Ihnen bei dieser Gelegenheit eines sagen: Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand Nachteile erlitten habe, weil er sich nicht gerechtfertigt hat. Niemals. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Fall aufzuklären. Wenn man uns einen Fehler zuschreibt, den wir nicht begangen haben, so ist es nicht unsere Aufgabe, uns zu verteidigen. Meine Töchter, Gott möchte, dass wir das Urteil ihm überlassen. Er wird zu gegebener Zeit sehr wohl wissen, die Wahrheit kundzutun. Ja, wenn Sie nur wüssten, wie gut es ist, ihm alle Sorgen zu überlassen, dann hätten Sie keinen Grund, sich zu rechtfertigen. Gott sieht, was uns auferlegt wird; und er lässt es zu, um unsere Treue zu prüfen. Er weiß, wie Sie es annehmen; er kennt den Nutzen, den Sie daraus ziehen werden, oder den Schaden, den Sie damit anrichten. Wenn er also zulässt, dass man Sie angeklagt, dann wird er später auch die Wahrheit offenbaren. Dies ist ein wahrer und zuverlässiger Grundsatz, meine Töchter: Gott rechtfertigt die, welche nicht meinen, sich selbst rechtfertigen zu müssen.

September 11, 2019

Mittwoch, 11 September 2019 : Kommentar Hl. Paul VI.

Hier muss man freilich das Geheimnis der unergründlichen Freude, die in Christus lebt und ihm eigen ist, gebührend beachten […] Wenn Jesus einen solchen Frieden, eine derartige Sicherheit und Zuversicht, Freude und Verfügbarkeit ausstrahlt, dann ist das in der unaussprechlichen Liebe begründet, mit der er sich von seinem Vater geliebt weiß. Seit seiner Taufe an den Ufern des Jordan wird diese Liebe, die vom ersten Augenblick seiner Menschwerdung in ihm gegenwärtig ist, offenbar: „Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich mein Wohlgefallen“ (Lk 3,22). Diese Gewissheit ist dem Bewusstsein Jesu unauslöschlich eingeprägt. Es ist eine Gegenwart, aufgrund der er sich nie allein fühlt (Joh 16,32). Ein innerstes Wissen erfüllt ihn: „Der Vater kennt mich, und ich kenne den Vater“ (Joh 10,15). Es ist ein ständiger und vorbehaltloser Austausch: „Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein“ (Joh 17,10) […] „Du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt“ (Joh 17,24). Gemeint ist jene nicht mitteilbare Liebesbeziehung, die mit seiner Existenz als Sohn gegeben ist und das Geheimnis des trinitarischen Lebens bildet: der Vater erscheint darin als derjenige, der sich dem Sohn schenkt, ohne Vorbehalt und unaufhörlich, aus überströmender hochherziger Freude; der Sohn hingegen als der, welcher sich auf gleiche Weise dem Vater hinschenkt, in überströmend dankbarer Freude, im Heiligen Geist. Die Jünger und alle, die an Christus glauben sind aufgerufen, an dieser Freude teilzunehmen. Jesus will, dass sie seine Freude in Fülle in sich tragen (vgl. Joh 17,13): „Ich habe ihnen deinen Namen geoffenbart und werde ihn offenbaren, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen“ (Joh 17,26). Diese Freude, in der Liebe Gottes zu verweilen, beginnt schon hier auf Erden. Es ist die Freude des Reiches Gottes. Sie wird aber nur auf einem steilen Weg geschenkt, der vollkommenes, uneingeschränktes Vertrauen in den Vater und den Sohn und eine Vorliebe für das Reich Gottes erfordert. Die Botschaft Jesu verheißt vor allem Freude, eine anspruchsvolle Freude. Wird sie nicht in den Seligpreisungen offenbar? „Wohl euch, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Wohl euch, die ihr jetzt hungert; denn ihr werdet satt werden. Wohl euch, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen“ (Lk 6,20−21).

September 10, 2019