Donnerstag, 26 Dezember 2019 : Kommentar Hl. Theresia Benedicta a Cruce [Edith Stein]

Am nächsten beim neugeborenen Heiland sehen wir den Hl. Stephanus. Was hat dem ersten Blutzeugen des Gekreuzigten diesen Ehrenplatz verschafft? Er hat in jugendlicher Begeisterung vollbracht, was der Herr bei seinem Eintritt in die Welt sprach: „Einen Leib hast Du mir gegeben. Siehe, ich komme, Deinen Willen zu erfüllen“ (vgl. Hebr 10,5–7). Er hat den vollkommenen Gehorsam geübt, der in der Liebe seine Wurzel hat und in der Liebe sich äußert. Er ist dem Herrn nachgefolgt in dem, was dem Menschenherzen natürlicherweise vielleicht am schwersten fällt, ja unmöglich scheint: er hat das Gebot der Feindesliebe erfüllt wie der Heiland selbst. Das Kind in der Krippe, das gekommen ist, um den Willen seines Vaters zu vollbringen bis zum Tode am Kreuz, sieht im Geist vor sich alle, die ihm auf diesem Wege nachfolgen werden. Sein Herz schlägt dem Jüngling entgegen, den er einst als ersten am Thron des Vaters mit der Palme erwarten wird. Sein Händchen weist uns auf ihn hin als auf unser Vorbild, gleich als wollte es sagen: Sehet das Gold, das ich von euch erwarte.

December 25, 2019

Mittwoch, 25 Dezember 2019 : Kommentar Hl. Amadeus von Lausanne

Christus kam vom Vater, er kam vom Wort, er kam vom Heiligen Geist, da die ganze Dreieinigkeit seine Empfängnis und Fleischwerdung bewirkt hat. Denn aus der Höhe der Dreieinigkeit zu kommen, das bedeutete nichts anderes als durch das Handeln eben dieser Dreieinigkeit empfangen und Fleisch geworden zu sein. Deshalb heißt es: „Am einen Ende des Himmels geht er auf“ (vgl. Ps 19,7). Der einzige Sohn, […] vom Vater gezeugt in Ewigkeit, kam, gezeugt in der Zeit, aus seiner Mutter hervor. Beim Vater unsichtbar lebend, lebte er sichtbar unter den Menschen. Aus dem Vater hervorzugehen, bedeutete für ihn, in unsere Geschichte einzutreten, sichtbar zu erscheinen, und das zu werden, was er durch das Wesen des Vaters nicht war. Wie wunderbar! Er kam von dem, von dem er sich nicht entfernte [nämlich vom Vater], er trat aus dem heraus, in dem er blieb [nämlich aus sich selbst, aus dem Wort], sodass er auch in der Ewigkeit ebenso ganz blieb, wie er ganz in der Zeit war. Er war zur gleichen Zeit ganz im Vater wie auch ganz in der Jungfrau, ganz in seiner und seines Vaters Majestät, wie auch gleichzeitig ganz in unserer Menschheit. Wenn du fragst, wie das möglich ist, wird dir ein Vergleich helfen, die Wahrheit zu verstehen: Ein Wort, das zuerst im Herzen gezeugt wird, geht ganz in die Stimme über, so dass es unverfälscht zu den anderen gelangt und trotzdem ganz im Herzen verbleibt. Ebenso ging das Wort der Güte, das dem Herzen des Vaters entströmte, hinaus, ohne den Vater zu verlassen.

December 24, 2019

Dienstag, 24 Dezember 2019 : Kommentar Hl. Gregor von Nyssa

Brüder, aufmerksam gemacht durch das Wunder, wollen wir wie Mose die außergewöhnliche Erscheinung sehen (Ex 3,3): In Maria verbrennt der brennende Dornbusch nicht; die Jungfrau bringt das Licht zur Welt ohne Schaden zu erleiden […] Gehen wir also nach Bethlehem, dem Dorf der Frohen Botschaft. Wenn wir wahre Hirten sind, wenn wir wach bleiben während unserer Nachtwache, dann gilt uns die Stimme der Engel, die eine große Freude ankündigt […]: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden!“ (vgl. Lk 2,14). Wo es gestern nichts anderes gab als Fluch, Kriegsschauplätze und Verbannung, da empfängt die Erde auf einmal Frieden; denn heute „sprosst aus der Erde Treue hervor und Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder“ (vgl. Ps 85,12). Das ist die Frucht, die die Erde den Menschen gibt, als Lohn für den guten Willen, der unter den Menschen herrscht (vgl. Lk 2,14). Gott vereinigt sich mit dem Menschen, um den Menschen zur Höhe Gottes zu erheben. Auf diese Nachricht hin, Brüder, lasst uns nach Bethlehem gehen, um […] das Geheimnis der Krippe zu betrachten: ein kleines Kind, das in Windeln gewickelt in einem Futtertrog liegt. Die treue Mutter, Jungfrau auch nach ihrer Niederkunft, küsst ihren Sohn. Lasst uns mit den Hirten die Worte des Propheten wiederholen: „Wie wir’s gehört hatten, so erlebten wir’s jetzt in der Stadt des Herrn der Heere“ (Ps 48,9). Warum aber sucht der Herr Zuflucht in dieser Grotte zu Bethlehem? Warum schläft er in einem Futtertrog? Warum lässt er sich in die Volkszählung in Israel hineinziehen? Brüder, derjenige, der der Welt die Befreiung bringt, wird hineingeboren in unsere Todverfallenheit. Er wird in einer Grotte geboren, um sich den Menschen zu zeigen, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes. Er liegt in einem Futtertrog, weil er es ist, der das Gras für das Vieh wachsen lässt (vgl. Ps 104(103),14). Er ist das Brot des Lebens, das den Menschen mit geistiger Speise nährt, damit auch er im Geist lebt. […] Welches Fest wäre fröhlicher als das heutige? Christus, die Sonne der Gerechtigkeit (Mal 3,20) kommt, um unsere Nacht zu erhellen. Was gefallen war, steht wieder auf, was besiegt wurde, wird frei […], was tot war, wird wieder lebendig. […] So lasst uns heute alle mit einer Stimme auf dem ganzen Erdkreis singen: „Durch einen Menschen, Adam, war der Tod gekommen; durch einen Menschen kommt heute das Heil“ (vgl. Röm 5,17).

December 23, 2019

Montag, 23 Dezember 2019 : Kommentar Hl. Irenäus von Lyon

Ebenso sagt er [der Evangelist Lukas] auch, wenn er von Johannes spricht: „Er wird nämlich groß sein vor dem Herrn und viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott bekehren, und er selbst wird vor ihm einher gehen im Geist und in der Kraft des Elias, dem Herrn ein vollkommenes Volk zu bereiten“ (Lk 1,15ff.). Wem also hat er das Volk bereitet, und vor welchem Herrn ist er groß geworden? Doch nur vor dem, der von ihm gesagt hat, dass dieser Johannes doch ein beträchtliches mehr gewesen ist als ein Prophet, und dass keiner unter den vom Weibe Geborenen größer gewesen ist als Johannes der Täufer (Mt 11,9.11). Dieser bereitete das Volk vor auf die Ankunft des Herrn, indem er seinen Mitknechten Buße verkündete und predigte, damit sie von dem Herrn, wenn er erschien, Verzeihung erlangten und zu ihm sich bekehrten, von dem sie wegen ihrer Ursünden und Übertretungen sich entfernt hatten […] Gott ergoss über uns nach seiner großen Güte seine Barmherzigkeit, in der er uns anschaute als der Aufgang aus der Höhe und denen erschien, die in der Finsternis und im Schatten des Todes saßen, und unsere Füße lenkte auf den Weg des Friedens (Lk 1,78f.). Wie auch Zacharias aufhörte stumm zu sein, was er wegen seines Unglaubens geworden war, und mit dem neuen Geiste erfüllt, aufs neue Gott pries. Alles nämlich wurde erneut, als das Wort auf neue Weise seine Ankunft im Fleisch bewirkte, um den Menschen für Gott zu gewinnen, der von Gott fortgegangen war. Deshalb wurden die Menschen auch gelehrt, Gott auf neue Weise zu verehren […].

December 22, 2019

Sonntag, 22 Dezember 2019 : Kommentar Hl. Beda Venerabilis

„Seht“, so spricht der Prophet Jesaja, „die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben“ (Jes 7,14). Der Name des Retters „Gott mit uns“, den der Prophet genannt hat, weist hin auf die beiden Naturen seiner einzigen Person. In der Tat: Er, der Gott ist, aus dem Vater geboren vor aller Zeit, ist selbst jener Immanuel am Ende der Zeiten, das heißt „Gott mit uns“. Er wurde es im Schoß seiner Mutter, weil er die Hinfälligkeit unserer Natur in die Einheit seiner Person hat aufnehmen wollen, als „das Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat“ (vgl. Joh 1,14). Das heißt, dass er auf wundersame Weise begonnen hat zu sein, was wir sind, ohne aufzuhören, das zu sein, was er war, indem er unsere Natur annahm, ohne aufzugeben, was er aus sich selbst war […] „Maria gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen […] und gab ihm den Namen Jesus“ (vgl. Lk 2,7.21). Der Name Jesus ist also jener des von der Jungfrau geborenen Sohnes und bedeutet gemäß der Erklärung des Engels, dass er sein Volk von seinen Sünden erlösen wird. […] Er ist offensichtlich auch derjenige, der uns von der Verderbnis der Seele und des Leibes, den Folgen der Sünde, erlösen wird. Was den Namen Christus betrifft, so ist dies die Bezeichnung einer priesterlichen und königlichen Würde. Denn nach dem alten Gesetz wurden Priester und Könige aufgrund der Salbung mit Chrisam „Christoi“ genannt. Diese Salbung mit heiligem Öl war ein Vorausbild dessen, der als wahrer König und Priester in die Welt kam und „mit dem Öl der Freude gesalbt wurde wie keiner seiner Gefährten“ (vgl. Ps 45,8). Aufgrund dieser Salbung (Chrismation) werden sowohl Christus selbst als auch jene, die an derselben Salbung, d.h. an der spirituellen Gnade teilhaben, „Christen“ genannt. Weil Christus Erlöser ist, kann er uns von unseren Sünden erlösen; weil er Priester ist, kann er uns mit Gott, dem Vater, versöhnen; weil er König ist, möge er uns das ewige Reich seines Vaters schenken.

December 21, 2019

Samstag, 21 Dezember 2019 : Kommentar Byzantinische Liturgie

Da Maria Gott empfangen, eilte sie zu Elisabeth. Deren Ungeborenes erkannte sogleich ihren liebenden Gruß und freute sich ihrer Freude, als sänge es der Mutter Gottes: Sei gegrüßt, Reis des nie verdorrenden Stammes; sei gegrüßt, reich bist du an lauterer Frucht. Sei gegrüßt, du ernährst den, der uns Nahrung gewährt; sei gegrüßt, du geleitest zum Leben den, der unser Leben leitet. Sei gegrüßt, solchen Reichtum des Erbarmens ziehst du auf deiner Flur; sei gegrüßt, wie von einem Altar hebst du den Segen der Versöhnung. Sei gegrüßt, dass du dem Leibe Stärkung in Fülle gewährst; sei gegrüßt, dass du den Seelen die bergende Hülle bereitest. Sei gegrüßt, des Lobgesanges Weihe; sei gegrüßt, du Aussöhnung für das unendliche All. Sei gegrüßt, du bist Gottes Wohlgefallen bei den Sterblichen; sei gegrüßt, der Sterblichen Fürbitte bei Gott bist du. Sei gegrüßt, du jungfräuliche Mutter! Ein innerer Ansturm zweideutiger Gedanken verwirrte den besonnenen Josef. Er, der dich als die Unvermählte kannte, tadelte dich im Argwohn hinterlistiger Verbindung, du ohne Fehl. Als er aber deiner Erwählung vom Heiligen Geiste gewahr wurde, sprach er: Halleluja, Halleluja, Halleluja! Aus den Jubelchören der Engel vernahmen die Hirten die fleischgewordene Gegenwart Christi. Wie zu einem Hirten liefen sie zu ihm und sahen das Lamm Gottes unschuldig in Mariens Schoße weiden. Da jubelten auch sie: Sei gegrüßt, des Lammes Mutter und des Hirten; sei gegrüßt, Hürde der geistigen Schafe Sei gegrüßt, du beschützest vor den unerkannten Gegnern; sei gegrüßt, du erschließest das Heiligtum des Paradieses. Sei gegrüßt, die Himmel jauchzen mit der Erde; sei gegrüßt, in Christus frohlocken alle Geschöpfe. Sei gegrüßt, durch dich sind die Apostel mündig geworden; sei gegrüßt, an dir haben die Märtyrer Gleichmut gewonnen. Sei gegrüßt, du starker Halt des Glaubens; sei gegrüßt, du lichte Offenbarung der Gnade. Sei gegrüßt, durch dich wird die Unterwelt entmachtet; sei gegrüßt, von dir sind wir im Glauben ermächtigt. Sei gegrüßt, du jungfräuliche Mutter! […] Solch ungewöhnlicher Geburt nachsinnend werden wir dem Gewöhnlichen mehr und mehr entwöhnt und wenden unser Sinnen zum Himmel. Denn der Gewaltige hat die Schwäche des Menschseins auf sich genommen, damit er aus der Tiefe führe, die als Herrn ihn glauben: Halleluja, Halleluja, Halleluja!

December 20, 2019

Freitag, 20 Dezember 2019 : Kommentar Hl. Amadeus von Lausanne

Sag uns, seliger David, wie die Herabkunft des Wortes vor sich ging. „Er strömte wie Regen herab auf die Felder, wie Regenschauer, die die Erde benetzen“ (vgl. Ps 72,6 LXX). […] Wie gelangt der Regen auf das Feld und wie fallen die Tropfen auf die Erde? […] Der Regen fällt geräuschlos auf das Feld, ohne Aufprall, ungeteilt und ungetrennt. Er sickert sanft ein, wird in Ruhe aufgenommen, wird mit Wonne aufgesogen. So dringen die Tröpfchen langsam und allmählich in die Erde ein, auf eine so erstaunliche und so subtile Weise, dass man es kaum sieht, und sie nur durch ihre Wirkung hervortreten, indem sie die Pflanzen wachsen lassen. Ebenso stieg der Tau von jenseits der überirdischen Wasser in den Schoß der Jungfrau, ohne menschliches Zutun, ohne Begehrlichkeit, unter Achtung ihrer Makellosigkeit und indem er das Siegel ihrer Jungfräulichkeit unversehrt ließ. Er sickerte sanft ein, wurde in Ruhe aufgenommen und nahm Fleisch an auf unsagbare Weise. Auch tropfte er allmählich auf die Erde, nicht wahrnehmbar bei seiner Ankunft, doch bei seiner Geburt in Erscheinung tretend. […] Wir haben gerade die Herabkunft des Wortes Gottes beschrieben. Was den Ort der Herabkunft betrifft, so trat ebenso zutage, dass es der Schoß der Jungfrau war, in den er herabstieg: ein Schoß, der, durch göttliche Salbung geweiht, unberührt und unbefleckt verblieb.

December 19, 2019

Donnerstag, 19 Dezember 2019 : Kommentar Origenes

In uns sind Stimme und Wort nicht dasselbe, denn die Stimme kann sich vernehmen lassen, ohne dass sie Sinn vermittelt, wortlos; ebenso kann das Wort auf dem Weg unseres Denkens ohne Stimme dem Geist übermittelt werden. Und da der Herr das Wort ist […], unterscheidet sich Johannes von ihm als die Stimme, und Christus ist das Wort. Das gibt Johannes selbst denen zur Antwort, die ihn fragen, wer er ist: „Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn!“ (Joh 1,23). Vielleicht hat Zacharias [ausgerechnet] seine Stimme verloren, weil er an die Geburt dieser Stimme, die das Wort Gottes verkünden sollte, nicht geglaubt hat, und vielleicht findet er sie deshalb erst wieder, als die Stimme geboren wurde, die dem Herrn voranging (Lk 1,64). Denn man muss auf die Stimme hören, damit der Geist das Wort erfassen kann, das die Stimme bezeichnet. Deshalb ist auch Johannes durch das Datum seiner Geburt ein wenig älter als Christus; denn wir vernehmen die Stimme ja tatsächlich schon bevor wir das Wort wahrnehmen. Johannes weist so auf Christus hin, denn durch die Stimme offenbart sich eben das Wort. Auch wird Christus von Johannes getauft, der bekennt, dass er selbst von ihm getauft werden müsste (Mt 3,14) […] Kurz gesagt, wenn Johannes auf Christus hinweist, so weist ein Mensch hin auf Gott, den ungeschaffenen [incorporel] Retter; eine menschliche Stimme also weist auf das göttliche Wort hin […].

December 18, 2019

Mittwoch, 18 Dezember 2019 : Kommentar Hl. Petrus Chrysologus

„Maria, seine Mutter, war […] verlobt“. Es hätte auch genügt zu sagen: Maria war verlobt. Was soll das bedeuten: eine verlobte Mutter? Wenn Sie Mutter ist, ist sie nicht verlobt; wenn sie verlobt ist, ist sie noch nicht Mutter. „Maria, seine Mutter, war verlobt“: verlobt wegen ihrer Jungfräulichkeit, Mutter wegen ihrer Fruchtbarkeit. Sie war ein Mutter, die keinen Mann erkannte und dennoch die Mutterschaft kannte. Wie sollte sie nicht Mutter sein bevor sie empfangen hat – sie, die nach der Geburt Mutter und Jungfrau ist? Wann war sie nicht Mutter, sie, die den Begründer der Zeiten hervorbrachte, der allen Dingen den Anfang gab? […] Warum hat sich das Geheimnis der himmlischen Unschuld eine Verlobte ausersehen und nicht eine Jungfrau, die noch frei war? Warum sollte die Eifersucht eines Verlobten die Verlobte in Gefahr bringen? Warum erscheint so viel Tugend als Sünde und das ewige Heil als Gefahr? […] Was für ein Geheimnis umarmen wir da, meine Brüder? Es gibt keinen Federstrich, kein Buchstabe, keine Silbe, kein Wort, kein Name, kein Zeichen im Evangelium, das keine göttliche Bedeutung hätte. Eine Braut wird auserwählt, damit die Kirche, die Braut Christi, bereits dargestellt wird, gemäß dem Wort des Propheten Hosea: „Ich traue dich mir an um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen, ich traue dich mir an um den Brautpreis meiner Treue“ (2,21–22). Deshalb sagt Johannes: „Wer die Braut hat, ist der Bräutigam“ (Joh 3,29). Und der hl. Paulus: „Ich habe euch einem einzigen Mann verlobt, um euch als reine Jungfrau zu Christus zu führen (2 Kor 11,2). O Kirche, du wahre Braut, die durch die jungfräuliche Geburt [der Taufe] eine neue Kindheit Christi hervorbringt!

December 17, 2019

Dienstag, 17 Dezember 2019 : Kommentar Hl. Leo der Große

Die Fleischwerdung des Logos, des Wortes Gottes, betrifft sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft. Kein Zeitalter, wie fern es auch sein mag, musste das Sakrament der Erlösung der Menschheit entbehren. Was die Apostel predigten ist das, was die Propheten angekündigt hatten, und man kann nicht sagen, dass das, was zu allen Zeiten geglaubt wurde, reichlich verspätet eingetroffen wäre. Indem Gott das Werk der Erlösung aufschob, hat er uns in seiner Weisheit und Güte dank dieser alten und häufigen Ankündigungen fähiger gemacht, auf seinen Ruf zu antworten […]. Es ist also nicht wahr, dass Gott sich der menschlichen Geschicke angenommen hätte, indem er seinen Ratschluss geändert und von spätem Erbarmen bewegt worden sei: Seit Erschaffung der Welt hat er für alle ein und denselben Heilsweg beschlossen. In Wirklichkeit nahm die Gnade Gottes mehr und mehr zu, durch die seit jeher alle seine Heiligen gerechtfertigt wurden, und begann nicht erst mit der Geburt Christi. Dieses Geheimnis einer großen Liebe, von der jetzt die ganze Welt erfüllt ist, war bereits in seinen Vorzeichen so mächtig. Diejenigen, die daran glaubten, als sie verheißen wurde, hatten nicht weniger Nutzen davon als diejenigen, die sie erhielten, als sie geschenkt wurde. Meine Lieben, mit offenkundiger Güte wurde der Reichtum der Gnade Gottes über uns ausgegossen. Zu ewigem Leben berufen, werden wir nicht nur durch Vorbilder aus der Vergangenheit auferbaut, sondern haben die Wahrheit selbst gesehen, wie sie in sichtbarer und körperlicher Form erschien. Wir müssen also den Geburtstag des Herrn mit inniger Freude, die nicht von dieser Welt ist, feiern […]. Erkennt dank des Lichtes des Heiligen Geistes den, der uns in sich aufgenommen hat und den wir in uns aufgenommen haben: Denn so wie der Herr Jesus in seiner Geburt unser Fleisch geworden ist, so sind auch wir bei unserer Wiedergeburt sein Leib geworden. […] Gott hat uns das Beispiel seines Wohlwollens und seiner Demut gegeben […]: Gleichen wir uns also dem Herrn in seiner Demut an, wenn wir ihm in seiner Herrlichkeit ähnlich sein wollen. Er selber wird uns helfen und uns zur Erfüllung dessen führen, was er verheißen hat.

December 16, 2019