Mittwoch, 7. Dezember : Sel. Jan von Ruusbroec

Von der dritten Ankunft Christi. Die dritte, noch in der Zukunft verborgene, Ankunft Christi findet beim Gerichte oder in der Stunde des Todes statt. […] Die Gerechtigkeit des Richters – denn das Urteil und der Urteilsspruch kommt Christus zu. Er ist der Menschen Sohn und die Weisheit des Vaters. Dieser Weisheit steht alles Urteil zu, denn vor ihr sind alle Herzen im Himmel, auf Erden und in der Hölle offenkundig und offenbar. […] Christus unser Bräutigam und Richter wird bei diesem Gerichte lohnen und strafen nach Gerechtigkeit, denn er vergilt jedem nach Verdienst. Er schenkt dem Gerechten für jedes Werk, das Gott aufgeopfert wurde, einen unermesslichen Lohn, den kein Geschöpf verdienen kann, nämlich sich selbst. Denn indem Gott das Werk mitwirkt in der Kreatur, so verdient das Geschöpf in der Kraft Gottes, Gott selbst zum Lohn. […] Der ersten Ankunft, in der Gott Mensch wurde, in Demut lebte und in Liebe für uns starb, sollen wir entsprechen: äußerlich durch vollkommene, sittliche Tugenden und innerlich durch Liebe und wahrhafte Demut. Die zweite Ankunft, die sich in der Gegenwart vollzieht, indem Gott mit Gnade jedes minnende Herz heimsucht, soll unsere Sehnsucht sein, und wir sollen täglich bitten, dass wir standhaft bleiben und zunehmen in neuen Tugenden. Die dritte Ankunft zum Gerichte oder in unserer Todesstunde, sollen wir mit Verlangen, Vertrauen und mit Ehrfurcht erwarten, auf dass wir aus diesem Elende erlöst werden und eintreten mögen in den Saal der ewigen Herrlichkeit.

December 7, 2022

Mittwoch, 7. Dezember : Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 11,28-30.

In jener Zeit sprach Jesus: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

December 7, 2022

Mittwoch, 7. Dezember : ps 103(102),1-2.3-4.8.10.

Lobe den Herrn, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: Der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt, der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt. Der Herr ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte. Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld.

December 7, 2022

Dienstag, 6. Dezember : Basileios von Seleukia

Schauen wir auf Christus, unseren Hirten; erkennen wir, wie lieb er die Menschen hat und wie sanft er sie auf die Weide führt. Er freut sich über die Schafe, die ihn umgeben, und er sucht die, die sich verirrt haben. Berge und Wälder sind kein Hindernis für ihn; er läuft durch das dunkle Tal des [Todes-] Schattens, um zu dem Ort zu gelangen, wo sich das verlorene Schaf befindet. Findet er es krank vor, so verachtet er es nicht, sondern pflegt es; er nimmt es auf seine Schultern und heilt das müde Schaf, indem er selbst müde wird. Seine Müdigkeit erfüllte ihn mit Freude, denn er hat das verlorene Schaf ja wiedergefunden, und so hat sich seine Mühe gelohnt. „Wenn einer von euch“, sagt er, „hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte?“ (vgl. Mt 18,12). Der Verlust eines einzigen Schafes trübt die Freude der ganzen Herde, aber die Freude der Wiedervereinigung vertreibt diese Trauer: „Und wenn er es gefunden hat […], ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war“ (Lk 15,5−6). Deshalb sagte Christus, der dieser Hirt ist: „Ich bin der gute Hirt“ (Joh 10,11). „Die verlorengegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen“ (Ez 34,16).

December 6, 2022

Dienstag, 6. Dezember : Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 18,12-14.

In jener Zeit fragte Jesus seine Jünger: Was meint ihr? Wenn jemand hundert Schafe hat und eines von ihnen sich verirrt, lässt er dann nicht die neunundneunzig auf den Bergen zurück und sucht das verirrte? Und wenn er es findet - amen, ich sage euch: er freut sich über dieses eine mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verlorengeht.

December 6, 2022

Dienstag, 6. Dezember : ps 96(95),1-2.3.10ac.11-12.13.

Singet dem Herrn ein neues Lied, singt dem Herrn, alle Länder der Erde! singt dem HERRN, preist seinen Namen! Verkündet sein Heil von Tag zu Tag! Erzählt bei den Nationen von seiner Herrlichkeit, bei allen Völkern von seinen Wundern! Verkündet bei den Völkern: Er richtet die Nationen so, wie es recht ist. Der Himmel freue sich, die Erde frohlocke, es brause das Meer und alles, was es erfüllt. Es jauchze die Flur und was auf ihr wächst. Jubeln sollen alle Bäume des Waldes. Jubeln sollen alle vor dem Herrn, wenn er kommt, wenn er kommt, um die Erde zu richten. Er richtet den Erdkreis gerecht. und die Nationen nach seiner Treue.

December 6, 2022

Montag, 5. Dezember : Gregor von Agrigento

„Süß ist das Licht, und es tut den Augen wohl, die Sonne zu sehen“ (vgl. Koh 11,7) […]; deshalb sagte schon Mose: „Gott sah, dass das Licht gut war“ (Gen 1,4). […] Wie gut tut es uns, an das große, wahre und unzerstörbare Licht zu denken, „das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt“ (vgl. Joh 1,9), an Christus also, den Erlöser und Befreier der Welt. Nachdem er sich vor den Augen der Propheten enthüllt hatte, wurde er Mensch und drang bis in die letzten Tiefen menschlichen Daseins vor. Von ihm spricht der Prophet David: „Lobsinget Gott, bringt seinem Namen ein Loblied; bereitet dem Bahn, der heraufzieht über den Sonnenuntergang! Herr ist sein Name! Frohlocket vor seinem Angesicht“ (vgl. Ps 67,5 Vulg.). Und dann noch Jesaja mit seiner großen Stimme: „Ihr Völker, die ihr in der Finsternis sitzt, schaut dieses Licht! Für euch, die ihr im Land des Todesschattens wohnt, wird ein Licht aufleuchten“ (vgl. Jes 9,2 Vulg.). […] So kündigt also das Licht der Sonne, das wir mit unseren leiblichen Augen sehen, die geistliche Sonne der Gerechtigkeit an (vgl. Mal 3,20); die süßeste Sonne, die denen aufgegangen ist, die das Glück hatten, von ihr, nämlich von Christus, belehrt zu werden und ihn mit ihren leiblichen Augen zu sehen, während er als gewöhnlicher Mensch unter den Menschen weilte. Und doch war er nicht bloß ein gewöhnlicher Mensch, denn da er als wahrer Gott geboren war, konnte er machen, dass Blinde sehen, Lahme gehen, Taube hören, Aussätzige rein werden und Tote durch ein Wort zum Leben erwachen (vgl. Lk 7,22).

December 5, 2022

Montag, 5. Dezember : Aus dem Heiligen Evangelium nach Lukas - Lk 5,17-26.

Eines Tages, als Jesus lehrte, saßen unter den Zuhörern auch Pharisäer und Gesetzeslehrer; sie waren aus allen Dörfern Galiläas und Judäas und aus Jerusalem gekommen. Und die Kraft des Herrn drängte ihn dazu, zu heilen. Da brachten einige Männer einen Gelähmten auf einer Tragbahre. Sie wollten ihn ins Haus bringen und vor Jesus hinlegen. Weil es ihnen aber wegen der vielen Leute nicht möglich war, ihn hineinzubringen, stiegen sie aufs Dach, deckten die Ziegel ab und ließen ihn auf seiner Tragbahre in die Mitte des Raumes hinunter, genau vor Jesus hin. Als er ihren Glauben sah, sagte er zu dem Mann: Deine Sünden sind dir vergeben. Da dachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer: Wer ist das, dass er eine solche Gotteslästerung wagt? Wer außer Gott kann Sünden vergeben? Jesus aber merkte, was sie dachten, und sagte zu ihnen: Was habt ihr für Gedanken im Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben. Und er sagte zu dem Gelähmten: Ich sage dir: Steh auf, nimm deine Tragbahre, und geh nach Hause! Im gleichen Augenblick stand der Mann vor aller Augen auf. Er nahm die Tragbahre, auf der er gelegen hatte, und ging heim, Gott lobend und preisend. Da gerieten alle außer sich; sie priesen Gott und sagten voller Furcht: Heute haben wir etwas Unglaubliches gesehen.

December 5, 2022

Montag, 5. Dezember : ps 85(84),9-10.11-12.13-14.

Ich will hören, was Gott redet: Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen, den Menschen mit redlichem Herzen. Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten. Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land. Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich. Treue sprosst aus der Erde hervor; Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder. Auch spendet der Herr dann Segen, und unser Land gibt seinen Ertrag. Gerechtigkeit geht vor ihm her, und Heil folgt der Spur seiner Schritte.

December 5, 2022

Sonntag, 4. Dezember : Hl. Gregor der Große

Jedem Leser ist klar, dass Johannes nicht nur gepredigt, sondern auch eine Bußtaufe gespendet hat. Allerdings konnte er keine Taufe spenden, die Sündenvergebung erwirkt, denn die Vergebung der Sünden wird uns einzig durch die Taufe Christi gewährt. Deshalb sagt der Evangelist, dass er „Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden“ verkündete (Lk 3,3). Weil er selbst nicht die Taufe spenden konnte, die Sünden vergibt, kündete er die zukünftige an. So wie das Wort seiner Verkündigung der Vorläufer des fleischgewordenen Wortes des Vaters war, so ging auch seine Taufe […] der des Herrn wie ein Schatten der Wahrheit voraus (vgl. Kol 2,17). Derselbe Johannes antwortete auf die Frage, wer er sei: „Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft“ (Joh 1,23; vgl. Jes 40,3). Der Prophet Jesaja hatte ihn als „Stimme“ bezeichnet, da er dem Wort voranging. Was er rief, erfahren wir im Folgenden: „Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!“ Wer den rechten Glauben und die guten Werke predigt, was macht der anderes, als in den Herzen der Hörer den Weg für den Herrn zu bereiten, der kommen wird? So kann die allmächtige Gnade in diese Herzen eindringen und das Licht der Wahrheit sie erleuchten. […] Der hl. Lukas fügt hinzu: „Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken.“ Was bedeuten hier die Schluchten, wenn nicht die Demütigen? Und wer sind die Berge und Hügel, wenn nicht die Stolzen? Bei der Ankunft des Erlösers […] wird nach seinem eigenen Wort „erniedrigt, wer sich selbst erhöht, und erhöht, wer sich selbst erniedrigt“ (vgl. Lk 14,11). […] Durch ihren Glauben an den Mittler zwischen Gott und den Menschen, den menschgewordenen Jesus Christus (vgl. 1 Tim 2,5), haben diejenigen, die an ihn glauben, die Fülle der Gnade empfangen, während jene, die sich weigern zu glauben, in ihrem Stolz erniedrigt worden sind. Jede Schlucht wird aufgefüllt, denn die demütigen Herzen, die das Wort der heiligen Lehre aufnehmen, werden mit der Gnade der Tugenden erfüllt, wie geschrieben steht: „Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern“ (Ps 104(103),10).

December 4, 2022