Dienstag, 31 März 2020 : Kommentar Hl. Bernhard

Du schuldest Christus Jesus dein ganzes Leben, weil er ja sein Leben für dein Leben hingegeben und bittere Qualen ertragen hat, damit du nicht ewige Qualen ertragen musst. Was könnte hart und schrecklich für dich sein, wenn du dir in Erinnerung rufst: Er, der im Zustand der Göttlichkeit war am Tag seiner Ewigkeit, noch ehe der Morgenstern entstand, im Glanz der Heiligen; er, der Abglanz und das Abbild des Wesens Gottes, ist in deinen Kerker gekommen, um sich, wie es heißt, bis zum Hals in die Tiefe deines Schlammes zu versenken (vgl. Vulg.: Phil 2,6; Ps 109(110),3; Hebr 1,3; Ps 68(69),3). Was wird dir nicht süß erscheinen, wenn du in deinem Herzen all die Bitterkeiten deines Herrn vereinst und in Erinnerung rufst: zunächst die Einschränkungen seiner Kindheit, dann die Strapazen seiner Predigten, die Versuchungen während seines Fastens, sein nächtliches Wachen im Gebet, seine Tränen des Mitleids, die Fallstricke, die man ihm legte […] und dann die Beschimpfungen, das Anspeien, die Backenstreiche, die Geißelhiebe, der Hohn und Spott, die Nägel und alles, was er um unseres Heils willen ertragen hat? Welch unverdientes Mitleiden, welch frei geschenkte Liebe, die er uns so bewiesen hat, welch unerwartete Wertschätzung, welch verblüffende Sanftmut, welch unübertreffliche Güte! Der König der Herrlichkeit (Ps 24(23)), wird gekreuzigt für einen so erbärmlichen Knecht! Wer hat je so etwas gehört, wer hat je so etwas gesehen? „Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben“ (Röm 5,7). Er aber, für Feinde und Ungerechte ist er gestorben; er hat sich entschieden, den Himmel zu verlassen, um uns in den Himmel zurückzubringen: er, der sanfte Freund, der weise Ratgeber, der starke Helfer. „Wie kann ich dem Herrn all das vergelten, was er mir Gutes getan hat?“ (Ps 116(115),12).

March 30, 2020

Montag, 30 März 2020 : Kommentar Isaak von Stella

Jesus der Herr, der Retter aller, „ist allen alles geworden“ (vgl. 1 Kor 9,22), indem er sich kleiner als die Kleinen erwies und größer als die Großen. Um eine beim Ehebruch ertappte und von Dämonen angeklagte Seele zu retten, bückte er sich, um mit dem Finger auf die Erde zu schreiben […]. Er selbst ist diese heilige und erhabene Leiter, die Jakob auf seiner Reise im Traum sah (Gen 28,12), die Leiter, die von der Erde bis zu Gott reicht und von Gott hinab bis auf die Erde. Wenn er [Jesus] will, steigt er bis zu Gott hinauf, manchmal mit ein paar Begleitern, manchmal ohne dass ein Mensch ihm folgen kann. Und wenn er will, begibt er sich wieder unter die Menschenmenge, heilt Aussätzige, isst mit Zöllnern und Sündern, berührt die Kranken, um sie zu heilen. Selig die Seele, die dem Herrn folgen kann, wohin er auch geht: emporsteigend in der Ruhe der Beschauung und andererseits herabsteigend, um Nächstenliebe zu üben; ihm folgend, indem sie bereit ist, sich im Dienst zu bücken, die Armut zu lieben, Müdigkeit auf sich zu nehmen, Arbeit, Tränen, Gebet und schließlich Mitleid und Leiden. Denn er ist gekommen, um gehorsam zu sein bis zum Tod; um zu dienen, nicht um bedient zu werden, und um zu geben: nicht Gold oder Geld, sondern Belehrung und Hilfe den Vielen, sein Leben für die Vielen (vgl. Mk 10,45). […] Wenn dies doch auch das Lebensmodell für euch, Brüder, sein könnte: […] Christus folgen im Aufstieg zum Vater […] Christus folgen im Abstieg zum Bruder und keinen Akt der Nächstenliebe verweigern, allen alles werden.

March 29, 2020

Sonntag, 29 März 2020 : Kommentar Hl. Gregor von Nazianz

„Lazarus, komm heraus!“ – Im Grabe ruhend, hörtest du diesen schallenden Ruf. Gibt es eine stärkere Stimme, als die des [fleischgewordenen göttlichen] Wortes? Also bist du herausgekommen, du, der du tot warst, und zwar nicht erst seit vier Tagen, sondern seit so langer Zeit. Du bist auferstanden mit Christus […]; deine Binden sind gefallen. Falle nicht wieder zurück in den Tod. Schließe dich nicht wieder denen an, die in den Gräbern hausen. Lasse dich nicht ersticken durch die Binden deiner Sünden. Weißt du denn, ob du noch einmal wirst auferstehen können? Ob du aus dem Tod wirst kommen können, bei der Auferstehung aller am Ende der Zeiten? […] Der Ruf des Herrn soll dir also in den Ohren klingen! Verschließe sie heute nicht vor der Lehre und dem Rat des Herrn. Wenn du in deinem Grab blind warst und ohne Licht, so öffne die Augen, um nicht in den Schlaf des Todes zu versinken. Im Licht des Herrn schaue das Licht; im Geist Gottes richte die Augen auf den Sohn. Wenn du das ganze Wort aufnimmst, dann richtest du die ganze Kraft Christi, der heilt und auferweckt, auf deine Seele. […] Fürchte dich nicht vor der Mühe, die du auf dich nehmen musst, um die Reinheit deiner Taufe zu bewahren, und bahne in deinem Herzen die Wege, die zum Herrn aufsteigen. Bewahre sorgfältig den Freibrief, den du aus reiner Gnade erhalten hast […] Lasst uns Licht sein, wie es die Jünger lernten von dem, der das große Licht ist: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14). Lasst uns Leuchten in der Welt sein, indem wir das Wort des Lebens hochhalten, indem wir Lebenskraft für andere sind. Machen wir uns auf die Suche nach Gott, auf die Suche nach dem, der das erste und reinste Licht ist.

March 28, 2020

Samstag, 28 März 2020 : Kommentar II. Vatikanisches Konzil

Diesen neuen Bund hat Christus gestiftet, das Neue Testament nämlich in seinem Blute (vgl. 1 Kor 11,25). So hat er sich aus Juden und Heiden ein Volk berufen, das nicht dem Fleische nach, sondern im Geiste zur Einheit zusammenwachsen und das neue Gottesvolk bilden sollte. Die an Christus glauben, werden […] schließlich gemacht zu „einem auserwählten Geschlecht, einem königlichen Priestertum …, einem heiligen Stamm, einem Volk der Erwerbung … Die einst ein Nicht-Volk waren, sind jetzt Gottes Volk“ (1 Petr 2,9–10). […] So ist denn dieses messianische Volk, obwohl es tatsächlich nicht alle Menschen umfasst und gar oft als kleine Herde erscheint, für das ganze Menschengeschlecht die unzerstörbare Keimzelle der Einheit, der Hoffnung und des Heils. Von Christus als Gemeinschaft des Lebens, der Liebe und der Wahrheit gestiftet, wird es von ihm auch als Werkzeug der Erlösung angenommen und als Licht der Welt und Salz der Erde (vgl. Mt 5,13–16) in alle Welt gesandt. […] Gott hat die Versammlung derer, die zu Christus als dem Urheber des Heils und dem Ursprung der Einheit und des Friedens glaubend aufschauen, als seine Kirche zusammengerufen und gestiftet, damit sie allen und jedem das sichtbare Sakrament dieser heilbringenden Einheit sei. Bestimmt zur Verbreitung über alle Länder, tritt sie in die menschliche Geschichte ein und übersteigt doch zugleich Zeiten und Grenzen der Völker. Auf ihrem Weg durch Prüfungen und Trübsal wird die Kirche durch die Kraft der ihr vom Herrn verheißenen Gnade Gottes gestärkt, damit sie in der Schwachheit des Fleisches nicht abfalle von der vollkommenen Treue, sondern die würdige Braut ihres Herrn verbleibe und unter der Wirksamkeit des Heiligen Geistes nicht aufhöre, sich selbst zu erneuern, bis sie durch das Kreuz zum Lichte gelangt, das keinen Untergang kennt.

March 27, 2020

Freitag, 27 März 2020 : Kommentar Hl. Johannes vom Kreuz

Wo hast du, Liebster dich verborgen? Warum mich seufzend hier zurückgelassen? Dem Hirsche gleich bist du entflohen, Nachdem du Wunden mir geschlagen; Ich lief dir rufend nach, doch warst du schon entschwunden. […] „Wo hast du dich verborgen?“ Damit will sie sagen: Wort, mein Bräutigam, zeig mir den Ort, wo du dich verborgen hast. Mit diesen Worten bittet sie ihn um die Offenbarung seines göttlichen Wesens. Denn der Ort, wo der Sohn Gottes sich verborgen hält, ist nach den Worten des hl. Johannes (Joh 1,18) der Schoß des Vaters, nämlich die göttliche Wesenheit, die für jedes sterbliche Auge unzugänglich und jedem menschlichen Verstand verborgen ist. Darauf wollte auch Jesaja hinweisen, wenn er zu Gott sprach: […] „Wahrhaftig, du bist ein verborgener Gott“ (Jes 45,15). Daraus ist zu entnehmen, dass die außergewöhnlichen Mitteilungen und Offenbarungen sowie die tiefen und erhabenen Erkenntnisse Gottes, die einer Seele in diesem Leben zuteil werden können, Gottes Wesenheit nicht kundgeben noch auch eine Ähnlichkeit damit haben. Denn in Wahrheit bleibt er der Seele immer verborgen und sie muss ihn trotz dieser erhabenen Gnadenerweise als verborgen ansehen, in seiner Verborgenheit ihn suchen und ausrufen: „Wo hast du dich verborgen.“ Und in der Tat, wie die erhabenen Mitteilungen und die fühlbare Gegenwart kein Zeichen seiner gnadenvollen Anwesenheit in der Seele sind, so beweisen auch die Trockenheiten und der Mangel all dieser Gunstbezeugungen in keiner Weise seine Abwesenheit nach den Worten des Propheten Ijob: […] „Wenn er zu mir kommt, sehe ich ihn nicht, und geht er weg, merke ich es nicht“ (vgl. Ijob 9,11). Damit will er zu verstehen geben, dass die Seele, wenn sie einer außergewöhnlichen Mitteilung gewürdigt wird, sei es auf dem Wege einer sinnlichen Wahrnehmung oder einer geistigen Erkenntnis, nicht im Glauben leben soll, es bestehe hierin der Besitz oder die klare und wesenhafte Anschauung Gottes. Mag die Wirkung dieser Gunstbezeugungen auch noch so tiefgehend sein, so soll sie dies doch nicht als ein Zeichen ansehen, als sei sie inniger mit Gott vereint oder fester in ihm begründet. Ebensowenig darf sie annehmen, dass Gott, wenn sie dieser sinnenfälligen und geistigen Mitteilungen entbehrt und in Trockenheit, Finsternis und Verwirrung sich befindet, ihr ferner stehe als sonst. […] Was daher die Seele in diesem Verse vor allem im Auge hat, ist nicht bloß die Bitte um inbrünstige und fühlbare Andacht, da ja hierin ein deutlich gesicherter Besitz des Bräutigams in diesem Leben nicht besteht, es ist vielmehr das Verlangen nach der reinen Gegenwart und klaren Anschauung seiner Wesenheit, die sie im anderen Leben in ungestörter Sicherheit und voller Befriedigung zu besitzen hofft.

March 26, 2020

Donnerstag, 26 März 2020 : Kommentar Jakobus von Saroug

„Die Haut seines Gesichtes [des Mose] strahlte, weil er mit Gott geredet hatte. Aaron und alle Israeliten sahen es […] und fürchteten sich, in seine Nähe zu kommen […] Als Mose aufhörte, mit ihnen zu reden, legte er über sein Gesicht einen Schleier“ (vgl. Ex 34,29–33). Der Glanz auf dem Gesicht des Mose, das war Christus, der in ihm strahlte; er war jedoch den Augen der Hebräer verborgen; sie haben ihn nicht gesehen […] Das ganze Alte Testament bietet sich uns verhüllt dar, wie Mose, das Symbol aller Prophezeiungen. Hinter diesem Schleier, der über den Büchern der Propheten liegt, erscheint Christus, der erhabene Richter, der auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzt […] Wenn Moses verhüllt war, welcher andere Prophet hätte sein Gesicht enthüllen können? Ihm folgend verhüllten also alle ihre Reden. Gleichzeitig verkündeten und verhüllten sie; sie überbrachten ihre Botschaft und verhüllten sie gleichzeitig mit einem Schleier […] Jesus strahlte in ihren Büchern auf, aber ein Schleier entzog ihn ihren Blicken, ein Schleier, der dem gesamten Universum verkündet, dass die Worte der Heiligen Schriften einen verborgenen Sinn haben […] Unser Herr entfernte diesen Schleier, als er dem ganzen Universum die Geheimnisse erklärte. Durch sein Kommen hat der Sohn Gottes das Gesicht des bis dahin verschleierten Mose, die unverständlichen Worte, enthüllt. Der Neue Bund ist gekommen, um den Alten Bund zu erläutern; die Welt kann endlich diese Worte begreifen, die durch nichts mehr zugedeckt werden. Der Herr, unsere Sonne, ist über der Welt aufgegangen und hat alle Geschöpfe erleuchtet; das Geheimnis, die Rätsel sind endlich aufgedeckt: Der Schleier, der über den Büchern lag, wurde aufgehoben, und die Welt schaut das unverhüllte Antlitz des Sohnes Gottes.

March 25, 2020

Mittwoch, 25 März 2020 : Kommentar Hl. Amadeus von Lausanne

Das Wort kam aus sich, und es stieg unter sich selbst herab, als es Fleisch wurde und unter uns gewohnt hat (vgl. Joh 1,14), als es sich entäußerte und wie ein Sklave wurde (Phil 2,7). Seine Entäußerung war ein Abstieg. Es stieg jedoch herab, ohne seiner selbst beraubt zu werden, und wurde Fleisch, ohne aufzuhören, Wort zu sein, ohne die Herrlichkeit seiner Majestät durch die Annahme der Menschennatur zu trüben. […] So wie der Sonnenstrahl das Glas durchdringt, ohne es zu zerbrechen, und wie der sichtbare Strahl in eine reine und ruhige Flüssigkeit eintaucht – alles bis auf den Grund durchleuchtend –, ohne sie zu trennen oder zu teilen, ebenso kam das Wort Gottes in das jungfräuliche Gemach und verließ es wieder; der Schoß der Jungfrau blieb verschlossen. […] Der unsichtbare Gott wurde also ein sichtbarer Mensch. Leidensunfähig und unsterblich wurde er leidend und sterblich. Er, den die Beschränkungen unserer Natur nicht einschränken können, er wollte dort eingeschlossen sein. In den Schoß einer Mutter schließt der sich ein, dessen unermessliche Größe Himmel und Erde umfasst. Und den die Himmel der Himmel nicht fassen können, ihn umschließt der Leib Mariens. Wenn du wissen möchtest, auf welche Weise das geschah, so höre, wie der Erzengel [Gabriel] Maria den Vorgang des Geheimnisses mit folgenden Worten erklärt: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten“ (Lk 1,35). […] Denn mehr als alle und vor allen hat er dich erwählt, damit du durch die Fülle der Gnade alle übertriffst, die vor dir oder nach dir gewesen sind oder sein werden.

March 24, 2020

Dienstag, 24 März 2020 : Kommentar Oden des Salomo

Füllet euch Wasser aus der lebendigen Quelle des Herrn, denn sie ist für euch geöffnet, und kommt alle ihr Durstigen, und nehmet den Trank und erquicket euch an der Quelle des Herrn, weil sie schön und rein ist und die Seele erquicket; denn ihr Wasser ist angenehmer als Honig, und die Honigwabe der Bienen ist nicht damit zu vergleichen. Denn von den Lippen des Herrn ist es geflossen, und aus dem Herzen des Herrn stammt sein Name. Und es kam endlos und unsichtbar, und nicht kannte man es, bevor es in die Mitte gestellt war. Selig sind alle, die davon getrunken haben und dadurch erquickt worden sind. Hallelujah. (Biblische Referenzen: Jes 55,1; Joh 7,37; Joh 22,17; Mt 11,28)

March 23, 2020

Montag, 23 März 2020 : Kommentar Nachfolge Christi

„Wer die Majestät ergründen will, wird von ihrem Glanz erdrückt“ (Sprüche 25,27). Gott kann mehr tun, als ein Mensch einsieht. […] Glaube und lauteres Leben sind vonnöten, nicht hoher Verstand und tiefe Kenntnis der Geheimnisse Gottes. Wo du nicht erkennst und fasst, was unter dir lebt, wie kannst du die Welt über dir begreifen? Beuge dich unter Gott, opfere deine Sinne dem Glauben, und das Licht der Erkenntnis fällt dir zu, wie es dir nützlich und nötig ist. Mancher erleidet schwere Anfechtungen im Glauben an das Sakrament. Die Schuld dafür trägt weniger er als der Feind. Streite dich nicht ab mit deinem Verstande, antworte nicht auf die Zweifel des Teufels, glaube vielmehr Gottes Wort, seinen Heiligen und Propheten, und der Feind hat verloren. Es nützt dem Diener Gottes sehr, solches oft zu erdulden. Denn Ungläubige und Sünder versucht er nicht, er ist ihrer sicher, gläubige Fromme aber plagt er mit vielerlei Anfechtung. Verharre also einfältig im Glauben, ohne zu zweifeln, und tritt mit Ehrfurcht und Ergebung hin zum heiligen Sakrament! Was du nicht einsehen kannst, überlasse getrost dem allmächtigen Gott. Gott täuscht nicht. Wer sich zu viel zutraut, fällt. Gott hält es mit dem Einfältigen, er offenbart sich dem Demütigen, er gibt dem Kinde Einsicht und erschließt dem reinen Gemüt den Sinn, Neugierigen und Stolzen aber entzieht er seine Gnade. Der Geist des Menschen ist schwach und kann sich irren. Der wahre Glaube aber geht nie fehl. Alle Vernunft und natürliche Wissbegier hinkt hinter dem Glauben her. Sie kann ihm nicht vorangehen noch in ihn einbrechen.

March 22, 2020

Sonntag, 22 März 2020 : Kommentar Hl. Irenäus von Lyon

Dem aber, der von Geburt an blind war, gab er nicht durch ein Wort, sondern durch eine Handlung das Gesicht wieder, was keineswegs unbedeutend oder zufällig war, sondern auf die Hand Gottes hinweisen sollte, die im Anfang den Menschen geschaffen hat. Als daher die Schüler ihn fragten, wegen welcher Ursache jener blind geboren sei, ob aus eigener Schuld oder aus Schuld der Eltern, da sagte er: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden“ (Joh 9,3). Das Werk Gottes aber ist die Erschaffung des Menschen. Diese nämlich geschah durch eine Handlung, wie die Schrift sagt: „Und es nahm Gott Schlamm von der Erde und bildete den Menschen“ (vgl. Gen 2,7). Deshalb spie auch der Herr auf die Erde und machte einen Kot: und strich ihn über die Augen, indem er auf die Weise hinwies, wie der Mensch ursprünglich gebildet wurde, und die Hand Gottes, durch die aus dem Schlamme der Mensch gemacht war, für die offenbarte, die es verstehen konnten. […] Und da der Mensch in jenem Leib Adams in Ungehorsam verfiel und des „Bades der Wiedergeburt“ (vgl. Tit 3,5) bedurfte, so sprach er zu ihm, nachdem er den Kot über seine Augen gestrichen hatte: „Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!“ (Joh 9,7). Und zugleich mit der Wiederherstellung seines Körpers gab er ihm das Bad der Wiedergeburt. Deshalb kam er auch nach dem Bade sehend zurück, damit der Mensch seinen Schöpfer erkennen und den begreifen sollte, der ihm das Leben geschenkt hatte. […] Vielmehr hat der, welcher im Anfang den Adam bildete, und zu dem der Vater sprach: „Lasset uns den Menschen machen nach unserm Bild und Gleichnis“ (vgl. Gen 1,26), auch in den letzten Zeiten sich selbst geoffenbart, indem er dem, welcher seit Adam her blind war, das Augenlicht gab.

March 21, 2020