Samstag, 12. November : Isaak der Syrer 

Selig der Mensch, der um seine eigene Schwachheit weiß; denn dieses Wissen wird ihm zum Fundament, zur Wurzel und zum Ursprung aller Güte. […] Wenn einem Menschen bewusst wird, was er ohne göttlichen Beistand ist, dann betet er sehr viel. Und je mehr er betet, desto demütiger wird sein Herz. […] Wenn er das alles erkannt hat, dann birgt er das Gebet in seiner Seele wie einen Schatz. Und weil seine Freude darüber so groß ist, wird sein Gebet zur Danksagung. […] Getragen von dieser Erkenntnis und staunend über die Gnade Gottes, erhebt er seine Stimme, lobt und preist Gott und sagt ihm Dank in höchster Bewunderung. Ein Mensch, der tatsächlich – und nicht bloß in seiner Einbildung – solche Merkmale aufweist und solche Erfahrungen gemacht hat, der weiß, wovon ich spreche und dass dagegen nichts einzuwenden ist. Er soll aber von nun an nicht mehr nach eitlen Dingen verlangen. Er bleibe in Gott durch unablässiges Gebet und in der Furcht, es könnte ihm sonst der Reichtum des göttlichen Beistandes entzogen werden. All diese Güter werden dem Menschen gegeben, sobald er seine Schwachheit erkennt. In seinem großen Verlangen nach dem Beistand Gottes verharrt er im Gebet und nähert sich Gott. In dem Maß, wie er sich entschlossen Gott nähert, kommt ihm Gott mit seinen Gaben entgegen und entzieht ihm nicht seine Gnade, weil er so demütig ist. Ein solcher Mensch ist ja wie die Witwe, die nicht aufhört, den Richter anzuflehen, ihr doch Recht gegen ihren Feind zu verschaffen. Der mitfühlende Gott lässt sich nur deshalb Zeit mit seinen Gnadengaben, um so den Menschen anzuspornen, sich ihm zu nähern und sich an dem festzumachen, der die Quelle seines Heils ist, dessen er so sehr bedarf.

November 12, 2022

Samstag, 12. November : Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 18,1-8.

In jener Zeit sagte Jesus den Jüngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange Zeit nicht. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; weil mich diese Witwe aber nicht in Ruhe lässt, will ich ihr Recht verschaffen. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Der Herr aber sprach: Hört, was der ungerechte Richter sagt! Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern bei ihnen zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?

November 12, 2022

Samstag, 12. November : ps 112(111),1-2.3-4.5-6.

Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt und sich herzlich freut an seinen Geboten. Seine Nachkommen werden mächtig im Land, das Geschlecht der Redlichen wird gesegnet. Wohlstand und Reichtum füllen sein Haus, sein Heil hat Bestand für immer. Den Redlichen erstrahlt im Finstern ein Licht: der Gnädige, Barmherzige und Gerechte. Wohl dem Mann, der gütig und zum Helfen bereit ist, der das Seine ordnet, wie es recht ist. Niemals gerät er ins Wanken; ewig denkt man an den Gerechten.

November 12, 2022

Freitag, 11. November : Hl. Gregor von Nyssa

Der Herr gab seinen Jüngern wichtige Ratschläge, damit ihr Geist alles Naturhaft-Irdische wie Staub abschüttele und sich zur Sehnsucht nach den übernatürlichen Wirklichkeiten erhebe. Wenn man sich nämlich dem himmlischen Leben zuwendet, gilt es, stärker zu sein als der Schlaf und den Geist stets wachsam zu halten. […] Ich spreche von der Schläfrigkeit derer, die sich in Lebenslügen verstricken durch trügerische Träume von Ehre, Reichtum, Macht, Prunk, durch die Faszination der Vergnügungen, Ehrgeiz, Genusssucht, Eitelkeit und durch all das, wozu oberflächliche Menschen von ihrer Phantasie verleitet werden. All diese Dinge vergehen mit der flüchtigen Natur der Zeit; sie gehören in den Bereich des Scheins […]; kaum sind sie da, verschwinden sie auch schon wieder wie die Wellen auf dem Meer. […] Damit unser Geist von diesen Verblendungen befreit wird, ermuntert uns der Logos – das Wort Gottes –, diesen Tiefschlaf von den Augen unserer Seele abzuschütteln, damit wir nicht dem anhangen, was keinen Bestand hat, und so von der echten Wirklichkeit abgleiten. Deshalb mahnt er uns zur Wachsamkeit und sagt: „Legt euren Gürtel nicht ab, und lasst eure Lampen brennen“ (Lk 12,35). Denn ein helles Licht vor Augen vertreibt den Schlaf, und der straff gebundene Gürtel bewahrt den Leib davor, vom Schlaf überwältigt zu werden. […] Wer mit Mäßigung umgürtet ist, lebt im Licht eines reinen Gewissens; kindliches Vertrauen erhellt sein Leben wie eine Leuchte. […] Wenn wir so leben, werden wir in ein Leben eintreten, das dem der Engel gleicht.

November 11, 2022

Freitag, 11. November : Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 17,26-37.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wie es zur Zeit des Noach war, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein. Die Menschen aßen und tranken und heirateten bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging; dann kam die Flut und vernichtete alle. Und es wird ebenso sein, wie es zur Zeit des Lot war: Sie aßen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten. Aber an dem Tag, als Lot Sodom verließ, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen um. Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem sich der Menschensohn offenbart. Wer dann auf dem Dach ist und seine Sachen im Haus hat, soll nicht hinabsteigen, um sie zu holen, und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren. Denkt an die Frau des Lot! Wer sein Leben zu bewahren sucht, wird es verlieren; wer es dagegen verliert, wird es gewinnen. Ich sage euch: Von zwei Männern, die in jener Nacht auf einem Bett liegen, wird der eine mitgenommen und der andere zurückgelassen. Von zwei Frauen, die mit derselben Mühle Getreide mahlen, wird die eine mitgenommen und die andere zurückgelassen. Da fragten sie ihn: Wo wird das geschehen, Herr? Er antwortete: Wo ein Aas ist, da sammeln sich auch die Geier.

November 11, 2022

Freitag, 11. November : ps 119(118),1-2.10-11.17-18.

Wohl denen, deren Weg ohne Tadel ist, die leben nach der Weisung des Herrn. Wohl denen, die seine Vorschriften befolgen und ihn suchen von ganzem Herzen. Ich suche dich von ganzem Herzen. Lass mich nicht abirren von deinen Geboten! Ich berge deinen Spruch im Herzen, damit ich gegen dich nicht sündige. Herr, tu deinem Knecht Gutes, erhalt mich am Leben! Dann will ich dein Wort befolgen. Öffne mir die Augen für das Wunderbare an deiner Weisung!

November 11, 2022

Donnerstag, 10. November : Nachfolge Christi

„Das Reich Gottes ist in euch“, spricht der Herr (Lk 17,20f.). Kehre dich aus ganzem Herzen zum Herrn, lasse diese elende Welt, und deine Seele wird Ruhe finden. Verschmähe, was äußerlich ist, gib dich dem Inneren hin, und du wirst sehen, das Reich Gottes wächst in dir. „Das Reich Gottes ist Friede und Freude im Heiligen Geiste“ (Röm 14,17) und kein Geschenk an die Gottlosen. Christus kommt zu dir und reicht dir seinen Trost, wenn du ihm dein Inneres zu einer würdigen Wohnung bereitest. All sein Ruhm und Glanz stammt von innen, das Innere ist seine Lust. Er weilt gern bei unserem inneren Menschen, Zwiesprache zu pflegen, zu trösten, zu befriedigen und wundersam vertraut zu sein. Eia, gläubige Seele, richte diesem Gemahl dein Herz, so oft er zu dir kommen und in dir wohnen will. Er spricht: „Wenn einer mich liebt, wird er mein Wort halten. Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“ (Joh 14,23).

November 10, 2022

Donnerstag, 10. November : Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 17,20-25.

In jener Zeit als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch. Er sagte zu den Jüngern: Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. Und wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin, und lauft nicht hinterher! Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen. Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden.

November 10, 2022

Donnerstag, 10. November : ps 146(145),6-7.8-9ab.9cd-10.

Der Herr hat Himmel und Erde gemacht, das Meer und alle Geschöpfe; er hält ewig die Treue. Recht verschafft er den Unterdrückten, den Hungernden gibt er Brot; der Herr befreit die Gefangenen. Der Herr öffnet den Blinden die Augen, er richtet die Gebeugten auf. Der Herr beschützt die Fremden und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht. Der Herr liebt die Gerechten, doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre. Der Herr ist König auf ewig, dein Gott, Zion, herrscht von Geschlecht zu Geschlecht.

November 10, 2022

Mittwoch, 9. November : Hl. Aelred von Rievaulx

Wir haben oft gehört, dass Mose, nachdem er das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt hatte, in der Wüste – dank der Gaben der Söhne Jakobs – einen Tabernakel baute, ein Zeltheiligtum. […] Man muss genau hinschauen, denn all das geschah, wie der Apostel Paulus sagt, als ein Beispiel für uns (vgl. 1 Kor 10,6). […] Ihr, meine Brüder, seid jetzt der Tabernakel Gottes, der Tempel Gottes, wie der Apostel erklärt: „Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr“ (1 Kor 3,17). Ihr seid der Tempel, in dem Gott ewig herrschen wird, ihr seid sein Zelt, weil er mit euch auf dem Weg ist; in euch dürstet er, in euch hungert er. Dieses Zelt wird jetzt noch […] durch die Wüste dieses Lebens getragen, bis wir das Land der Verheißung erreichen. Dann wird das Zelt zum Tempel und der wahre Salomo wird es „sieben Tage lang und nochmals sieben Tage“ (vgl. 1 Kön 8,65) einweihen. Diese zwei mal sieben Tage bedeuten die doppelte Ruhe […]: die Unsterblichkeit des Leibes und die Glückseligkeit der Seele. In der Zwischenzeit aber muss jeder, müssen wir alle – wenn wir wahre Kinder Israels im Geiste sind, wenn wir geistigerweise aus Ägypten ausgezogen sind –, Gaben zum Aufbau des Tabernakels darbringen […], denn „jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so“ (vgl. 1 Kor 7,7). […] Alles sei also allen gemeinsam. […] Keiner soll das Charisma, das er von Gott erhalten hat, als sein Eigentum betrachten; keiner soll seinen Bruder um ein Charisma beneiden, das jener erhalten hat. Jeder betrachte vielmehr das, was sein ist, als das, was allen seinen Brüdern gehört, und zögere nicht, das, was seinem Bruder gehört, als das Seine zu betrachten. Nach seinem barmherzigen Ratschluss handelt Gott mit uns so, dass jeder den anderen braucht: Was der eine nicht hat, kann er in seinem Bruder finden. […] „So sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören“ (Röm 12,5).

November 9, 2022