Samstag, 26 Dezember 2020 : Kommentar Hl. Johannes Chrysostomus

Ahmen wir unseren Herrn nach und beten wir für unsere Feinde […] Er wurde gekreuzigt und betete dabei zu seinem Vater für die, die ihn kreuzigten. Aber wie könnte ich denn den Herrn nachahmen, könnte man sich fragen. Wenn du es willst, kannst du es. Wenn du nicht dazu in der Lage wärest, wie hätte er dann sagen können: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig“? (Mt 11,29). […] Wenn es dir schwerfällt, den Herrn nachzuahmen, dann ahme wenigstens den nach, der auch [so wie du] sein Diener ist, sein Diakon. Ich spreche von Stephanus. Er hat tatsächlich den Herrn nachgeahmt. So wie Christus inmitten derer, die ihn kreuzigten, den Vater für seine Henker anflehte (vgl. Lk 23,34) – ohne auf das Kreuz zu achten, ohne auf seine Situation zu achten – so sagte sein Diener, umringt von denen, die ihn steinigten – von allen Seiten angegriffen, von Steinwürfen getroffen, der Schmerzen, die sie ihm zufügten, nicht achtend: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an“ (Apg 7,60). Merkst du, wie der Sohn sprach und wie der Diener betete? Ersterer sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“, und der zweite: „Herr, rechne ihnen diese Schuld nicht an“. Und damit man besser erkenne, mit welcher Inbrunst er betete, blieb er nicht einfach aufrecht stehen in dem Steinhagel, sondern betete auf den Knien mit Überzeugung und Mitgefühl […] Christus sagt: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Stephanus ruft aus: „Herr, rechne ihnen diese Schuld nicht an“. Paulus seinerseits erklärt: „Ich biete dieses Opfer an für meine Brüder, die der Abstammung nach mit mir verbunden sind“ (vgl. Röm 9,3). Mose sagt: „Doch jetzt nimm ihr Sünde von ihnen! Wenn nicht, dann streich mich aus dem Buch, das du angelegt hast“ (Ex 32,32). David sagt: „Erheb deine Hand gegen mich und gegen das Haus meines Vaters“ (2 Sam 24,17). […] Was für eine Vergebung glauben wir, erhalten zu können, wenn wir das Gegenteil von dem tun, was uns aufgetragen ist, und gegen unsere Feinde beten, wenn doch der Herr selbst und seine Diener im Alten und Neuen Testament uns dazu auffordern, für sie zu beten?

December 25, 2020

Samstag, 26 Dezember 2020 : Apostelgeschichte 6,8-10.7,54-60.

In jenen Tagen tat Stephanus, voll Gnade und Kraft, Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertiner und Zyrenäer und Alexandriner und Leute aus Zilizien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten; aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen. Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen. Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.

December 25, 2020

Samstag, 26 Dezember 2020 : Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 10,17-22.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Nehmt euch aber vor den Menschen in acht! Denn sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen. Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt, damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt. Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden. Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken. Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.

December 25, 2020

Freitag, 25 Dezember 2020 : Kommentar Hl. Amadeus von Lausanne

Durch wunderbare Herablassung, durch staunenswerte und unglaubliche Liebe stieg Gott herab in einen menschlichen Leib, nahm Fleisch an und besuchte die Kinder Adams. […] So wurde der Gottessohn zum Menschensohn, wenn er auch in der Einheit der Person Gott und Mensch zugleich war: Gott, gezeugt aus dem Wesen des Vaters vor aller Zeit, und Mensch, geboren aus dem Wesen seiner Mutter im Lauf der Zeit. Er sprang herbei, ein gewaltiger Held von zweifacher Natur, um in wohlklingenden Worten und überaus harmonischen Klängen auf der Zither unseres Leibes zu singen, um sehr sanfte Töne hervorzubringen auf dem von unserem Fleisch geformten Instrument, um es wie Musik von unaussprechlicher Harmonie ertönen zu lassen, damit die Steine sich aufrichten, die Bäume erzittern, die wilden Tiere sich erziehen lassen und die von ihrem Fleisch befreiten Menschen zur Höhe geführt werden. Ja wirklich, durch den süßen Klang dieser staunenswerten Musik hat er aus Steinen Kinder Abrahams erweckt und die Bäume des Waldes – das heißt die Herzen der Heiden – zum Glauben bewegt. Auch die wilden Tiere – das heißt die ungezügelten Leidenschaften und die raue Barbarei – hat er nach guter Sitte erzogen; und Menschen, die aus der Mitte der Menschen genommen waren, hat er in den Rang von Göttern erhoben. Daher ist es nur gut und recht, dass […] die Lieder bis an die Enden der Erde erklingen.

December 24, 2020

Freitag, 25 Dezember 2020 : Buch Jesaja 52,7-10.

Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt, der zu Zion sagt: Dein Gott ist König. Horch, deine Wächter erheben die Stimme, sie beginnen alle zu jubeln. Denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der Herr nach Zion zurückkehrt. Brecht in Jubel aus, jauchzt alle zusammen, ihr Trümmer Jerusalems! Denn der Herr tröstet sein Volk, er erlöst Jerusalem. Der Herr macht seinen heiligen Arm frei vor den Augen aller Völker. Alle Enden der Erde sehen das Heil unseres Gottes.

December 24, 2020

Freitag, 25 Dezember 2020 : Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 1,1-18.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

December 24, 2020

Donnerstag, 24 Dezember 2020 : Kommentar Hl. Amadeus von Lausanne

Bei der Niederkunft Mariens freute sich der Himmel und die Erde jubelte; selbst die Hölle war erschüttert und erschrak. In seiner Freude schenkte der Himmel den leuchtenden Stern und die herrliche Heerschar der Engel, die diesen Lobgesang anstimmten: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14). In ihrem Jubel schenkte die Erde die lobpreisenden Hirten und die Magier, die anbeteten und ihre Gaben darbrachten: Gold, Weihrauch und Myrrhe. […] Bedenke, dass die Nacht Licht in die Dunkelheit und statt der Finsternis strahlendes Licht hervorbrachte. Diese Nacht schenkte Licht, bevor die Sonne aufging, ein Licht, das durch seinen außergewöhnlichen Glanz die Pracht der Sonne in den Schatten stellte. Von dieser Nacht sagt der Psalmist: „Die Nacht wird für mich Licht in meinen Wonnen sein.“ Dann wendet er sich an den Herrn und fährt fort: „Finsternis wird vor dir nicht finster sein, und die Nacht wird wie der Tag erleuchtet sein. So wie ihre Finsternis ist, so wird auch ihr Licht sein“ (vgl. Ps 138(139),11–12 LXX). […] Als Maria den neugeborenen Emmanuel in Empfang nahm, da schaute sie ein Licht, das unvergleichlich schöner ist als die Sonne; sie spürte ein Feuer, das Wasser nicht löschen könnte. In der Hülle des Leibes, den sie geboren hatte, empfing sie den Glanz, der alles erleuchtet, und sie verdiente es, das Wort, das das Universum trägt, in ihren Armen zu tragen.

December 23, 2020

Donnerstag, 24 Dezember 2020 : Buch Jesaja 9,1-6.

Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. Du erregst lauten Jubel und schenkst große Freude. Man freut sich in deiner Nähe, wie man sich freut bei der Ernte, wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird. Denn wie am Tag von Midian zerbrichst du das drückende Joch, das Tragholz auf unserer Schulter und den Stock des Treibers. Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, der mit Blut befleckt ist, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich; er festigt und stützt es durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt und für alle Zeiten. Der leidenschaftliche Eifer des Herrn der Heere wird das vollbringen.

December 23, 2020

Donnerstag, 24 Dezember 2020 : Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 2,1-14.

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum erstenmal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.

December 23, 2020

Mittwoch, 23 Dezember 2020 : Kommentar Homilie

[Johannes der Täufer sagte:] In deiner Gegenwart, Herr Jesus, kann ich nicht schweigen, denn ich bin „die Stimme, die in der Wüste ruft: Bereitet dem Herrn den Weg. Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ (vgl. Mt 3,3.14). Als ich geboren wurde, nahm ich die Unfruchtbarkeit von derjenigen, die mich gebar; und als Neugeborener heilte ich die Stummheit meines Vaters, indem ich von dir die Gnade dieses Wunders erhielt. Du aber, geboren von der Jungfrau Maria, auf die Art und Weise, wie du es gewollt hast und die nur du kennst, du hast ihre Jungfräulichkeit nicht von ihr genommen; du hast sie geschützt, indem du ihr den Titel Mutter hinzufügtest. Ihre Jungfräulichkeit war weder ein Hindernis für deine Geburt noch hat deine Geburt ihre Jungfräulichkeit befleckt. Diese beiden unvereinbaren Wirklichkeiten – Mutterschaft und Jungfräulichkeit – haben sich zu einer einzigartigen Harmonie zusammengefunden, die nur im Bereich des Schöpfers der Natur liegt. Ich, der ich ein Mensch bin, kann an der göttlichen Gnade nur teilhaben; du aber bist Gott und Mensch zugleich, denn du bist dem Wesen nach ein Menschenfreund (vgl. Weish 1,6).

December 22, 2020