Dienstag, 23 Juni 2020 : Kommentar Hl. Clemens von Rom

Das ist der Weg, Geliebte, auf dem wir unser Heil finden, Jesus Christus, den Hohenpriester unserer Opfergaben, den Anwalt und Helfer in unserer Schwäche. Durch ihn streben wir standhaft nach den Höhen des Himmels, durch ihn schauen wir sein heiliges und erhabenes Antlitz, durch ihn wurden die Augen unseres Herzens geöffnet, durch ihn ringt sich unser unweiser und dunkler Verstand durch zum Licht, durch ihn wollte der Herr uns kosten lassen von dem unsterblichen Wissen, der, „da er der Abglanz ist seiner Majestät, um so viel größer ist als die Engel, wie der Name, den er geerbt hat, ihren Namen überragt“ (vgl. Hebr 1,3–4). […] Nehmen wir unseren Körper; der Kopf ist nichts ohne die Füße, ebenso die Füße nichts ohne den Kopf; und die kleinsten Glieder unseres Leibes sind notwendig und nützlich für den ganzen Körper; aber alle halten zusammen, und es bedarf eines einmütigen Gehorsams zum Wohl des ganzen Körpers. So soll denn unser ganzer Körper gerettet werden in Christus Jesus, und jeder soll seinem Nächsten sich fügen, wie es in seiner Gnadengabe begründet ist. Der Starke sorge für den Schwachen, und der Schwache kümmere sich um den Starken; der Reiche unterstütze den Armen, der Arme aber danke Gott dafür, dass er jenem gegeben, wodurch seinem Mangel abgeholfen werde; der Weise zeige seine Weisheit nicht in Worten, sondern in guten Werken; der Demütige stelle sich selbst kein Zeugnis aus, sondern lasse einen anderen über sich Zeugnis geben; wer keusch ist im Fleisch, rühme sich nicht in der Erkenntnis, dass ein anderer es ist, der ihm die (Gnade der) Enthaltsamkeit verleiht. Betrachten wir nun, Brüder, aus welchem Stoff wir geschaffen wurden, welcher Art und was wir waren beim Eintritt in diese Welt, aus welch dunkler Gruft unser Bildner und Schöpfer uns in seine Welt geführt, da er seine Wohltaten bereithielt, schon bevor wir geboren waren. Da wir nun dies alles von ihm bekommen haben, schulden wir ihm in allem Dank.

June 22, 2020

Montag, 22 Juni 2020 : Kommentar Hl. Mutter Teresa von Kalkutta

Für jede Krankheit gibt es Medikamente und Behandlungen. Aber solange sich keine sanfte, dienstbereite Hand und kein großzügiges, zu spontaner Liebe bereites Herz findet, glaube ich nicht, dass eine so schreckliche Krankheit, wie es der Mangel an Liebe ist, jemals geheilt werden kann. Keiner von uns hat das Recht, jemanden – wer auch immer es sein mag – zu verurteilen. Selbst dann nicht, wenn wir Menschen absinken sehen, ohne verstehen zu können, warum. Lädt Jesus uns nicht dazu ein, keinen zu verurteilen? Vielleicht haben auch wir Anteil daran, dass diese Menschen so geworden sind, wie sie jetzt sind. Wir müssen begreifen, dass sie unsere Brüder und Schwestern sind. Dieser Aussätzige, jener Trunksüchtige, dieser Kranke – sie alle sind unsere Brüder, weil auch sie für eine größere Liebe geschaffen worden sind. Das dürfen wir nie vergessen. Jesus Christus selbst identifiziert sich mit ihnen, wenn er sagt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Und vielleicht befinden sich diese Menschen auf der Straße, ohne jegliche Liebe und Fürsorge, weil wir ihnen unsere Fürsorge, unsere Zuneigung verweigert haben. Sei sanft, unendlich sanft gegenüber dem Armen, der leidet! Wir verstehen so wenig davon, was er gerade durchmacht. Am schwersten ist es, nicht angenommen zu sein.

June 21, 2020

Sonntag, 21 Juni 2020 : Kommentar Hl. Patrick

Nicht ich, sondern Christus der Herr hat mir aufgetragen, hierher [zu den Iren] zu kommen, damit ich mein restliches Leben mit ihnen verbringe, solange der Herr nur will und solange er mich schützt vor allen Abwegen, dass ich vor ihm nicht sündige. Ich hoffe, getan zu haben, was von mir verlangt wurde. Aber ich traue mir selber nicht, solange ich in diesem todgeweihten Körper sein werde. […] Ich bin mir in gewisser Weise bewusst, dass ich kein perfektes Leben geführt habe, wie es andere Gläubige zu tun vermochten. Doch bekenne ich dies vor meinem Herrn und ich erröte nicht vor seinem Angesicht, weil ich nicht lüge: Seit ich ihn in meiner Jugendzeit kennenlernte, wuchs meine Liebe zu Gott und meine Furcht vor ihm, und bis zum heutigen Tag habe ich mit Gottes Hilfe meinen Glauben bewahrt. Möge darüber lachen und schimpfen wer will, ich werde nicht schweigen und die Zeichen und Wunder verheimlichen, die der Herr mir gezeigt hat, viele Jahre bevor sie sich zugetragen haben, da er alle Dinge dieser Welt schon vor der Zeit weiß. Daher muss ich Gott ohne Unterlass danken. Oft war er nachsichtig mit meiner Dummheit und meiner Unachtsamkeit, und mehr als nur einmal sparte er seinen heftigen Zorn über mich, der ich als Gehilfe eingesetzt worden bin und nur langsam so handelte, wie mir geheißen und vom Geist geraten wurde. Viele tausend Male hatte der Herr Mitleid mit mir, weil ich bereit war […] Denn viele waren gegen meine Mission und sprachen miteinander hinter meinem Rücken und sagten: „Warum bloß setzt er sich der Gefahr aus und begibt sich unter Feinde, die nichts von Gott wissen?“ Sie taten dies nicht aus Boshaftigkeit. Sie konnten es einfach nicht nachvollziehen, da ich doch, wie ich es ja selber zugebe, nur ein einfacher Mann vom Lande war. Und ich begriff nur langsam, dass die Gnade damals in mir war. Nun weiß ich, was ich früher hätte tun sollen. Ich habe dies nun in einfache Worte gefasst, für meine Brüder und alle Diener von meinesgleichen, die mir vertraut haben in dem, was ich verkündet habe und immer noch verkünde, um euren Glauben zu stärken und zu festigen. Möget auch ihr nach Größerem streben und noch bessere Taten vollbringen! Es würde mir zum Ruhm gereichen, denn der weise Sohn ist der Ruhm des Vaters.

June 20, 2020

Samstag, 20 Juni 2020 : Kommentar Hl. Jean-Baptiste Marie Vianney

Man vergleicht die heilige Jungfrau oft mit einer Mutter, aber sie ist viel besser als die beste der Mütter […] Sie ist so gut, dass sie uns immer liebevoll behandelt. Das Herz dieser guten Mutter besteht nur aus Liebe und Barmherzigkeit. Ihr einziger Wunsch ist es, uns glücklich zu sehen. Man braucht sich nur an sie zu wenden, um erhört zu werden. […] Obwohl wir Sünder sind, ist sie voll Zärtlichkeit und Mitleid mit uns. Ist nicht das Kind, das der Mutter die meisten Tränen gekostet hat, ihrem Herzen das teuerste? Eilt nicht eine Mutter immer dem schwächsten und gefährdetsten Kind zu Hilfe? Alle Heiligen hatten eine große Verehrung zur Mutter Gottes. Keine Gnade kommt vom Himmel, die nicht durch ihre Hände ginge. Man betritt ein Haus nicht, ohne mit dem Pförtner zu sprechen: Nun gut, die heilige Jungfrau ist die Pförtnerin des Himmels! […] solange die Welt […] besteht, wird sie von allen Seiten bestürmt werden … Sie ist wie eine Mutter mit vielen Kindern, ständig damit beschäftigt, von einem zum anderen zu gehen.

June 19, 2020

Freitag, 19 Juni 2020 : Kommentar Hl. Gertrud von Helfta

Ja, nun, o Liebe, mein König und mein Gott, nun, o Jesus, mein Geliebter, nimm mich auf in die gütigste Fürsorge deines göttlichen Herzens. Dort, dort, klebe mich fest an deine Liebe, auf dass ich ganz dir lebe. Ja, versenke mich nun in das große Meer deiner abgrundtiefen Barmherzigkeit. Dort, dort übergib mich dem Innersten deiner überströmenden, gütigen Liebe. Ja, nun wirf mich in die verzehrende Flamme deiner lebendigen Liebe. Dort, dort lasse mich, bis dass meine Seele und mein Geist zu Glut und Asche werden, übergehen in dich. Ja, und in meiner Sterbestunde übergib mich der Vorsehung deiner väterlichen Liebe. Dort, dort tröste mich, o du mein süßes Heil, durch den Blick auf deine Gegenwart, die angenehm wie fließender Honig ist. Dort erfrische mich im Genuss des kostbaren Loskaufes, mit dem du mich erlöst hast. Dort rufe mich hin zu dir selbst mit der lebendigen Stimme deiner schönen Liebe. Dort nimmt mich auf in die Umarmung deiner Nachsicht und Versöhnung. Dort ziehe mich an dich selbst im beglückenden Hauch deines lieblich strömenden Geistes, ziehe mich und trinke mich in dich hinein. Dort versenke mich im Kuss vollkommenen Einswerdens, so dass ich dich immer während genieße. Und gib mir nun, dass ich dich sehe, dass ich dich habe und dass ich dich auf ewig in völliger Glückseligkeit genieße; denn meine Seele sehnt sich nach dir, o Jesus, Liebster von allen Liebenswerten. Amen.

June 18, 2020

Donnerstag, 18 Juni 2020 : Kommentar Hl. Alphons-Maria von Liguori

Präge dir, fromme Seele, präge deinem Geist ganz tief folgende Lehre ein, die den Meistern des geistlichen Lebens gemeinsam ist: Du musst, wenn du untreu warst, sofort zu Gott zurückkehren, selbst wenn du hundert Mal am Tag fallen würdest; und wenn das geschehen ist, dann versetze dich gleich wieder in den inneren Frieden. […] Unter Freunden, die sich von ganzem Herzen lieben, kommt es nicht selten vor, dass ein Fehlverhalten, wenn es durch demütige Entschuldigungen wiedergutgemacht wird, die Freundschaft noch vertieft. Lass es zwischen Gott und dir genauso sein: Benutze deine Fehler, um die Liebesbeziehung mit ihm zu vertiefen. Es kommt vor, dass du vor einer Entscheidung, die du treffen oder einem Rat, den du geben sollst, unsicher bist. Sei auch hier nicht ängstlich und scheue dich nicht, so mit Gott umzugehen, wie es treue Freunde miteinander tun: Bei jeder Gelegenheit beratschlagen sie sich. Suche also Rat bei Gott, bitte ihn, dir die Lösung einzugeben, die ihm besser gefällt: „Herr, lege auf meine Lippen das Wort, das gesagt werden soll, und in mein Herz den Beschluss, der gefasst werden soll!“ (vgl. Jdt 9,18 Vulg.). Gib mir ein, was ich tun oder antworten soll, und ich werde es tun. „Rede, Herr, denn dein Diener hört“ (vgl. 1 Sam 3,10). Gib Gott immer wieder aufs Neue dieses Zeugnis freundschaftlichen Vertrauens, um es nicht nur in Bezug auf deine eigenen Angelegenheiten zu pflegen, sondern auch in Bezug auf die deines Nächsten. Welch große Freude würdest du seinem Herzen bereiten, wenn du sogar manchmal deine eigenen Sorgen vergessen und ihn an die Interessen seiner Herrlichkeit und an das Unglück der anderen erinnern würdest! […] „O Gott, der du aller Liebe so überaus würdig bist, mache, dass du erkannt und geliebt wirst. Möge deine Herrschaft von allen verehrt und gepriesen werden, möge deine Liebe in allen Herzen herrschen.“ […] Kommen wir zum Schluss. Wenn du das liebende Herz deines Gottes bezaubern willst, solltest du dich bemühen, so oft wie möglich und gewissermaßen unaufhörlich mit ihm zu sprechen, und zwar in der vollkommensten und vertrauensvollsten Freiheit. Er wird es nicht verschmähen, dir zu antworten und seinerseits das Gespräch weiterzuführen.

June 17, 2020

Mittwoch, 17 Juni 2020 : Kommentar Hl. Franz von Sales

Nach Überlieferung der Alten sagte der Herr oft den Seinen: „Seid gute Wechsler“. Wenn die Münze nicht von echtem Gold ist, wenn sie ihr Gewicht nicht hat und nicht in der richtigen Weise geprägt ist, so weist man sie als nicht gangbare Münze zurück. Wenn ein Werk nicht von guter Art ist, wenn die Liebe es nicht schmückt, wenn die Absicht nicht fromm ist, so wird es nicht unter die guten Werke aufgenommen. Wenn ich faste, um zu sparen, ist mein Fasten nicht von guter Art. Wenn ich aus Mäßigkeit faste, aber eine Todsünde meine Seele belastet, so fehlt meinem Werk das Gewicht, denn die Liebe gibt dieses allem, was wir tun. Faste ich bloß aus gesellschaftlichen Gründen, um mich meiner Umgebung anzupassen, so trägt dieses Werk nicht das Gepräge einer gültigen Absicht. Faste ich aber aus Mäßigkeit, bin im Zustand der Gnade Gottes und habe die Absicht, durch diese Mäßigkeit der göttlichen Majestät zu gefallen, so wird dieses Werk eine gute Münze sein, geeignet, in mir den Schatz der Liebe zu vermehren. Man verrichtet kleine Dinge dann in ausgezeichneter Weise, wenn man sie in sehr reiner Absicht und mit dem festen Willen tut, Gott zu gefallen. Dann heiligen sie uns in sehr wirksamer Weise. Es gibt Menschen, die viel essen und immer mager, schlaff und kraftlos sind, weil sie nicht gut verdauen können. Es gibt andere, die wenig essen und immer in guter Verfassung und kräftig sind, weil sie einen guten Magen haben. So gibt es auch Seelen, die viele gute Werke verrichten und dabei sehr wenig in der Liebe zunehmen, weil sie diese entweder kalt oder lässig oder mehr aus natürlichem Antrieb oder aus natürlicher Neigung als auf Eingebung Gottes oder aus übernatürlichem Eifer tun. Im Gegensatz dazu gibt es andere, die wenig tun, aber mit so heiligem Willen und so heiliger Absicht, dass sie außerordentlich große Fortschritte in der Liebe machen. Sie haben wenig Talente empfangen, aber sie verwenden diese so treu, dass der Herr sie in reichem Maße dafür belohnen wird (Mt 25,21–23).

June 16, 2020

Dienstag, 16 Juni 2020 : Kommentar Hl. Theresia vom Kinde Jesu

Es gibt in der Kommunität eine Schwester, die das Talent hat, mir in jeder Hinsicht zu missfallen, ihre Manieren, ihre Worte, ihr Charakter schienen mir sehr unangenehm. Sie ist jedoch eine heilige Klosterfrau, die dem Lieben Gott sicher sehr angenehm ist; so wollte ich der natürlichen Antipathie, die ich empfand, nicht nachgeben, ich sagte mir, die Liebe dürfe nicht in Gefühlen bestehen, sondern müsse sich in Werken äußern; nun bemühte ich mich, für diese Schwester zu tun, was ich für den mir liebsten Menschen getan hätte. Jedes Mal, wenn ich ihr begegnete, betete ich für sie zum Lieben Gott und bot ihm alle ihre Tugenden und Verdienste an. Ich fühlte, dies machte Jesus Freude, denn es gibt keinen Künstler, der nicht gern Lob für seine Werke empfängt, und Jesus, der Künstler der Seelen, ist glücklich, wenn man sich nicht beim Äußeren aufhält, sondern bis zum inneren Heiligtum vordringt, das er sich zum Wohnsitz erkoren hat, und dessen Schönheit bewundert. Ich gab mich nicht damit zufrieden, viel für die Schwester zu beten, die mir so viele Kämpfe verursachte, ich suchte ihr alle möglichen Dienste zu leisten, und wenn ich in Versuchung kam, ihr auf unangenehme Art zu antworten, begnügte ich mich damit, ihr mein liebenswürdigstes Lächeln zu zeigen, und versuchte, das Gespräch auf etwas anderes zu lenken […] Oft auch, wenn ich außerhalb der Rekreation (ich meine während der Arbeitsstunden) mit dieser Schwester eine gemeinsame Arbeit zu verrichten hatte, und meine inneren Kämpfe zu heftig wurden, rannte ich wie ein Fahnenflüchtiger davon. Da sie völlig ahnungslos war in Bezug auf das, was ich für sie empfand, hat sie nie Verdacht geschöpft über die Beweggründe meines Verhaltens und bleibt überzeugt, ihr Charakter sei mir angenehm. Eines Tages in der Rekreation sagte sie mit sehr zufriedener Miene ungefähr folgende Worte zu mir: „Schw. Th. vom Kinde Jesus, würden Sie mir sagen, was Sie so sehr zu mir hinzieht, jedes Mal, wenn Sie mich anblicken, sehe ich Sie lächeln?“ Ach! Was mich anzog, war Jesus, verborgen auf dem Grund ihrer Seele … Jesus, der das Bitterste süß macht …

June 15, 2020

Montag, 15 Juni 2020 : Kommentar Hl. Irenäus von Lyon

Christus sagt: „Wer dir das Hemd wegnimmt, dem gib auch deinen Mantel; wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück. Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen“ (vgl. Mt 5,40; vgl. Lk 6,30–31). So wollen wir uns nicht betrüben wie Leute, die man gegen ihren Willen enteignet hat, sondern im Gegenteil uns freuen, wie Leute, die frohen Herzens gegeben haben, weil wir ja dem Nächsten lieber etwas absichtslos geben, als es ihm unter Zwang abzutreten. Weiter sagt Christus: „Wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm“, damit du ihm nicht wie ein Sklave folgst, sondern ihm wie ein Freier vorangehst, indem du dich in allem für den Nächsten dienstbereit und nützlich erweisest, nicht auf ihre Bosheit schauend, sondern deine Güte vervollkommnend, dich anpassend deinem „Vater, der seine Sonne über Gute und Böse aufgehen lässt und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte“ (vgl. Mt 5,45). Das aber löst, wie wir gesagt haben, das Gesetz nicht auf, sondern erfüllt es und erweitert es in uns, sodass man sagen könnte, unsern Herzen sei eine größere Wirksamkeit der Freiheit und vollere Unterwerfung und Ergebenheit gegen unsern Erlöser eingeprägt. Denn deswegen hat er uns nicht befreit, dass wir ihn verlassen […] sondern damit wir, die wir mehr Gnade erlangt haben, ihn auch mehr lieben. Je mehr wir aber ihn lieben werden, umso größeren Ruhm werden wir von ihm erlangen, wenn wir dereinst immer in der Anschauung des Vaters leben werden.

June 14, 2020

Sonntag, 14 Juni 2020 : Kommentar Hl. Gertrud von Helfta

Für den Empfang der Kommunion des Lebens schenkenden Leibes und Blutes Jesu Christi, des makellosen Lammes: Dein ehrwürdiger Leib und dein kostbares Blut, du mein Herr Jesus Christus, mögen meinen Leib und meine Seele für das ewige Leben behüten. Amen. Dein Frieden sei mit mir. In dir, o Jesus, du wahrer Friede, möchte ich ewig Frieden über Frieden haben, damit ich durch dich zu dem Frieden gelange, der alle Sinn weit übersteigt, dorthin, wo ich dich, voll Freude in dir, auf ewig anschauen werde. Wünsch’ dir während dieser Kommunion, dass dein ganzes Leben in Gemeinschaft mit Christus in Gott verborgen sei und du selbst in der Todesstunde vollkommen vollendet angetroffen wirst: O Jesus, du süßester Gastfreund meiner Seele, von ganzem Herzen Geliebtester, deine süße Einverleibung sei heute für mich Vergebung aller meiner Sünden, Vervollkommnung all dessen, was ich vernachlässigt habe, und Genesung meines ganzen verderbten Lebens. Sie sei für mich ein ewiges Heil und eine Erneuerung meiner Seele und meines Körpers. Sie entzünde die Liebe, stelle meine Standhaftigkeit wieder her und werde zur immerwährenden Vollendung meines Lebens in dir. Sie sei Freiheit für meinen Geist, Heilung meines Lebens, Ehrbarkeit meiner Lebensführung. Sie sei für mich ein Schutz für meine Geduld, Wahrzeichen meiner Demut, Stütze meines Vertrauens, Trost in meiner Trauer, eine Hilfe für meine Beharrlichkeit. Sie sei mir Ausrüstung für den Glauben, Kraft meiner Hoffnung, meiner Liebe Vollendung, deiner Gebote Erfüllung, meines Gemütes Erneuerung. Sie sei Heiligung in der Wahrheit und höchste Vollendung eines ganzen gottgeweihten Lebens. Sie sei für mich Ursprung eines tugendreichen und Ende eines lasterhaften Lebens, das Aufblühen alles Guten und die beständige Verheißung deiner Liebe, damit […] ich am Ende dieses Lebens […], befreit von den Lasten dieses Lebens, in Ewigkeit voll Freude beim Mahl sitze und jauchze über die Reichtümer deiner Liebe, so wie die Braut sich freut an den Wonnen, die ihr König ihr bereitet. Amen.

June 13, 2020