Sonntag, 5. Juni : Hl. Bernhard

Nichts in Gott ist freundlicher als sein Heiliger Geist; er ist die Güte Gottes selbst, er ist Gott […]. Am Anfang war es notwendig, dass der unsichtbare Geist sein Kommen durch sichtbare Zeichen offenbarte. Aber heute sind die Zeichen, je geistlicher sie sind, desto passender und würdiger des Heiligen Geistes. Damals kam er auf die Apostel in Feuerzungen herab, damit sie allen Völkern feurige Worte verkünden und in einer feurigen Sprache ein feuriges Gesetz verkünden. Es möge sich niemand beklagen, dass sich der Heilige Geist uns nicht in gleicher Weise offenbart! „Denn jedem wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt“ (vgl. 1 Kor 12,7). Also – muss man das überhaupt sagen? – hat diese Offenbarung mehr um unseretwillen als um der Apostel willen stattgefunden? Denn wozu hätten sie die fremden Sprachen gebraucht, wenn nicht für die Bekehrung der Völker? Aber es gab noch eine weitere Offenbarung, die sie noch stärker berührte, und auf diese Weise offenbart sich der Heilige Geist auch heute in uns: Es war für alle offensichtlich, dass sie „mit der Kraft aus der Höhe“ (Lk 24,49) bekleidet worden waren, als sie von einem so furchtsamen Geist zu solch einer Sicherheit gelangten. Sie ergriffen nicht mehr die Flucht, sie versteckten sich nicht mehr aus Furcht; jetzt bringen sie mehr Kraft auf, um zu predigen, als sie vorher aufgebracht hatten, um zu fliehen. Diese Umwandlung, die das Werk des Allerhöchsten ist, zeigte sich deutlich an Petrus, dem Apostelfürsten: Gestern noch erschreckt durch die Worte einer Magd (vgl. Mt 26,69), ist er jetzt unerschütterlich unter den Drohungen der Hohepriester: „Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden“ (Apg 5,41). Und doch waren sie noch kurz vorher, als Jesus vor den Hohen Rat geführt werden sollte, geflohen und hatten ihn verlassen. Wer könnte da das Kommen des Geistes der Stärke anzweifeln, dessen unsichtbare Macht ihre Herzen erleuchtet hat? In gleicher Weise bezeugt das, was der Heilige Geist in uns wirkt, seine Gegenwart in uns.

June 5, 2022

Sonntag, 5. Juni : Erster Brief des Apostels Paulus an die Korinther 12,3-7.12-13.

Brüder! Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet. Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

June 5, 2022

Sonntag, 5. Juni : ps 104(103),1-2.24-25.29-30.31.34.

Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, wie groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. Da ist das Meer, so groß und weit, darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: kleine und große Tiere. Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub. Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen und du erneuerst das Angesicht der Erde. Die Herrlichkeit des HERRN währe ewig, der HERR freue sich seiner Werke. Möge ihm mein Dichten gefallen. Ich will mich freuen am HERRN.

June 5, 2022

Sonntag, 5. Juni : Apostelgeschichte 2,1-11.

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos vor Staunen und sagten: Seht! Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Kyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

June 5, 2022

Samstag, 4. Juni : Hl. Augustinus

Die Kirche kennt zwei von Gott anerkannte und empfohlene Lebenswirklichkeiten: die eine im Glauben, die andere in der Schau; die eine auf dem Pilgerweg der Zeit, die andere in der ewigen Wohnung; die eine in der Arbeit, die andere in der Ruhe; die eine auf dem Weg, die andere in der Heimat; die eine in der Anstrengung der Aktion, die andere in der Belohnung der Kontemplation. […] Die erste wird durch den Apostel Petrus dargestellt, die zweite durch Johannes. Die erste spielt sich vollständig hier auf Erden ab bis zum Ende der Zeiten; dann wird sie zu Ende sein. Die zweite findet ihre Vollendung erst nach dem Ende der Zeiten; in der kommenden Welt wird sie kein Ende haben. Deshalb sagt Jesus zu Petrus: „Folge mir“, und in Bezug auf Johannes: „Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!“ […] Dein aktives Tun folge mir nach, vollkommen und nach dem Vorbild meines Leidens. Die Kontemplation aber, die schon begonnen hat, dauere an bis zu meiner Wiederkunft: Ich werde sie vollkommen machen, wenn ich wiederkomme. Denn sie folgt Christus nach, diese ausdauernde Glut der Hingabe, die durchhält bis zum Tod; und sie bleibt bis zur Wiederkunft Christi bestehen, diese Erkenntnis, die dann in ihrer ganzen Fülle offenbar wird. Hier, im Land der Sterblichen, muss man die Übel dieser Welt ertragen; dort werden wir die Güte des Herrn im Land der Lebenden schauen (vgl. Ps 27(26),13). […] Niemand soll also diese beiden hervorragenden Apostel voneinander trennen; denn beide waren in dem, was Petrus versinnbildlicht, und beide werden in dem sein, was Johannes darstellt.

June 4, 2022

Samstag, 4. Juni : Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 21,20-25.

In jener Zeit sprach Jesus zu Simon Petrus: Folge mir! Petrus wandte sich um und sah, wie der Jünger, den Jesus liebte, diesem folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird? Als Petrus diesen Jünger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm? Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach! Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist. Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste.

June 4, 2022

Samstag, 4. Juni : ps 11(10),4.5.7.

Der Herr weilt in seinem heiligen Tempel, der Thron des Herrn ist im Himmel. Seine Augen schauen herab, seine Blicke prüfen die Menschen. Der Herr prüft Gerechte und Frevler; wer Gewalttat liebt, den hasst er aus tiefster Seele. Denn der Herr ist gerecht, er liebt gerechte Taten; wer rechtschaffen ist, darf sein Angesicht schauen.

June 4, 2022

Samstag, 4. Juni : Apostelgeschichte 28,16-20.30-31.

Nach unserer Ankunft in Rom erhielt Paulus die Erlaubnis, für sich allein zu wohnen, zusammen mit dem Soldaten, der ihn bewachte. Drei Tage später rief er die führenden Männer der Juden zusammen. Als sie versammelt waren, sagte er zu ihnen: Brüder, obwohl ich mich nicht gegen das Volk oder die Sitten der Väter vergangen habe, bin ich von Jerusalem aus als Gefangener den Römern ausgeliefert worden. Diese haben mich verhört und wollten mich freilassen, da nichts gegen mich vorlag, worauf der Tod steht. Weil aber die Juden Einspruch erhoben, war ich gezwungen, Berufung beim Kaiser einzulegen, jedoch nicht, um mein Volk anzuklagen. Aus diesem Grund habe ich darum gebeten, euch sehen und sprechen zu dürfen. Denn um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Fesseln. Er blieb zwei volle Jahre in seiner Mietwohnung und empfing alle, die zu ihm kamen. Er verkündete das Reich Gottes und trug ungehindert und mit allem Freimut die Lehre über Jesus Christus, den Herrn, vor.

June 4, 2022

Freitag, 3. Juni : Hl. Johannes XXIII.

Der Nachfolger Petri weiß, dass in seiner Person und in seinem Wirken die Gnade und das Liebesgebot alles trägt, belebt und allem Zierde verleiht. Und im Liebesaustausch zwischen Jesus und ihm, Simon Petrus, dem Sohn des Johannes, findet die heilige Kirche im Angesicht der ganzen Welt ihren halt, wie auf einem sichtbaren und einem unsichtbaren Fundament: auf Jesus, der für die Augen des Fleisches unsichtbar ist, und auf dem Papst, dem Stellvertreter Christi, der für die Augen der ganzen Welt sichtbar ist. Wenn ich dieses Mysterium der Liebe zwischen Jesus und seinem Stellvertreter recht bedenke, erkenne ich, welche Ehre und welche Freude dies für mich bedeutet, doch zugleich auch welch ein Grund zur Verwirrung aufgrund meiner Armseligkeit und des Nichts, das ich bin. Mein Leben muss ganz Liebe zu Jesus sein und zugleich ganz sich verströmende Güte und Hingabe für jede einzelne Seele und für die ganze Welt. In diesem Evangelienabschnitt […] geht Jesus direkt zum Gebot der Hingabe über, wenn er Petrus ankündigt: „Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst“ (Joh 21,18). Durch die Gnade des Herrn bin ich noch nicht in dieses „Alt-geworden-Sein“ eingetreten, aber mit meinen bereits vollendeten 80 Jahren stehe ich an der Schwelle dorthin. Ich muss mich also für diese letzte Etappe meines Lebens bereithalten, in der mich Beeinträchtigungen und Opfer erwarten, bis hin zur Hingabe meines leiblichen Lebens und dem Beginn des ewigen Lebens. O Jesus, hier bin ich – bereit, meine schon zitternden und schwachen Hände auszustrecken, damit ein anderer mir hilft, mich anzukleiden und mich beim Gehen zu stützen. Herr, zu Petrus hast du gesagt: „und [er wird] dich führen, wohin du nicht willst.“ O, nach so vielen Gnaden, die ich in meinem langen Leben erhalten habe, gibt es nichts mehr, was ich nicht will. Du, Jesus, hast mir den Weg erschlossen. „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst“ (Mt 8,19).

June 3, 2022

Freitag, 3. Juni : Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes - Joh 21,1.15-19.

offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Liebst du mich? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! Amen, amen, ich sage dir: Als du jünger warst, hast du dich selbst gegürtet und gingst, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen werde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!

June 3, 2022